Problemfall Kettelerstraße

Parken in der Grauzone

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Parken oder nicht Parken? Die Rechtslage am Bürgeler Ortseingang ist eindeutig: Wo keine Markierungen oder Parkschilder sind, haben Autos nichts verloren. Dieser Wagen steht demzufolge falsch.

Bürgel - Die Fertigstellung des Mainzer Rings war mit vielen Hoffnungen verbunden. Doch bei einigen Anwohnern macht sich nach der Eröffnung der Strecke nun Ernüchterung breit. Von Jenny Bieniek 

Der ohnehin knappe Parkraum ist weiter eingeschränkt worden, in der Kettelerstraße herrscht zudem Unsicherheit ob der Rechtslage in puncto Gehweg-Parken. Zwar sind entlang des Mainzer Rings einige Parkbuchten hinzugekommen, am Bürgeler Ortseingang entlang der Kettelerstraße wurden mit der Neupflasterung des Gehwegs dafür zahlreiche Parkmöglichkeiten gestrichen. Anwohner M. sah von seinem Balkon an der Kettelerstraße 41, wie Stadtpolizisten eines mittags sämtliche dort auf dem Gehweg stehenden Personenwagen aufschrieben. Auf die Frage, was das denn solle, dort seien doch immer Parkplätze gewesen, erhielt er die Antwort, nunmehr sein dort aber weder ein Parkstreifen noch ein Schild vorhanden, was das das Parken erlaube. Das sieht auch das Ordnungsamt so. „Die Rechtslage ist klar: Wo keine entsprechenden Hinweise sind, ist Parken nicht erlaubt“, begründet Vize-Amtsleiter Frank Weber.

Im weiteren Verlauf der Kettelerstraße aber, auf dem nicht sanierten, geteerten Abschnitt, sind noch alte Parkmarkierungen vorhanden. Hier soll weiterhin auch nicht geahndet werden.  

Dabei stand an besagter Stelle lange ein Schild, das das Parken auf dem Gehweg erlaubte. Der Anwohner ging nun davon aus, dass das Abmontieren nur im Zuge der Umbauarbeiten geschehen sei und das Schild mit Fertigstellung des Kreisels wieder zurückkäme. Weber enttäuscht die Hoffnung: „Der neu gepflasterte Bereich im Eingangsbereich der Kettelerstraße ist ein ganz normaler Gehweg und das Parken dort damit bislang tabu.“ Hätte man Parkmöglichkeiten schaffen wollen, hätten die Verantwortlichen die Sache anders angelegt, etwa mit Parkbuchten oder entsprechenden Markierungen. Anwohner M. kann das nicht nachvollziehen. Schließlich hätten die Leute dort seit vielen Jahren völlig unbeanstandet geparkt, zumal die Breite des Gehwegs dies zulasse. Die Situation ist tatsächlich verwirrend. Denn während auf dem neuen Gehwegteil weder Verbots- noch Erlaubnisschilder angebracht sind, finden sich ein paar Meter weiter auf dem asphaltierten Teil noch alte Parkmarkierungsreste, die für eine Parkerlaubnis sprechen.

Öffentlicher Parkraum kaum vorgesehen

Auch Nachbar K. ärgert sich: „Wo sollen die Anwohner denn hier parken?“ Die Haushalte verfügten oft über mehr als ein Auto, weshalb private Stellplätze nicht ausreichten. Die Stadt wolle in den folgenden Jahren zudem hunderte Menschen entlang des Mainzer Rings neu ansiedeln, doch öffentlicher Parkraum werde kaum vorgesehen. „Und was ist, wenn man Leute zu sich einlädt, wenn schon Anwohner keinen Platz fürs Auto finden?“ Über die verteilten Knöllchen ist der Unmut naturgemäß groß: „Das ist doch nur Geschäftemacherei von Seiten der Stadt. Für einen reinen Gehweg von fast fünf Metern Breite besteht in Bürgel gar kein Bedarf. Nur wenige Leute sind an dieser Stelle zu Fuß unterwegs, und selbst, wenn dort Autos stehen, kämen bequem drei Kinderwagen nebeneinander vorbei.“ Den Vorwurf des Kassemachens weist Frank Weber entschieden zurück. „Die Kettelerstraße ist kein Kontrollschwerpunkt.“ Doch auch er weiß um die Parkraumnot und dass rund um den Kreisel keine Zehnerreihen von Fußgängern zu erwarten sind.

Die irrsten Ausreden von Falschparkern

Einfallsreich oder schlicht gelogen

Doch es besteht Hoffnung auf Besserung: Um Klarheit zu schaffen, hat Weber das für das Ausweisen von Parkflächen zuständige Bauamt informiert. Dort will man die Situation in der Kettelerstraße innerhalb der nächsten zwei Wochen ins Auge fassen und prüfen, „ob die Parkerlaubnis möglicherweise auch auf den neuen Bereich ausgeweitet werden kann.“ Bis für klare Verhältnisse gesorgt ist, bleibt es dabei: Auf dem neu gepflasterten Teil des Gehwegs ist das Parken vorerst nicht erlaubt; wo allerdings noch Markierungen sind, sollte das Parken nicht geahndet werden.

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