Bienchen begeistern

Vom „Probe-Imker“ zum Honigproduzenten

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Margot Schneider und Jörg Keller schauen an den EVO-Bienenstöcken nach, ob alles in Ordnung ist. Kontrolle gehört zu den vornehmsten Imker-Aufgaben.

Offenbach - Der örtliche Imkerverein macht’s möglich: Immer mehr Offenbacher kommen auf die Biene. Viele, die zunächst über das Angebot „Probe-Imker“ einsteigen, bleiben am ersten selbst geschleuderten Honig kleben. Von Thomas Kirstein 

Das sind einmal Privatleute wie der ehemalige Oberbürgermeister und jetzige Sparkassenpräsident von Hessen/Thüringen, der gern mit seiner neuen Verantwortung hausieren geht. „Ich hab’ jetzt 200.000 Mitarbeiterinnen“, lässt Gerhard Grandke seit einiger Zeit wissen.

Aber auch in Firmen wird die Bienenzucht als außerdienstliches Betätigungsfeld für Mitarbeiter entdeckt. Jürgen Panthöfer, Vizevorsitzender des Offenbacher Imkervereins, weiß, dass es etwa bei der Fraport, bei der KfW-Bank oder am Frankfurter Römer summt. Das hiesige Vorzeigeprojekt produziert an der Andréstraße Honig. „Wir sind sehr froh, dass wir die EVO haben“, sagt Panthöfer. Sicher nicht nur, weil der Versorger auch Sponsor ist. Angefangen hat’s als reine Information. Der Verein gestaltete 2012 den jährlichen UN-Umwelttag bei der EVO und brachte zwei Bienenvölker mit. Die dabei vermittelten Informationen überzeugten: dass ohne den ökologischen Faktor Biene hierzulande kaum etwas wachsen würde, die Hälfte der heimischen Obst- und Gemüsorten auf Bestäubung angewiesen ist.

Europaweit fehlen Bienen

Europaweit fehlen Bienen: 13 Millionen Kolonien oder sieben Milliarden Einzeltiere, hat ein Wissenschaftler der britischen Uni Reading ausgerechnet. Albert Einsteins alte Erkenntnis, dass die Menschheit nur noch vier Jahre habe, wenn die Biene völlig verschwunden sein sollte, wird gern als Zitat bemüht. Am mangelnden Interesse von Offenbachern sollte der Untergang nicht liegen. Allein am Mainbogen zwischen Bürgel und Rumpenheim stehen etwa 100 Stöcke. Jürgen Panthöfer und die 80 aus dem gesamten Altkreis Offenbach kommenden Mitglieder des Vereins mit Lehrbienenstand an der Eberhard-von-Rochow-Straße wissen zu begeistern. Früh mit Bienen-AGs an Grundschulen (Anne-Frank-Schule, Tempelsee, Buchhügel), später mit Tagen der offenen Tür und Besuchen wie bei der EVO.

Von Frühling bis Herbst ist auf der Bienenweide des EVO-Geländes ein Festmahl für die kleinsten Mitarbeiterinnen angerichtet.

Dort sind es die Mitarbeiter Margot Schneider, Jörg Keller, Karl Steinmetz, Olaf Zimmermann und Martin Ochs, die am Umwelttag beschließen, die beiden Völker nicht mehr auf Wanderung zu schicken, sondern zu behalten. Betreut von Panthöfer und Gertrud Fuchs bilden sie ein Jungimker-Quintett und holen ab Frühjahr 2013 die Ausbildung nach. Geimkert wird ausschließlich in den Pausen und in der Freizeit.

Im September sind aus zwei starken Völkern vier (mit im Sommer je zirka 30.000, im Winter 5000 Tieren) geworden. Futter beziehungsweise Honig-Grundstoff finden sie reichlich in unmittelbarer Nähe. Auf 200 Quadratmetern Bienenweide blühen Ringelblumen, wilder Majoran, Klatschmohn, Kornblume, Kamille, Ackersenf und Sonnenblumen. Der Radius der fleißigen Arbeiterinnen reicht aber weiter bis zum Kaiserlei und an den Main. Ihre Mühe – eine Biene muss 20 000 Mal ausfliegen, um 300 Gramm zu produzieren – bringt im Juli eine erste Ernte von 38 Kilogramm feinsten Blütenhonigs, der günstig an die Kollegen verkauft oder zu Weihnachten an Geschäftspartner verschenkt wird.

An diesem Mann hängen 26 Kilo Bienen

An diesem Mann hängen 26 Kilo Bienen

Vor einigen Jahren vermittelten Schlagzeilen den Eindruck, als seien die Tage der europäischen Honigbiene wegen eines die Brut befallenden Parasiten gezählt. Inzwischen ist diese Varroa-Milbe zwar nicht besiegt, verantwortungsvolle Imker haben sie aber einigermaßen im Griff. Wie etwa natürliche Säuren richtig angewendet werden, gehört zur Ausbildung, die Jürgen Panthöfer und der Imkerverein ernsthaft Interessierten wie einem EVO-Quintett oder einem Ex-OB angedeihen lassen.

Mehr zum Probe-Imkern: www.imkerverein-offenbach.de

Noch kein Mittel haben Imker besonders im Kreis gegen eine ganz aktuelle Bedrohung gefunden: Diebe haben es zunehmend auf „Beuten“ (Bienenwohnungen) abgesehen. Als Täter infrage kommen nach Ansicht von Jürgen Panthöfer sowohl Imker, die eigene Ausfälle ausgleichen wollen, als auch Ganoven, die sich auf Bestellung der Völkerentführung schuldig machen. Dabei könnte nicht zuletzt die Qualität der hiesigen Bienenbehausungen Begehrlichkeiten anderorts wecken – die meisten „Beuten“ sind genormte und außerhalb Deutschlands begehrte Markenfabrikate.

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