Praktika sind der beste Tipp

Mehr als 700 Gymnasiasten aus Stadt und Kreis haben den Berufsinformationstag der Rotarier im Haus der IHK besucht und Gespräche mit Fachleuten verschiedener Branchen geführt. „Wie wird man denn Journalist?“ Das wollten zahlreiche Schüler von unserem Redakteur Markus Terharn wissen. - Foto: Georg

offenbach - „Eigentlich weiß ich im Moment nur, was ich nicht möchte: Jura“, sagt Iris Scheler auf die Frage, in welche Richtung sie ihr beruflicher Weg führen könnte. Von Harald H. Richter

Mit Klassenkameradin Hanna Wimmel sitzt die 17-jährige Schülerin des Leibnizgymnasiums Karin Himmelreich und Anja Döbritz-Berti von den „Working Moms“ gegenüber, um etwas über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erfahren. Diese repräsentieren einen Verein, dem die Förderung junger Frauen in ihrer Berufswahl hin zu mehr Unabhängigkeit, weg von alten Rollenbildern am Herzen liegt.

Himmelreich arbeitet in der Finanzbranche und hat es geschafft, beruflichen Erfolg mit erfülltem Privat- und Familienleben zu verbinden, Döbritz-Berti leitet ein familiengeführtes Auktionshaus. „Wenn ihr noch unentschlossen seid, nutzt eure Schulferien, um möglichst viele Praktika zu absolvieren“, lautet ihr Rat an Iris und Hanna. „Auch wenn darunter eins sein sollte, das den Erwartungen am Ende gar nicht entspricht, so erweitert es immerhin euren Erfahrungshorizont.“

Wie die beiden Mädchen, so nutzen am Dienstagabend mehr als 700 Schüler der Sekundarstufe II von zwölf Gymnasien aus Stadt und Kreis das Angebot der sechs in der Region agierenden Rotary-Clubs, um Fachleuten in Sachen Berufswahl Löcher in den Bauch zu fragen. Mehr als 120 aus knapp zwei Dutzend Wirtschaftszweigen und weiteren Branchen sind gekommen, um sie bei dieser zum 18. Mal in den Räumen der IHK organisierten Veranstaltung mit dem Titel „Schüler fragen – Profis antworten“ zu beraten und bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Auch die Mediengruppe Offenbach-Post ist vertreten: Redakteur Markus Terharn klärt auf über Perspektiven in Journalismus und Verlagswesen.

Koordinator Dr. Volker Dorsch ist höchst zufrieden mit der Resonanz. „Wir haben von den Schulen deutlich mehr Teilnahmemeldungen bekommen als erwartet.“ Anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen, die von dem überall in Deutschland verbreiteten Service-Club initiiert werden, stehen in Offenbach nicht nur Rotarier den Jugendlichen Rede und Antwort, obwohl sie zwei Drittel der Gesprächspartner stellen. „Unsere Mitgliederstruktur kann nur einen Teil des Wirtschafts- und Geschäftslebens abbilden, deshalb die Ausdehnung auf weitere Zweige.“

Stark nachgefragte Berufsfelder auch an diesem Abend sind Medizin, Psychologie, Informatik, Grafik/Design sowie die Luftverkehrsbranche. Insbesondere an diesen Expertentischen bilden sich Schlangen.

Auch Fabio Mola übt sich in Geduld. Der 16-Jährige besucht das Dreieichgymnasium in Langen und möchte mehr über Public Relations und Marketing erfahren, findet in Kommunikationsberater Claus Weyers ein auf diesem Gebiet kenntnisreiches Vis-à-vis. Den rotarischen Informationsabend bewertet Fabio so: „Ein tolles Angebot, das ich mir anders vorgestellt hatte. Ich dachte, da hören wir Vorträge. Stattdessen ist es sehr persönlich, man geht auf unsere Fragen ein.“

Ähnliches tut sich bei Personal-Managerin Astrid Küchler, die das Dreieicher Unternehmen Giegerich & Partner vertritt. Ihr gegenüber sitzen Luka Kristo und Paul Gahnert, auch sie besuchen die Langener Dreieichschule. Der IT-Spezialist bietet Ausbildungsplätze für angehende Fachinformatiker, Systemkaufleute und Softwareentwickler. Auch den beiden 15-Jährigen rät die Diplominformatikerin, vor der Berufsentscheidung Praktika zu durchlaufen, um interessante Aufgaben kennen zu lernen und theoretisches Wissen in der Praxis zu vertiefen.

Zweieinhalb Stunden später lichten sich die Reihen, indes IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner und Rotary-Präsident Steffen Schroth eine positive Bilanz ziehen können. Einer ersten Resonanz entnehmen sie, dass die Jugendlichen diese Form der Berufsinformation überaus positiv bewerten – und eine 19. Auflage im nächsten Jahr wahrscheinlich werden lassen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare