Programm für mehr Frauen in Männerberufen

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Noch die Ausnahme: Grazyna Urbanski (links) und Diana Wendler sind Hausmeisterinnen an der Mathildenschule.

Offenbach - Zehn Jahre Gastronomie. Das kann’s nicht gewesen, da sollte man einfach mal was Neues machen, dachte sich Diana Wendler. Gesagt, getan: Seit 1. April ist sie Hausmeisterin an der Mathildenschule. Die zweite Frau unter 45 Kollegen, die an anderen Schulen in der Stadt tätig sind. Von Matthias Dahmer

Zusammen mit Grazyna Urbanski, die schon lange Jahre an der Mathildenschule arbeitet und die erste Hausmeisterin an einer Offenbacher Schule war, schaut Diana Wendler in der Schule im Mathildenviertel nach dem Rechten. Kümmert sich um die Haustechnik, schlichtet schon mal einen Streit unter den Schülern, macht eben das, was eine Hausmeisterin so zu tun hat. Und es macht ihr Spaß, wie die 31-Jährige berichtet. Ihr Vater und ihr Lebensgefährte seien beide in dem Beruf tätig, und sie habe schon immer Interesse an handwerklichen Arbeiten gehabt.

Diana Wendler ist erst die zweite Frau, die sich in den vergangenen acht Jahren bei ihm beworben hat, sagt Klaus Peter Kemper. Er ist seit dieser Zeit zuständiger Abteilungsleiter bei der Stadttochter Gebäudemanagement GmbH (GBM). Trotz entsprechender Ausschreibung meldeten sich auf Stellenanzeigen fast nur männliche Bewerber. Hausmeistertätigkeiten würden wohl noch immer als reine Männerdomäne angesehen.

„Besondere Sozialstruktur“ begünstigt traditionelle Berufswahl

Damit das zumindest in Offenbach anders wird, hat sich Karin Dörr viel Arbeit gemacht. Die kommunale Frauenbeauftragte ist dabei, Fördergeld von Bund und Europäischem Sozialfonds an Land zu ziehen, um in Offenbach ein betriebliches Modellprojekt zu installieren. Es hat zum Ziel, mehr Frauen in gewerblich-technischen Berufen zu beschäftigen. Kooperieren will Karin Dörr dabei mit den städtischen Gesellschaften OVB, EEG und ESO sowie der Berufsfeuerwehr. Dort sollen verstärkt Busfahrerinnen, Hausmeisterinnen, Berufskraftfahrerinnen und Feuerwehrfrauen eingestellt werden.

Die ersten Hürden des mehrstufigen Bewilligungsverfahrens hat Dörrs Antrag schon genommen. Die Frauenbeauftragte geht davon aus, dass spätestens Anfang Juni die Zusage des Bundes vorliegt. Das Förderpogramm hat eine Laufzeit von drei Jahren, der maximale Zuschuss beträgt satte 960.000 Euro. Die Stadt, die bereits einen Magistratsbeschluss zur Bewerbung um die Fördermittel gefasst hat, müsste über die drei Jahre Laufzeit insgesamt rund 45.000 Euro beisteuern.

Mehr als die Hälfte der jungen Frauen konzentrieren sich auf lediglich sechs Berufe

Die besondere Sozialstruktur Offenbachs, sagt Karin Dörr, begünstige eine traditionelle Berufswahl. 44 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Offenbach sind weiblich, aber nur drei Prozent arbeiten in Verkehrsberufen und weniger als zwei Prozent als Technikerinnen.

Eine Befragung unter Schulabgängerinnen hat ergeben, dass sich mehr als die Hälfte der jungen Frauen, die sich um eine Ausbildung bemühen, auf lediglich sechs Berufe konzentrieren. Darunter sind Klassiker wie Friseurinnen oder Arzthelferinnen, aber kein gewerblich-technischer Ausbildungsberuf. „Dabei gibt es mehr als 400 Berufe im dualen Ausbildungssystem“, sagt Karin Dörr. Diese stereotype Wahl zeige, dass sich die Muster, nach den Berufe ausgesucht würden, nicht verändert hätten. Selbst Frauen, die über ein gewerblich-technische Qualifikation verfügten, hätten zum Beispiele nach der Elternzeit nicht für die nun mit dem Förderprogramm angepeilten Berufsfelder gewonnen werden können.

Das Ziel, das sich Karin Dörr gesetzt hat, könnte zu schaffen sein: In drei Jahren soll es in Offenbach mindestens sieben Feuerwehrfrauen im Einsatzdienst, 20 Busfahrerinnen, drei Hausmeisterinnen und drei Berufskraftfahrerinnen geben.

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