„Positives Gründungsklima“

Professor sieht die Kreativstadt Offenbach auf einem guten Weg

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Professor Kai Vöckler (rechts) sprach beim „Liberalen Frühstück“ über Chancen der Kreativwirtschaft. Oliver Stirböck (links) und Paul-Gerhard Weiß hatten für die FDP eingeladen. - Foto: Richter

Offenbach - Auch wenn nicht auf Anhieb ersichtlich, weist Offenbach ein überdurchschnittlich hohes Potenzial an kulturell und kreativ wirtschaftenden Menschen auf. Von Harald H. Richter 

„Als Teil der Metropolregion Rhein-Main ist sie nach Mainz die Stadt mit dem höchsten Anteil an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Bereich“, sagt Vöckler. Beim von Fraktionschef Oliver Stirböck moderierten „Liberalen Frühstück“ stellt der seit fünf Jahren mit einer Stiftungsprofessur für Kreativität im urbanen Kontext an der Hochschule für Gestaltung (HfG) tätige Berliner seine Zustandsbeschreibung zur Diskussion.

Wie schöpferisch sind die Menschen in der einstigen Stadt der Lederwarenindustrie? Welche Anstrengungen sind vonnöten, um Offenbachs Profil zu schärfen? Darüber diskutiert der 54-Jährige mit rund drei Dutzend Interessierten. „Wir sind nicht länger ein Industriestandort im klassischen Sinn. Also geht es darum, sich neu zu positionieren.“ Die veränderte Ausgangslage sei schon 2007 in einer wissenschaftlichen Studie der Universität Trier beschrieben worden mit der Bewertung, dass die Kreativwirtschaft eine der tragenden ökonomischen Zukunftssäulen Offenbachs werden könne, ruft Vöckler in Erinnerung. Seitdem herrsche ein positives Gründungsklima, das ökonomischen Mehrwert nach sich ziehe.

Anzahl der Gründer hat sich mehr als verdoppelt

Zwischen 2007 und 2013 hat sich die Anzahl der Gründer von 1345 auf 2967 mehr als verdoppelt. Vöckler spricht von einer heterogenen Unternehmensstruktur innerhalb des kreativen Milieus, die auch durch ihren internationalen Hintergrund geprägt sei. „Fast 57 Prozent der hier lebenden Menschen haben ausländische Wurzeln, lediglich 43 Prozent sind also Herkunftsdeutsche“.

Das werde in Offenbach als Vorteil und Chance gesehen, nicht als Problem, konstatiert er. Die HfG binde viele Abgänger mit der Konsequenz, dass die kreative Klasse in hohem Maße sesshaft werde, zumal die Rahmenbedingungen stimmten. Kulturelle Vielfalt, ausreichend Kitaplätze, ein breites Bildungsangebot sowie weitere „weiche“ Standortfaktoren gäben den Ausschlag. „Fakt ist, wer in dieser Stadt studiert hat, bleibt gern hier.“

60 Prozent derer, die sich in Offenbach auf kreativem Sektor selbstständig machten, operierten in den Bereichen Unternehmensberatung, Werbung und Marketing. Ein enger Austausch und die Kooperation örtlicher Akteure seien wichtiger denn je, damit aus lokalen Standortfaktoren Wettbewerbsvorteile mit Magnetwirkung würden.

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Fragen, welche Rahmenbedingungen zu schaffen sind, um Offenbach zu einer attraktiven, lebendigen und urbanen Stadt zu entwickeln, gehe man intensiv im Masterplan-Prozess nach, der Handlungsfelder definiere. Innenstadt, Nordend, Kaiserlei und das Allessa-Areal gelten als wichtigste entwicklungsfähige Flächen und Bereiche.

Erst vor wenigen Tagen hatten die Detailgruppen unter anderem Strategien zur Belebung des Hauptbahnhofs und öffentlicher Räume besprochen. Auch in diesen Gremien bringt Urbanist Vöckler sich ein. Am 8. Dezember wird das Frankfurter Planungsbüro Speer & Partner die Ergebnisse des im März in Gang gekommenen Masterplans der Stadtöffentlichkeit vorstellen.

Anstelle von Abendveranstaltungen setzen die Offenbacher Freidemokraten mit der Reihe „Liberales Frühstück“ seit einiger Zeit auf ein anderes Format, das sich nach Worten ihres Vorsitzenden Paul-Gerhard Weiß bewährt hat. Er kündigt für Anfang des nächsten Jahres ein Gespräch mit Nicola Beer an. Sie war von 2012 bis 2014 Kultusministerin in Hessen und ist seit zwei Jahren Generalsekretärin der Bundes-FDP.

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