Überraschung, Verärgerung, Resignation

Preise an Tanke gehen beliebig hoch und runter

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Offenbach - Überraschung, Verärgerung, Resignation – Emotionen gehören beim Griff zur Zapfpistole dazu. Der gemeine Autofahrer mag sich ja ans Auf und Ab der Spritpreise mehr oder weniger gewöhnt haben. Von Fabian El Cheikh

Zähneknirschend nimmt er hin, dass er die sprichwörtliche dumme Kuh ist, die scheinbar endlos gemolken werden kann – sei’s vom armen Vater Staat oder vom milliardenschweren Ölmulti. Regelrecht veräppelt fühlte sich unser Leser Norbert Kircher zuletzt aber immer öfter beim Blick auf die Preistafeln. Es begann an einem Morgen Ende Juli, als er überraschend „Zeuge eines besonderen Ereignisses“ wurde, wie er sagt. „Ich durfte live miterleben, wie der Spritpreis an einer Tankstelle an der Waldstraße reduziert wurde.“ Super gab’s von der einen auf die andere Sekunde einen Cent günstiger, Diesel sogar zwei Cent.

Keine Frage, der Preissprung fällt oft genug stärker aus – wenn dann auch eher nach oben. Dennoch zückte der aufmerksame Bieberer erfreut die Kamera ob dieses schönen Moments, um wenig später am eigenen Leibe zu erleben, wie die Freude Ärger wich. Als nämlich am späten Nachmittag der Preis wieder deutlich anzog, „denn dann tanken ja wieder alle“.

„Die Dieselerhöhung ist schon krass!“

Tatsächlich kostete der Liter Diesel vormittags (um 9.41 Uhr) noch 1,389, am nächsten Morgen und, so die Vermutung Kirchers, die gesamte Nacht zuvor 1,489 Euro. „Die Dieselerhöhung ist schon krass! Das waren mal eben zehn Cent mehr als am Nachmittag des Vortages – und siehe da um 10.30 Uhr waren es wieder sechs Cent weniger, also nur noch 1,429.“ Vergleichsweise gering fiel dagegen der Nachtzuschlag bei Super aus: fünf Cent. Insgesamt beobachtete Kircher innerhalb von 24 Stunden fünf Preisänderungen je Benzinsorte.

Die Tankstelle eines österreichischen Mineralölkonzerns dient hier nur als ein Beispiel von mehreren, die Kircher akribisch in Fotos und Tabellen festhielt. Endlich, darf man sich in dem Gefühl, abgezockt zu werden, bestätigt fühlen, ist hieb und stichfest protokolliert, was jeder Autofahrer oft genug erlebt: die augenscheinlich willkürliche Preisspirale an der Tanke. Dass hinter den hektischen Preissprüngen ein klar erkennbares Muster steht, hat der ADAC bei einer eigenen einwöchigen Preisbeobachtung an 33 Tankstationen der Marken Aral, Shell und Jet in elf deutschen Städten herausgefunden. Dabei wurden die Preise der beiden Sorten Super E10 und Diesel um 8 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr erfasst.

Erkenntnisse der aktuellen ADAC-Untersuchung

Die wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen ADAC-Untersuchung: Tatsächlich werden Autofahrer morgens am stärksten abkassiert. Tagsüber fallen die Preise, und wer auf ein „Schnäppchen“ wartet, soweit man davon sprechen kann, sollte abends vorfahren. Dann sind die Preise am niedrigsten. So kostete ein Liter Super E10 im Schnitt abends um 2,6 Cent weniger als am Morgen. Diesel-Fahrer konnten abends sogar 3,3 Cent je Liter sparen. Über Nacht werden dagegen häufig „extreme Preisaufschläge“ vorgenommen, teilt der ADAC mit. „Die Preise der jeweiligen Anbieter unterscheiden sich dabei bisweilen erheblich.“ Der Dieselpreis falle im Tagesverlauf stärker als der Benzinpreis.

Die ADAC-Erklärung hierfür: Die „Preisrunden“ erfolgen nach einem weitgehend festen Schema. Jede dieser Runden stelle einen Versuch dar, die Gewinnsituation der der Mineralölwirtschaft zu verbessern. Allerdings müsse jede Preiserhöhung erst im Wettbewerb durchgesetzt werden. Meist sänken die Preise einige Zeit nach der Anhebung wieder ab.

Die wichtigsten Infos zum E10-Benzin

Bio-Sprit E10: Die wichtigsten Infos

Dieses Vorgehen durchkreuzen soll die offizielle Meldestelle für Benzin- und Dieselpreise. Die versuchte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) noch vor den Bundestagswahlen durchzupeitschen. Angepeilter Starttermin war eigentlich der 1. August, doch bislang sollen zu wenige Tankstellen am Meldesystem angeschlossen sein. Einen neuen Termin gibt es bislang nicht – und so bleibt auch Norbert Kircher derzeit nicht viel mehr als Resignation.

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