Praktizierte Nächstenliebe

Aktion „Essen und Wärme“ bittet um Unterstützung

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Für einen Euro erhalten die Gäste der ökumenischen Initiative „Essen und Wärme für Bedürftige“ ein warmes Mittagessen, warme Getränke, Gebäck, Gespräche und Beratung. Wer ganz schnell und ohne finanziellen Aufwand helfen möchte: Heute startet die Abstimmung über den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises. 554 herausragende Personen und Initiativen haben die Chance, die bundesweit renommierte und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung zu erhalten. Aus Hessen sind in diesem Jahr 22 Nominierte im Rennen um den Deutschen Engagementpreis – unter anderem die ökumenische Initiative „Essen und Wärme“.

Offenbach - Vor 25 Jahren startete nahezu unbeobachtet eine Aktion, die heute nicht mehr wegzudenken ist: „Essen und Wärme für Bedürftige“. Als einer der Väter darf Pfarrer Günter Krämer bezeichnet werden. Ab heute bittet er um eine besondere Unterstützung: Eine Stimme bei der Online- Abstimmung des Deutschen Engagementpreises. Von Martin Kuhn 

Die von Günter Krämer ist höflich, ja zurückhaltend. „Ich habe eine Idee, wie wir Menschen ansprechen könnten, würde aber gerne Ihre Meinung hören“, sendet der Pfarrer in die Redaktion. Aber sicher! Schließlich hat er mit anderen eine ökumenische Initiative gegründet, die seit 25 Jahren weit mehr als eine warme Mahlzeit bietet. Die Menschen, die in eine der teilnehmenden Gemeinden kommen, erfahren dort praktizierte Nächstenliebe.

Pfarrer Günter Krämer

Was im Winter 1993 als einmalige Aktion gedacht war, hat sich inzwischen verfestigt – nicht nur in Offenbach. In einer der reichsten Industrienationen der Welt gibt es allein mehr als 900 Tafeln, 2 000 Tafel-Läden und unzählige Initiativen wie „Essen und Wärme“. Dabei kann sich Günter Krämer noch an den 20. Dezember 1993 erinnern: „Sieben Mitarbeiter betreuten einen Gast.“ Die Zahl der Tafelgäste ist bis heute stark gestiegen, das Konzept ist hingegen geblieben: Durch Speis und Trank etwas für den Leib tun, und durch die Bereitschaft zum Zuhören und zum Gespräch etwas für ihre Seele.

Mitunter muss sich Günter Krämer ermahnen nicht in einen lähmenden Trott zu verfallen: „Es ist für viele zur gewohnten Geschichte geworden.“ Der ehemalige Pfarrer der Französisch-reformierten Gemeinde vermeidet ganz bewusst das Adjektiv gewöhnlich. Denn: „Dass es so funktioniert, ist eben nicht selbstverständlich.“ Gegründet ist die Aktion seit 25 Jahren auf Vertrauen – auch der beteiligten Gemeinden, die ihre Arbeit vernetzen.

Und so freut es Pfarrer Krämer besonders, dass er in diesem Jahr eine weitere Gemeinde im ohnehin schon großen ökumenischen Kreis begrüßen darf: die Portugiesische Katholische Gemeinde. „Über die Silvester-Woche war eine Lücke zu schließen.“ Als sich Krämer auf die Suche begibt, sagen die Portugiesen sofort: Wir springen ein! So bleibt es bei einer makellosen Bilanz: „Bislang konnten wir jeden Tag öffnen, hatten immer unsere Helfer.“

Das ist jedoch auch ein kleines Manko der vorbildlichen Initiative: Viele Helfer sind seit Beginn dabei und entsprechend älter geworden. „Das merkt man.“ Der Leiter von „Essen und Wärme“ freut sich daher stets, wenn jüngere Leute mitmachen und mithelfen. „Sie bringen da auch neue Sichtweisen und Hilfen ein“, freut sich der 75-Jährige. Stichwort: neue Medien.

Die könnten bei der angesprochenen Online-Abstimmung helfen, die heute startet. Seit 2001 fördert Startsocial ehrenamtliche soziale Initiativen mit einem bundesweiten Wettbewerb, bei dem sich 100 für ein Beratungsstipendium qualifiziert hatten –darunter die Offenbacher. Ein Ergebnis der externen Beratung: neue Strukturen und ein Leitungsteam von nun drei Personen Nun geht’s um den sogenannten Publikumspreis, nachdem die Initiative bereits von Kanzlerin Angela Merkel empfangen und geehrt wurde. „Das wäre auch eine Auszeichnung für Offenbach“, findet Krämer, „da hier so viele Gemeinden verschiedener Konfessionen und Nationalitäten für diese Sache zusammenarbeiten.“

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Und er glaubt nicht, dass ihr gemeinsames Wirken in absehbarer Zeit enden wird. Im Gegenteil. „Es gibt mehr Bedürftige als die, die zu uns kommen“, ist er sicher und ergänzt: „Die Zahl der Älteren, die allein und arm sind, nimmt zu.“ Dabei hat Günter Krämer auch regionale Unterschiede ausgemacht: „Im Vergleich zu anderen Städten hat Offenbach eine höhere Arbeitslosenquote. Auch das führt zu körperlichen und psychischen Erkrankungen.“ Und zu einer möglichen Isolation, die die ökumenische Initiative aufbrechen möchte. „Wir sind bewusst keine Armenveranstaltung; jeder der kommt, ist willkommen.“

Das Online-Voting zum Publikumspreis startet am 12. September auf der Seite: www.deutscher-engagementpreis.de/publikumspreis

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