Offenbach

Privatschule koppelt sich von Frankfurt ab

Nicht nur für die Stadt, auch für die Eltern ist die Gründung der Erasmus-Privatschule eine Herausforderung. Rund drei Millionen Euro investiert die Stadtwerke Offenbach Holding, um das frühere Gesundheitsamt im Dreieichring so herzurichten, dass ab Sommer 26 Kinder in einer Klasse unterrichtet sowie 100 in Krabbelstube und Kindergarten betreut werden können.

Offenbach (ak) - Das Erasmus-Konzept sieht vor, dass die Kinder von klein auf Fremdsprachen lernen. Die Erzieher und Lehrer sind zum Teil englische und spanische Muttersprachler, die mit ihren Zöglingen kein Deutsch sprechen. Die „Immersionsmethode“ sieht vor, dass die Kinder gleichsam eintauchen in die für sie neue Sprache. Sie erschließen sie sich aus dem Zusammenhang. Grammatik und Vokabeln stehen nicht im Vordergrund, die Erzieher korrigieren keine Fehler. Die Methode funktioniert nur, wenn die Lernenden viel Zeit mit der neuen Sprache verbringen.

Für Eltern, die sich wünschen, dass der Nachwuchs Sprachen praktisch nebenbei lernt, entstehen in Krabbelstube und -Kindergarten keine Zusatzkosten. Die Gebühren sind identisch mit denen anderer Offenbacher Einrichtungen. Während öffentliche Schulen kostenlos sind, zahlen Eltern der Erasmusschule dagegen monatlich 450 Euro: 200 fürs Schulgeld, 190 für Nachmittagsbetreuung und 60 für Verpflegung. Zudem müssen sie dem Träger ein zinsloses Darlehen von 1 500 Euro gewähren sowie eine Bürgschaft über 2 500 Euro, um Kredite zu sichern. Damit sind sie am wirtschaftlichen Risiko der Schule beteiligt, die erst nach drei Jahren Zuschüsse vom Land erhält.

Ralph Holz, Vorsitzender der Elterninitiative „OK Kids“ ist zuversichtlich, dass die Eltern am Ende der Schulzeit das Darlehen zurück erhalten und die Bürgschaft nicht fällig wird. Weil der Schulträger nicht selbst ins Gebäude investieren muss, sondern eine feste Miete zahlt, sei das Risiko kalkulierbar. Zumal eine Spende über 150 000 Euro des Industriellen Ingo Mayer die für Privatschulen in Hessen generell schwierige Startphase erleichtere.

Zudem wird Offenbachs Erasmus-Projekt wirtschaftlich von der Frankfurter Lehrerkooperative abgekoppelt. Bei dem freien Bildungsträger ist - vor allem wegen einer vor knapp drei Jahren an der Frankfurter Messe eröffneten Erasmus-Schule - das Geld chronisch knapp. Der Verein hatte insbesondere für Brandschutz deutlich mehr in das Schulgebäude investieren müssen, als geplant. Auch deswegen arbeitet die Lehrerkooperative, die in Frankfurt unter anderem 18 Kindertagesstätten betreibt, am Rand der Zahlungsunfähigkeit.

„Die Frankfurter Probleme werden nicht zum Offenbacher Problem“, verspricht Holz. Es werde eine wirtschaftlich unabhängige gemeinnützige Offenbacher Erasmus GmbH gegründet. Gesellschafter werden Vorstandsmitglieder der Lehrerkooperative, so dass der Austausch gesichert ist.

Bei zwei Infoabenden an den nächsten Donnerstagen informieren Stadt, Träger und Elternverein über das Erasmus-Modell, jeweils ab 19.30 Uhr in der IHK, Frankfurter Str. 90. Am 12. Februar geht es um die Schule, am 19. Februar um Kita und Krabbelstube.

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