Problemlos um die Kurve

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Thomas Baier, Leiter der Offenbacher Verkehrsüberwachung, überzeugte sich gestern höchstpersönlich am Steuer von der Wendigkeit des Gigaliners.

Offenbach - Eng ist’s, so eng, dass vielleicht gerade zwei Autos aneinander vorbei kämen. Eine gewöhnliche Straße eben, wie sie in einem dicht bebauten städtischen Wohngebiet typisch ist. Im Prinzip hat Heribert Gosebrink mit seinem überlangen Gefährt hier nichts verloren. Von Fabian El Cheikh

Und doch ist dieser Ort bestens geeignet, um die Alltagstauglichkeit der häufig als Straßenmonster verschrienen Gigaliner zu testen.

„Die Leute rechnen mit verstopften Parkplätzen, damit, dass wir nicht rückwärts fahren können und Straßen übermäßig belasten“, fasst Gosebrink die Sorgen der Allgemeinheit zusammen. Völlig unbegründete Ängste, befindet der Verkaufsleiter der Firma Fliegl Fahrzeugbau aus Thüringen, und Thomas Baier, Leiter der Offenbacher Verkehrsüberwachung, kann ihm nur beipflichten: „Die Riesentrucks stellen überhaupt kein Problem dar, da sind wir uns alle einig.“

Dass zu beweisen war Grund genug, eines der 25 Meter langen Vehikel des Lkw-Herstellers M.A.N. aus München auf ein weitläufiges Industrieareal an der Kettelerstraße zu schleppen. Hier, abseits öffentlicher Verkehrswege, nehmen Baier und seine Kollegen der Polizeidirektion Verkehrssicherung schon mal genau Maß, betrachten sich das vielen Angst einflößende Ungetüm aus nächster Nähe und setzen sich selbst ans Steuer – um festzustellen: „Das fährt sich ganz normal.“ Wie ein VW-Bus, bestätigen auch Laien ohne Lkw-Führerschein. Selbst die enge Kurve im 90-Grad-Winkel lässt sich problemlos meistern.

Grünes Licht für alle Spediteure

Grünes Licht für alle Spediteure will daher die hessische Landesregierung geben. Ab voraussichtlich Februar oder März sollen Gigaliner durch Hessen rollen dürfen. Probeweise für einen festgelegten Zeitraum. Wie lange, ist noch nicht ausgemacht. Wohl aber, dass die Fahrer längere Zeit einen Lkw-Führerschein besitzen müssen und das bislang zulässige Höchstgewicht von 40 Tonnen auch mit diesen Nutzfahrzeugen nicht überschritten werden darf.

Und noch eines ist sicher: „Die Leute werden staunen und ihre Kameras zücken.“ So wie die Kollegen von Thomas Baier, die ebenfalls fleißig am Fotografieren sind. Der erste Supertruck vor der Linse – Szenen wie nach der ersten Landung des Riesenairbus A380 auf dem Frankfurter Flughafen.

„Keiner aber wird diese Lkw im Wohngebiet oder in der Innenstadt sehen“, versucht Thomas Baier letzte Bedenken zu zerstreuen. Sie werden die gleichen Strecken nehmen wie normale Sattelschlepper, also überwiegend von einem Lieferzentrum zum anderen unterwegs sein. Auch könnten noch einige Autobahnen für sie gesperrt oder ein Überholverbot verhängt werden.

Mit bis zu 60 Tonnen Gesamtgewicht

Bei der Firma Fliegl haben sich die Gigaliner längst in der Praxis bewährt. Seit 1996 fahren ihre Trucks durch Holland, Skandinavien und Osteuropa. Dort sogar mit bis zu 60 Tonnen Gesamtgewicht und in verschiedenen Kombinationen: Als „Combi Train“ wie die Offenbacher Variante mit einem 18-Tonner vorneweg und einem gewöhnlichen Sattelauflieger hintendran, als verlängerte Version „Road Train“ mit Auflieger oder als „Super Train“ mit Tandemanhänger.

Der entscheidende Vorteil: „Zwei Gigaliner ersetzen drei Lkw herkömmlicher Länge“, so Gosebrink. Das erspare den Spediteuren Zeit, Geld und der Umwelt jede Menge CO2-Emissionen.

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