Zank um eine Gedenktafel

Privatmann sorgt für Hinweis am Geburtshaus der Offenbacher Fechterin Helene Mayer

Endlich eine Gedenktafel: Gerd Wolf vor dem Schild für Helene Mayer in der Bahnhofstraße 18.
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Endlich eine Gedenktafel: Gerd Wolf vor dem Schild für Helene Mayer in der Bahnhofstraße 18.

Die Schriftstellerin Sophie von La Roche hat eine, der Musikverleger Johann André ebenso, und natürlich wird an die Begegnungen von Lili Schönemann und Goethe mit einer Gedenktafel erinnert. Nach der Offenbacher Fechterin Helene Mayer ist zwar eine Straße benannt (beim Isenburgring nahe des Leibniz-Gymnasiums), doch eine Gedenktafel existierte bisher nicht.

Offenbach – Dass sich das vor wenigen Wochen geändert hat und an ihrem Geburtshaus, einem mit Schmierereien verschandelten Gebäude in der Bahnhofstraße 18, ein Schild samt Bild an die Sportlerin erinnert, ist einem Privatmann zu verdanken: Für den in Offenbach aufgewachsenen Gerd Wolf war es, wie er unserer Zeitung sagt, ein Herzensanliegen, dass dort an die bedeutende Sportlerin erinnert wird. Der Ablauf rund um die Anbringung der Tafel ist jedoch ein Beispiel dafür, wie es nicht laufen sollte in der Kommunikation zwischen Bürger und Verwaltung. Denn Wolf findet, die Stadt habe das Projekt künstlich in die Länge gezogen, aus dem Rathaus heißt es, der Initiator sei beleidigend geworden.

Anfang Juli hatte Wolf sich an die Stadt gewandt und gefragt, ob nicht eine Gedenktafel für Mayer an deren Geburtshaus angebracht werden könnte. Gleichzeitig kontaktierte er die Verwaltung des betreffenden Gebäudes, welches einer Berliner Gesellschaft gehört. Von dort hieß es am 14. Juli, dass man keine Einwände gegen die Montage habe, solange den Eigentümern keine Kosten entstünden. „Ich habe auch mit Mietern gesprochen“, sagt Wolf, „die kannten den Namen Helene Mayer gar nicht.“

Die Antwort der Stadtverwaltung ließ wesentlich länger auf sich warten, da die zuständigen Mitarbeiter zu der Zeit im Urlaub waren. Das sei unglücklich gewesen, räumt Stadtsprecher Fabian El Cheikh ein. Gut drei Wochen nach seiner ersten Anfrage erhält Wolf die Nachricht, dass man hausintern prüfen möchte, wie man ihn bei seinem Anliegen unterstützen könne, eine Antwort sei für Mitte August realistisch.

Die Stadt vermittelte aber zunächst den Kontakt zum Fechtclub, damit Wolf die Nachfahren Mayers anschreiben und auch deren Erlaubnis einholen konnte.

Die weitere Korrespondenz von Wolf mit der Stadt lief dann vor allem über das Sportamt: Dort hieß es am 16. August, dass die Bauaufsicht keine Bedenken habe und man „dem Vorhaben positiv gegenüber“ stehe. Der folgende Satz aber dürfte es sein, der zum Zwist führte: „Da solche historische Hinweistafeln in der Regel jedoch durch private Initiativen finanziert werden, beleuchten wir diese Möglichkeiten umfassend und mit dem Fechtclub“.

Tatsächlich ist es so, das betont Stadtsprecher El Cheikh, dass üblicherweise die Ideengeber für Gedenktafeln diese selbst finanzieren oder eine Stiftung zu benennen wissen, welche die Finanzierung übernimmt. Ein städtisches Budget gebe es schon lange nicht mehr, sagt er. „Seit 1988 wurden Hinweis- und Gedenktafeln im Stadtgebiet angebracht, damals stand noch Geld bereit.“ 22 Tafeln gibt es in Offenbach, eine Liste, wer geehrt werden soll, existiert nicht. „Das lebt von Eingaben der Menschen, die sich an die Stadt wenden“, sagt er. So gibt es aktuell auch eine Anfrage der Französisch-reformierten Gemeinde, ein beschädigtes Hinweisschild zu erneuern.

In Sachen Hinweistafel für Helene Mayer führte das Sportamt Anfang Oktoberplötzlich an, dass geprüft werden müsse, ob es Richtlinien für Hinweistafeln gebe. Für Wolf wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, wie aus der Korrespondenz hervorgeht.

Er beauftragt nun selbst eine Firma mit der Anfertigung einer Gedenktafel, zahlt die Kosten von 100 Euro aus eigener Tasche und montiert mit seinem Sohn das Schild am Haus. Wolf: „Es ist mir einfach zu blöd geworden, deshalb habe ich es selbst in die Hand genommen.“

Auch der Fechtclub ist seiner Meinung nach in der Sache zu wenig aktiv geworden, und ob die Stadt überhaupt ein Interesse gehabt habe, das Schild anzubringen, bezweifelt Wolf. Dass dabei auch Vermutungen geäußert werden, es hätte mit Mayers Herkunft zu tun, ärgert nun andererseits vor allem die Stadt, die dies entschieden zurückweist. Gestalterische Richtlinien für Gedenktafeln gebe es übrigens nicht. (Von Frank Sommer)

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