Programm „Jugend stärken im Quartier“

1,6 Millionen für starke Jugend

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Lauterborn mit seinen Hochhäusern ist eins der Fördergebiete von „Jugend stärken im Quartier“.

Offenbach - Notorische Schulverweigerer zurück in die Schule zu bringen, neu zugewanderte Jugendliche aus Rumänien und Bulgarien zu integrieren sowie gefährdeten Jugendlichen zum Schulabschluss zu verhelfen: Das sind Ziele des Programms „Jugend stärken im Quartier“. Von Veronika Schade 

1,6 Millionen Euro kostet das bis Ende 2018 angesetzte Vorhaben. Von Bund und Europäischem Sozialfonds erhält Offenbach dafür die höchstmögliche Förderung. Schulschwänzer, Schulabbrecher, Seiteneinsteiger: Diesen Zielgruppen soll das Modelprogramm „Jugend stärken im Quartier“ unter die Arme greifen. Eine Aufgabe, die viel Geld und Ressourcen erfordert, aber umso wichtiger ist. Gerade in einer Stadt wie Offenbach, in der 30 Prozent der Bevölkerung jünger als 27 Jahre ist und 71 Prozent einen Migrationshintergrund hat. Mit 1,6 Millionen Euro für den Zeitraum von Anfang 2015 bis Ende 2018 hat das Vorhaben des Jugendamts das höchstmögliche Volumen erhalten.

Dies muss die Stadt jedoch nicht allein stemmen. 50 Prozent machen Mittel des Europäischen Sozialfonds und des Bundes aus. Die zuständigen Bundesministerien für Familie und Umwelt haben zudem den Antrag der Stadt Offenbach besonders prämiert und einen Zuschuss in Höhe von zehn Prozent gewährt – also 160.000 Euro. Der Zuwendungsbescheid wurde der Stadt übergeben. „Dadurch reduziert sich unser Anteil von 800.000 auf 640.000 Euro“, freut sich Bürgermeister Peter Schneider. Der Sonderzuschuss bezieht sich auf ein Teilgebiet des Programms – Förderung und Integration von Seiteneinsteigern. Offenbach gehört zu den Städten mit dem höchsten Anteil an Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien, aber auch aus anderen osteuropäischen Staaten. Sie besuchen Intensivklassen, in denen der Fokus auf dem Erwerb der deutschen Sprache liegt. An diese Klassen soll das Projekt anknüpfen und sie ergänzen. „Wir sind in ständigem Austausch mit Schulleitern und Staatlichem Schulamt“, sagt Roberto Priore, Leiter der Fachstelle Jugendhilfe-Schule.

Auf diese Weise sollen Jugendliche ausgemacht werden, die besonderer Förderung bedürfen, etwa weil sie aus prekären Familienverhältnissen stammen. Sie werden gezielt angesprochen und unterstützt. „Wir unterbreiten ihnen außerschulische Angebote, die ihren Interessen entsprechen und sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern“, so Priore. Ein weiteres Teilgebiet des Programms richtet sich an notorische Schulschwänzer. Haupt-, Gesamt- und Realschulen nennen dem Jugendamt Schüler, die 21 und mehr Fehltage pro Halbjahr aufweisen. „Diese machen wir dann ausfindig, entweder zuhause oder an anderen Orten“, sagt die stellvertretende Jugendamtsleiterin Claudia Kaufmann-Reis. In Gesprächen wird mit den Jugendlichen und ihren Eltern eine Zusammenarbeit vereinbart, deren Ziel die Rückkehr in die Schule ist. Mit der Schule wird ein Förderplan entwickelt.

„Am wichtigsten bei der Jugendarbeit ist eine persönliche Beziehung zwischen dem Jugendlichen und seinem Betreuer. Das sorgt für Verbindlichkeit“, betont Priore. Nur so könne erreicht werden, dass die jungen Leute die Angebote wirklich wahrnähmen und durchhielten. Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf ist Ziel des Teilprojekts „Abschluss mit Anschluss“, das bereits im Januar angefangen hat. Es will Schulabbrecherzahlen reduzieren und Jugendliche in eine Ausbildung vermitteln. Dies soll, genau wie in den beiden anderen Projekten, mittels individueller sozialpädagogischer Betreuuung und Begleitung („Case Management“) geschehen. Dafür hat das Jugendamt vier neue Stellen geschaffen. Zweiter wesentlicher Bestandteil sind die sogenannten Mikroprojekte, an denen die jungen Leute in ihrem jeweiligen Quartier mitwirken. Indem sie selbst etwas in die Hand nehmen und eigenverantwortlich umsetzen, arbeiten sie an ihren Defiziten und erkennen ihre Kompetenzen. „Das ist ein großer Schritt für ihre soziale und persönliche Entwicklung“, weiß Jugendbildungswerk-Leiter Harry Köhler.

Die Mikroprojekte sollen einen Mehrwert fürs Quartier haben. Über die konkrete Umsetzung beraten die verschiedenen Akteure noch in gemeinsamen „Zukunftswerkstätten“. Einige Ideen gibt es schon, etwa eine mobile Fahrradreparaturwerkstatt, Flohmärkte, Tanz- und Theaterangebote oder die Mitarbeit in Stadtteilcafés. „Oder man verschönert die Bänke im Viertel“, so Köhler. „Hauptsache, die Jugendlichen kommen in Fahrt.“

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