Fast keine Sitzgelegenheiten

Weiter Weg zur nächsten Bank

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Eine parkähnliche Wohnanlage, aber kaum Sitzgelegenheiten. Das erschwert der 85-jährigen Emma Meyer (Mitte) ihre Spaziergänge im Neubaugebiet am ehemaligen Schlachthof. Die Bewohnerin des Vitanas-Seniorenzentrums, ihre Tochter Monika Kaps (links) und Heimleiterin Christa Umlauf hoffen, dass sich dies ändert.

Offenbach - Emma Meyer ist in Aufbruchstimmung. In den Korb ihres Rollators hat die zierliche alte Dame Lesestoff eingepackt. Von Veronika Szeherova

Die Bewohnerin des Vitanas-Seniorenzentrums am Spessartring liebt ihre täglichen Spaziergänge durch das Neubaugebiet auf dem ehemaligen Schlachthofgelände. Doch sie stellen jedes Mal eine Herausforderung für sie dar. Denn bis zur nächsten Sitzbank, auf der sie sich ausruhen und lesen kann, ist es für die 85-Jährige ein weiter Weg.

„Ich brauche Luft und Bewegung, und die Umgebung ist sehr schön“, erzählt sie lächelnd. Doch so fit sie sich auch hält – das Gehen strengt sie an. „Ich kann mich zur Not auf den Rollator setzen. Doch das ist wackelig und umständlich.“ Wie Meyer geht es auch anderen Bewohnern des Seniorenheims, bestätigt Leiterin Christa Umlauf. „Viele gehen gern spazieren und vermissen Sitzgelegenheiten in der Nähe. Vor allem die Demenzkranken, die mit ihren Betreuungsdamen rausgehen, kommen nicht weit.“

Kaum Bänke in der Umgebung

Die nächste Sitzgelegenheit auf dem Weg vom Spessartring ist eine Bankgruppe an einem Schachfeld am Siegmund-Merzbach-Platz direkt vor dem Schlachthofgebäude. „Ein Stück weiter gibt es einen Spielplatz, aber ohne Bänke, und der andere mit Bänken ist mir zu weit“, klagt Meyer. Vom Vitanas-Zentrum aus in die andere Richtung zu gehen und den viel befahrenen Spessartring zu überqueren, trauen sich die wenigsten der dort lebenden 125 Senioren. Auch Meyer absolviert die Strecke nur in Begleitung ihrer Tochter Monika Kaps. „Bänke würden sich gut in die parkähnliche Wohnanlage am Schlachthofgelände einfügen und wären eine große Bereicherung für die Senioren“, findet diese.

Verantwortlich für den Teil der Anlage, die als „Saloë“ vermarktet wird, ist die Firma Bien-Ries. „Wir sind als Bauträger auch für die Außenanlagen und die Ruhebereiche zuständig“, sagt Sprecher Thomas Göb. Noch sei die Anlage nicht ganz fertiggestellt, weitere Sitzmöglichkeiten seien jedoch derzeit nicht geplant. Er schließe aber nicht aus, dass in dieser Hinsicht etwas unternommen werde, „wenn Bedarf angemeldet wird. Es eine Frage des Gesprächs und der Verhandlung.“ Es sei definitiv nicht möglich, Bänke in den Gartenanlagen aufzustellen, da diese zu den Erdgeschosswohnungen gehörten. „Innerhalb des Wohnprojekts selbst wird kaum was möglich sein, im öffentlichen Teil wäre eher etwas vorstellbar.“

Anfrage kommt „einen Monat zu früh“

Für einige Häuser am Ernst-Griesheimer- und Siegmund-Merzbach-Platz bis zum Erlenbruch sowie den Bach, der durch das Gelände verläuft, ist erst seit kurzer Zeit eine neue Eigentümerin zuständig, die nicht namentlich genannt werden möchte. Vertreten wird sie durch Petra Zintel-Färber von der Vermögens- und Liegenschaftsverwaltung Diligentia aus Dreieich. „Wir haben die Objekte ganz neu, die Dokumente sind sehr umfangreich. Wir müssen uns in fünf Ordner mit Grundbucheinträgen einlesen“, berichtet sie. Daher komme die Anfrage „einen Monat zu früh“. Sie gibt zu bedenken, dass Bänke nicht nur von Senioren, sondern auch von Jugendlichen in Beschlag genommen werden könnten, was Anwohnern nicht recht sein müsste. „Wir sind aber froh über die Anregung und werden sie wohlwollend prüfen.“

Umlauf, Meyer und Kaps hoffen, dass die eine oder andere Bank aufgestellt wird, damit die Senioren künftig mit einem sicheren Gefühl spazieren gehen können. „Vielleicht findet sich sogar ein Stifter“, so Kaps.

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