Praktizierte Inklusion

Ferien ohne Langeweile

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Angeleitet von Kulturmanagerin Rebekka Riedl, haben die Kleinsten in der „Kinderwerkstatt Bunterkund“ lustige Löffelpuppen angefertigt. Ein solches Angebot mit wechselnden Themen gibt es zwei Mal im Monat dienstags im Haus der Stadtgeschichte.

Offenbach - Im Nordendtreff der Behindertenhilfe Offenbach an der Ludwigstraße sitzen 13 Kinder um einen langen Tisch herum und basteln. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, aber dennoch eine Besonderheit. Von Harald H. Richter

Erstmals sind – ganz im Sinne praktizierter Inklusion – behinderte und nicht behinderte Mädchen und Jungen zwischen sieben und 13 Jahren beisammen und beschäftigen sich gemeinsam mit dem Thema „Träume“. Sie fertigen bunte Lampen und fantasievoll gestaltete Traumfänger an.

Initiiert von Nicole Gebhardt vom DRK-Kreisverband und betreut von Mitarbeitern beider Einrichtungen, wird das Vormittagsangebot während zweier Sommerferienwochen kostenfrei unterbreitet. Lediglich eine geringe Bastelpauschale ist zu entrichten. Mit am Tisch sitzt Kunststudentin Jeannine Duttine , die bereits Kinder auf ähnliche Weise kreativ angeleitet hat und auch diesmal mit helfender Hand eingreift.

Funkeln und Glitzern

Die bunten Traumfänger gelten eigentlich als indianische Kultobjekte, dürften aber fortan manches Kinderzimmer zieren. Im Wesentlichen aus einem Netz in einem Weidenreifen bestehend, werden sie von den Mädchen und Jungen mit persönlichen Gegenständen farbenfroh und fantasievoll dekoriert. Traumfänger sollen, dem Glauben nach, den Schlaf verbessern. „Es wird angenommen, dass die guten Träume durch das Netz gehen, die schlechten darin hängen bleiben und später durch die Morgensonne neutralisiert werden“, erklärt Duttine die Symbolkraft. „Alles, was funkelt und glitzert, kommt bei den Kindern besonders gut an“, weiß die Kunststudentin. „Wie groß wird erst ihre Freude sein, wenn sie am Abend die selbst gestaltete Lampe einschalten und vor dem Einschlafen noch einmal ihren Traumfänger bewundern.“

Kinder mit und ohne Handicap basteln bei einer Projektwoche von DRK und Behindertenhilfe Offenbach. Im Mittelpunkt stehen bunte Traumfänger und fantasievoll gestaltete Lampen.

Die neunjährige Azra ist gerade dabei, mit bunten Wollfäden das Netz zu spinnen und darin ein paar Glasperlen einzuflechten. „Mir macht das Basteln großen Spaß“, sagt das Mädchen, das die Waldschule in Offenbach besucht und durch das DRK zu diesem Ferienangebot gekommen ist. Stolz deutet Azra auf eine bereits fertiggestellte Lampe. Darauf hat sie Schmetterlinge, Muscheln und bunte Perlen sorgfältig aufgeklebt, die einzelnen Teile des Lampenschirms zusammengefügt und mitten hinein ein Drahtgeflecht eingesetzt, in dem eine Lichterkette befestigt ist. Sie ist sicher, dass das Unikat in ihrem Zimmer zum Blickfang wird.

Den in ihrer Motorik behinderten Kindern helfen die Mitarbeiter des ambulanten Dienstes in besonderer Weise und gehen ihnen immer wieder zur Hand. Schließlich sollen alle am Ende der Projektwoche etwas zur Erinnerung mit nach Hause nehmen können. „Berührungsängste hat es nicht gegeben“, sagt Felix Kapraun, Gruppenkoordinator bei der Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach. Die zehn Mädchen und Jungen mit Handicap, die in der Einrichtung betreut werden, und die drei Mädchen, die von Seiten des DRK teilnehmen, haben einander schnell angenommen. Wer nicht die ganze Zeit konzentriert bei der Sache bleiben kann oder will, findet am anderen Ende des Raumes bei den Turnmatten und diversen Spielgeräten Ablenkung.

Kostenlose Angebote

Kreativ geht es auch in der „Kinderwerkstatt Bunterkund“ zu, die im Haus der Stadtgeschichte an der Herrnstraße angesiedelt ist. Seit Mai werden dort Kinder bis zum sechsten Lebensjahr zwei Mal im Monat mit verschiedenen künstlerischen Techniken vertraut gemacht. Kulturmanagerin Rebekka Riedl hat diesmal ein halbes Dutzend Steppkes sowie einige Mütter um sich versammelt, um lustige Löffelpuppen herzustellen. Wie der Name vermuten lässt, werden dafür handelsübliche Holzkochlöffel benötigt, sowie bunte Stoffreste, Pfeifenreiniger, diverse Wollknäuel, Klebesterne und Leim. Dem dreieinhalbjährigen Ben geht die Mama zur Hand. Sie näht mit wenigen Stichen T-Shirt und Glitzershorts zusammen, während er mit dem Buntstift der kreisrunden Löffelfläche ein Gesicht verleiht und dunkle Wollfäden als Haare aufklebt. Die ein Jahr ältere Amalia hat bislang jedes der kostenlosen Angebote dieser Reihe wahrgenommen und ist auch jetzt wieder mit Eifer bei der Sache.

Jede der rund einstündigen Begegnungen in der Kinderwerkstatt steht unter einem anderen Thema. „Wir haben bereits mit Kartoffeldruck gearbeitet und Postkarten bemalt“, erklärt Riedl. Sie freut sich, wenn auch zur nächsten Veranstaltung am 20. August, 14 Uhr, das Haus der Stadtgeschichte wieder zum Treffpunkt kreativer Kinder wird.

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