Angela Freiberg erhält Sophie-von-La-Roche-Preis

Preisverleihung im Klingspor Museum

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Die Regisseurin und Sozialmanagerin Angela Freiberg hat Integration und Gleichberechtigung fest im Blick.

Offenbach - Zwischen verdreckten Hausfassaden, angespannten Gesichtern und lautem Stadtgemurmel hat Angela Freiberg ihre persönliche Geschichte schon entdeckt: „Passende Stoffe für einen Film finden mich irgendwann von allein“, erzählt die Regisseurin und Sozialmanagerin. Von Eva-Maria Lill 

Am Mittwoch, 19. März, 18 Uhr, erhält die 44-Jährige im Klingspor Museum den Sophie-von-La-Roche-Preis 2013. Die alle zwei Jahre verliehene Auszeichnung geht an Bürger, die sich in besonderem Maß für die Gleichberechtigung von Frauen engagieren. „Für mich kam der Anruf ganz überraschend. Ich habe wirklich keine Ahnung, wer mich vorgeschlagen hat“, schmunzelt Freiberg. Neben ihrer filmischen Tätigkeit ist die gebürtige Frankfurterin auch sozial aktiv. Kreativität und Menschenliebe gehören für Freiberg unmittelbar zusammen, Diskussion und Kommunikation sind wichtige Zutaten für ihr Geheimrezept. „Angela Freiberg hat sich um die Gleichberechtigung von Frauen in Offenbach durch nachhaltiges und kreatives Engagement verdient gemacht und ist eine würdige Preisträgerin“, so die Vorsitzende der siebenköpfigen Jury, Stadträtin Marianne Herrmann.

Vor mehr als 18 Jahren gründete Freiberg im IB-Treff Waldhof eine internationale Frauengruppe und bot jungen Mädchen ein vertrautes Miteinander. Dort lernte sie die Protagonistinnen ihrer Filmprojekte kennen: Nagije, Nazmi und Bege Kokollari. Die vier Frauen trafen das erste Mal bei einer Video-AG aufeinander und verstanden sich blendend. 2006 drehten sie ihren ersten Film, „Die Schwestern Kokollari“. Das Gemeinschaftsprojekt entstand im Zuge eines Seminars an der Hochschule für Gestaltung, wo Freiberg Film und experimentelle Gestaltung studierte. Sechs Jahre später folgte mit „Geboren in Offenbach“ der zweite Film. „Wir haben gemerkt, dass die Zusammenarbeit gut funktionierte und das Publikum Interesse an den Mädchen hatte“, erläutert Freiberg.

Unterschiedliche Reaktionen

Porträtiert „Die Schwestern Kokollari“ die drei jungen Frauen während eines Besuchs in der albanischen Heimat, zeigt „Geboren in Offenbach“ in 76 Minuten das Alltagsleben der damals etwa 20-Jährigen. Die spannende Mischung aus Milieustudie, Porträt albanischer Familienkultur und jugendlich-rebellischer Selbstsuche unterhält und regt zum Nachdenken an. „Die Reaktionen waren ganz unterschiedlich. Viele Zuschauer zeigten sich betroffen. Erschreckend war, dass 80 Prozent der Anwesenden ähnliche Konflikte zwischen Liebe und Tradition aus ihrem Umfeld kannten.“ Ein hochaktuelles Thema also, quasi eine verkleinerte Beobachtung des großen Ganzen: „Dokumentarfilmen ist für mich wie Forschung ohne Wissenschaft, eben mit kreativen Mitteln.“

Mittlerweile ist Freiberg Quartiersmanagerin im Nachbarschaftsbüro der Diakonie Frankfurt-Preungesheim. Gemäß dem Projekt „Aktive Nachbarschaft“ setzt sie sich für eine Stadtteilpartnerschaft zwischen Offenbach-Waldhof und Frankfurt-Preungesheim ein.Ein heikles Thema: Eine Frankfurterin, die einen offenbacher Preis entgegennimmt. Geht das überhaupt? Allerdings. Angela Freiberg versteht sich als Brückenbauerin, zwischen Deutschen und Migranten ebenso wie zwischen der einen und der anderen Mainseite.

Viele Jahre lebte und arbeitete sie in Offenbach. „Ich war da sehr gern. Obwohl es eher eine kleine Großstadt ist, hat Offenbach alles, was man braucht. Besonders toll finde ich das multikulturelle Selbstverständnis und das Bunte der Nationen.“Zur Preisverleihung erwartet Angela Freiberg auch die Schwestern Kokollari und viele Gesichter aus ihrer Vergangenheit: „Ich funktioniere eben nur im Team.“ Was sie mit den 1500 Euro Preisgeld anfängt, weiß sie noch nicht. Vielleicht investiert sie es in eine kürzere Version von „Geboren in Offenbach“, die im Schulunterricht gezeigt werden kann.

Interessenten können anlässlich des internationalen Frauentages am Samstag, 8. März, beim Frühstück des DGB den Film „Die Schwestern Kokollari“ sehen. Treffpunkt ist um 10 Uhr das Haus der Gewerkschaft (Berliner Straße 220-224, viertes Obergeschoss).

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