Premiere im Prototyp

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Holzschnitzer Josef aus Polen nutzt die erste von Pro-OF zur Verfügung gestellte Hütte. Der Prototyp könnte als Serie für mehr Einheitlichkeit sorgen - falls sich genügend Kunsthandwerker auf das Angebot einlassen.

Offenbach ‐ Josef, der Holzschnitzer aus Polen, hat sich auf seine deutsche Weihnachtsmarkt-Premiere vorbereitet. Mitten in seinem reichhaltigen Aufgebot von Figuren und Reliefs („Sind Handwerken und haben einen eigenartigen Charakter“) fällt ein Wichtelmännchen mit Reisigbündel auf: „Offenbach 2009“ ist in den Sockel eingebrannt. Von Thomas Kirstein

Josefs Firma Faron ist in der schlesischen Stadt Wroc law, älteren Menschen als Breslau geläufiger, beheimatet. Die Polen ließen sich von einem besonderen Angebot der Offenbacher Weihnachtsmarkt-Organisatoren anlocken - sozusagen als Versuchsbeschicker: Sie dürfen ihr Sortiment in eine fix und fertig montierte Hütte mit allen Anschlüssen einräumen und testen, ob Offenbach ein Markt für ihre Produkte ist.

Die Bude auf dem Stadthof ist ein Prototyp Marke Eigenbau. Pro-OF-Geschäftsführer Klaus Kohlweyer und seine Mitarbeiter haben ihn konzipiert. „Da stecken 3200 Euro drin, ohne Arbeitsleistung“, verrät der Marktprofi.

Nicht ohne Hintergedanken: So kann er verdeutlichen, welche finanziellen Anstrengungen notwendig wären, um das von Offenbachs Politik immer wieder geforderte Mehr an Kunsthandwerk auf dem Adventsrummel zu realisieren. Denn Kunsthandwerker seien eben nur mit solchen Vorleistungen und besonderen Konditionen nach Offenbach zu locken, sagt er.

Läuft das polnische Experiment zufrieden stellend, wird die erwünschte Beschicker-Gruppe mit Fotos von der Eigenbau-Bude umworben. „Gut wäre, wenn wir zehn bis 15 solcher Hütten besetzen könnten“, sagt Kohlweyer. Er und Pro-OF-Kompagnon Hans-Peter Kampfmann organisieren den Weihnachtsmarkt im Auftrag der Stadt, ursprünglich als Tochterfirma des Gewerbevereins Treffpunkt, seit 1997. 2009 lief der Vertrag aus, und die beiden hatten um den Zuschlag bangen müssen.

Neben der bisherigen Qualität behagte den Verantwortlichen im Rathaus nicht, dass die Vergabepraxis von Pro-OF der Stadt die schlechten „Bratwurstkrieg“-Schlagzeilen bescherte. Der Markt wurde bundesweit ausgeschrieben.

Letztlich setzte sich bei der städtischen „AG Feste“ doch das neue Konzept der Platzhirsche durch. „Ihre Mischung aus kreativen Ansätzen und finanziell solidem Hintergrund hat überzeugt“, sagt der städtische Pressesprecher Matthias Müller.

Heute begutachtet und diskutierte die AG, die aus Vertretern von Ämtern, IHK, Hotel- und Gaststättenverband, Treffpunkt und Einzelhandel besteht, was von den auf drei Jahre angelegten Konzeptversprechen umgesetzt wurden.

AG-Mitglied Müller, der Veranstaltung in ihrer vorherigen Form sehr kritisch gegenüberstehend, signalisiert schon mal ein gewisses Maß an Zufriedenheit mit dem aufgepeppten Weihnachtsmarkt: „Also von der Sauberkeit, der Anordnung der Stände, der Dekoration mit den Weihnachtsbäumen, der Beleuchtung und teilweise dem Angebot her ist das deutlich schöner geworden.“ Der von der Ausschreibung ausgehende Druck habe offensichtlich einen Qualitätssprung im Vergleich zum Vorjahr bewirkt, der auf weitere Verbesserungen hoffen lasse.

Einhellige Begeisterung wird er aber wohl nie ernten, der Offenbacher Weihnachtsmarkt in der wenig romantischen Umgebung einer modernen Innenstadt und seinem wegen der Konkurrenz großer Weihnachtsmärkte weniger attraktiven Angebot.

Die erste Beanstandung dieses Jahres kommt von den Freien Wählern. Fraktionsvorsitzender Dieter Jahn freut sich zwar über ein neues Ambiente mit überwiegend Holzhütten und vielen Tannenbäumen, ist aber unzufrieden mit dem Angebot: „Von der angekündigten Qualitätsoffensive ist nicht viel zu sehen.“ Außerdem seien in diesem Jahr deutlich weniger Stände da. Jahn beklagt ein Überangebot von Glühwein- und Imbissständen und die Abwesenheit von „richtig weihnachtlichen Dingen wie Christbaumkugeln, Lichterketten oder Lametta“.

Der Offenbacher Weihnachtsmarkt hat täglich von 10 bis 21 Uhr, sonntags von 12 bis 21 Uhr geöffnet; er schließt seine Buden am 23. Dezember um 20 Uhr.

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