Präventionstag in Offenbach

Warnzeichen von Mobbing und Gewalt erkennen

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Hier lediglich gespielt: Blöde Anmache im Bus.

Offenbach - Anmache im Bus, Hohn für einen Mitschüler über kompromittierende Handyfotos, die von ihm im Internet kursieren, offene Gewalt mit schwerwiegenden Folgen an einer S-Bahn-Station – drei realitätsnahe Situationen, wie sie sich täglich überall abspielen können. Von Harald H. Richter

Der 5. Offenbacher Präventionstag thematisiert diese Phänomene auf informative wie spielerische Weise, präsentiert im Einkaufscenter KOMM und auf dem Aliceplatz.

Die hinteren Sitze des Linienbusses, den die OVB bereitgestellt haben, sind gut gefüllt, bilden quasi den Zuschauerraum. Weiter vorn spielt sich das Geschehen ab: Drei Jungs bedrängen ein Mädchen, dessen Blick verrät, es fühlt sich unwohl, vermag sich allein aber nicht zu wehren. „Hey Du, heute schon was vor?“ fragen sie provokant und rücken der Verängstigten immer dichter auf die Pelle. Bis schließlich ein anderer Passagier entschlossen reagiert, die übrigen Fahrgäste im Bus aufmerksam macht und die Situation bereinigen hilft. Diese kurze Abfolge haben Siebtklässler der Geschwister-Scholl-Schule eingeübt und führen sie mehrmals an diesem Tag auf. Hinterher wird mit den Zuschauern über die Spielszene diskutiert.

DSDS-Sternchen Marcello Ciurlia live

Was macht eigentlich Ex-DSDS-Kandidat Marcello Ciurlia heute? Wir haben den Seligenstädter mit seiner Band "Most Wanted" beim 5. Offenbacher Präventionstag getroffen.

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Alle sechsten Klassen der Integrierten Gesamtschule in Bieber haben gelernt, wie man sich gegen Zudringlichkeiten wehrt, erläutert Lehrerin Barbara Ewert. „So entwickeln die Kinder Selbstvertrauen und wissen sich in brenzligen Situationen zu helfen.“ Mit ihrer kleinen Szene möchten die Schüler aber auch Erwachsene zu Courage und mutigem Handeln anstoßen.

Im Untergeschoss des KOMM agiert währenddessen das Ensemble von „People’s Theater“ und präsentiert ein Mini-Drama, in dem gleichfalls ein sozialer Konflikt beschrieben wird: Jugendliche setzen einen Mitschüler unter Druck, wollen bloßstellende Fotos von ihm im Internet hochladen, die sie nach dem Schulsport unter der Dusche heimlich geknipst haben. Sobald die dargestellte Alltagssituation zu eskalieren droht, stoppt Schüler Felix Büchner, selbst Teil des Theaterensembles, das es in wechselnden Besetzungen seit über zehn Jahren in Offenbach gibt, mittels eines Gongs die Schauspieler. Er leitet anschließend ein engagiertes Gespräch mit dem Publikum, um die Ursache des Konflikts aufzudecken und aus der Vielfalt der Meinungen positive Lösungen zu formulieren.

Wie die Schülerinitiativen, so widmen sich beim Präventionstag auch zahlreiche Vereine und Organisationen dem Thema Mobbing in der Schule, am Arbeitsplatz und im Web. Die Veranstaltung der Stadt Offenbach und der Stadtwerke-Holding wird unter anderem unterstützt von der Polizei, vom Netzwerk gegen Gewalt und dem Kriminalitätsopferverein Weißer Ring, der Verkehrswacht und dem Suchthilfezentrum Wildhof.

Aushängeschild der hessischen Gewaltpräventions- und Integrationsarbeit

Auch der Boxring Nordring um Präsident Wolfgang Malik und Trainer Dimi Scholl ist dabei und stolz darauf, ein Aushängeschild der hessischen Gewaltpräventions- und Integrationsarbeit zu sein. Der Verein bietet auf der Präsentationsfläche im KOMM-Tiefgeschoss mit Muammer, Francesco und Patrick drei hoffnungsvolle Box-Talente auf.

An anderer Stelle gibt Harald Mohr, Ju-Jutsu Trainer der Bundespolizei, Tipps und Tricks zur Selbstverteidigung an ein paar Steppkes weiter. Vor einer „Mauer of power“ des Suchthilfezentrums Wildhof kann das Publikum mittels Meinungskärtchen kundgeben, was sich gegen die großen und kleinen Ärgernisse des Lebens tun lässt, und Yvonne Lahner schnappt sich eine Handvoll Jugendliche, um in pädagogischer Spielform einen „Tower of power“ aufzurichten.

Thema Mobbing und Gewaltprävention

Anliegen aller teilnehmenden Institutionen ist es, eine möglichst breite Öffentlichkeit für das Thema Mobbing und Gewaltprävention zu interessieren und aufzuzeigen, wie wichtig es ist und bleibt, Warnzeichen zu erkennen, nicht wegzuschauen, wenn andere Menschen gehänselt, bedrängt oder gar körperlich gepeinigt werden. Nicht nur die Jugend soll sensibilisiert werden, denn sie kann man – was auch geschieht – ganz gezielt in den Schulen erreichen. Bewusst haben die Organisatoren den öffentlichen Raum gewählt, das Einkaufscenter, treten dort in den Dialog mit erwachsenen Passanten.

Dazu passend ist eine Gesprächsrunde in der Buchhandlung Thalia anberaumt, moderiert von Marcus Schenk vom Quartiersmanagement. Er diskutiert mit Arbeitsrechtler Horst Thon, Psychotherapeut John Cowan und Willi Hausmann – einem Betroffenen – über Mobbing am Arbeitsplatz. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland rund eine Million Menschen Opfer von Mobbing in der Arbeitswelt sind, viele über einen längeren Zeitraum. John Cowan spricht von einer Zeitspanne zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, in denen sie verbaler und psychischer Unterdrückung ausgesetzt sind, ehe sie endlich den Mut finden, sich jemandem anzuvertrauen und um Hilfe zu bitten.

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