Bei privaten Zimmerangeboten über Airbnb ist Gastgeber in der Pflicht

Vermieten auf eigenes Risiko

Offenbach - In einer Großstadt übernachten – und das für den Bruchteil des Hotelpreises. Der Zuspruch für Geschäftsmodelle wie Airbnb wächst und wächst. Wer daran denkt, ein Zimmer zu vermieten, sollte sich das jedoch genau überlegen. Von Sonja Achenbach 

Zwanzig Euro für eine Nacht in Frankfurt in einem Zimmer einer Wohngemeinschaft. Doppelbett, WLan, Küche, Parkplatz. Das Angebot im Internet klingt verlockend und schlägt den Preis der meisten Hotels um Längen. Das Modell der privaten Zimmervermietung boomt. In Deutschland waren nach Angaben von Airbnb 2014 38 000 Unterkünfte gelistet – doppelt so viele wie im Vorjahr, berichtet Unternehmenssprecher Julian Trautwein der Nachrichtenagentur dpa. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) betrachtet die Entwicklung laut einer Mitteilung kritisch. Eduard Singer, Vorsitzender des Dehoga Hessen Kreisverbandes Frankfurt und zugleich stellvertretender Präsident des Landesverbandes, sieht sich einem ungerechten Wettbewerb ausgesetzt. Private Zimmervermieter müssten sich nicht an die gesetzliche Vorgaben für Hotels halten. Beispielsweise müssen sie keine Fluchtwege nachweisen.

„Wir haben nichts dagegen, wenn Zimmer privat vermietet werden. Allerdings wird der Markt immer professioneller. Und das ohne die gleichen Einschränkungen und Auflagen zulasten der Anbieter. Das stellt eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der ordentlichen Hotellerie dar, die nicht hinzunehmen sein kann“, sagt Singer. Schließlich gebe es auch hier Risiken für Gast und Gastgeber. Während die einen klagen, dass Unternehmen wie Airbnb nicht die gleichen Auflagen erfüllen müssen, entgegnet Sprecher Trautwein auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir halten es für wenig sinnvoll, wenn wegen eines Gastes drei Fluchtwege vorhanden sein müssen. Die Standards sollten angepasst werden.“ Er betont, dass trotzdem an die Belange von Gast und Gastgeber gedacht sei. „Unterschreibt der Gast einen Unterbringungsvertrag, erhält er damit eine Notfallnummer, die 24 Stunden am Tag erreichbar ist.“ Wenn etwas mit der Unterbringung nicht stimme, werde der Gast unverzüglich in eine andere umgebucht und die Überweisung des vereinbarten Betrags gestoppt.

Gastgebergarantie des Unternehmens

Der Sprecher preist auch die Gastgebergarantie des Unternehmens an. Sie sichere Schäden am „anspruchsberechtigten Eigentum“ in Höhe von 700.000 Euro ab und sei in dieser Form einzigartig. Die Konkurrenten 9flats und Wimdu bieten Versicherungen, die bis zu 500 000 Euro an Erstattung in Aussicht stellen.

Wer sich allerdings bei Airbnb online durch die Bedingungen kämpft, die bestimmen, wann diese Garantie greift, bei dem dürfte sich schnell Ernüchterung breit machen. Die Liste der Ausnahmen ist lang, und um einen Antrag fristgerecht einzureichen, muss vieles bedacht werden. Der Gastgeber wird aufgefordert, Kontakt mit dem Gast zu suchen, Schäden zu dokumentieren, die Polizei zu alarmieren. Bevor er sich mit allen Unterlagen jedoch an Airbnb wenden kann, soll er sicherstellen, dass auch wirklich ein Anspruch besteht. All das muss entweder innerhalb von 14 Tagen erfolgen, oder bevor der nächste Gast einzieht. Airbnb hat ganz genau geregelt, wann die Garantie greift.

Entscheidend ist allerdings: „Folgendes deckt die Gastgeber-Garantie nicht ab: gemeinsame oder geteilte Bereiche“, wie im Internet nachzulesen ist. Im abgetrennten Schlafzimmer für den Gast greift die Garantie. Geht in einem Gemeinschaftsbad oder beim Kochen in der gemeinsam genutzten Küche etwas zu Bruch, hat der Gastgeber keinen Anspruch auf Ersatz.

Plattform zur Vermietung

Der Slogan „Du bist ein Teil der Airbnb-Familie und unsere Familie liegt uns am Herzen“ gilt nur soweit, wie keine Probleme auftauchen. Denn Airbnb stellt im Grunde lediglich die Plattform zur Vermietung und bekommen einen Anteil der Gebühren. Der Gastgeber allein ist in der Pflicht – und zwar in so gut wie jedem Punkt. Das fängt bei der Erlaubnis zur Untervermietung an und geht eben bis zur Schadensmeldung.

Der Plattform ist es zwar freigestellt, einen „verdächtigen“ Gast wegen Schadensansprüchen vor Gericht zu stellen, bei Problemen hießt es allerdings: „Sie und Airbnb vereinbaren, dass alle Rechtsstreitigkeiten (...) durch ein bindendes Schiedsverfahren beigelegt werden. Sie erkennen an und stimmen zu, dass Sie und Airbnb jeweils auf das Recht verzichten, ein Schwurgerichtsverfahren zu erhalten oder sich als Kläger oder Kläger einer Sammelklage in einer behaupteten Sammelklage oder einem Musterprozess zu beteiligen“, wie unter den Nutzungsbedingungen zu lesen ist.

Günstige Übernachtung oder Nebenverdienst hin oder her – klare Rechtsverhältnisse bietet bisher nur ein Hotel.

Hotel-Alternativen: Fallstricke bei Airbnb und Co.

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Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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