Wenn Corona es zulässt Buntes

Programm zur Geschichte jüdischen Lebens in Offenbach geplant

Im Rathausfoyer widmet sich eine Ausstellung der berühmten Chagall-Bibel – eine von vielen Aktionen anlässlich des Jubiläumsjahrs. Das Bild zeigt einige der Organisatoren, in der Mitte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Felix Schwenke.
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Im Rathausfoyer widmet sich eine Ausstellung der berühmten Chagall-Bibel – eine von vielen Aktionen anlässlich des Jubiläumsjahrs. Das Bild zeigt einige der Organisatoren, in der Mitte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Felix Schwenke.

Noch nie hat Offenbach eine so hohe Summe an Fördermitteln für ein Kulturprojekt erhalten wie jetzt: 150 000 Euro. Anlass ist das Festjahr 2021, das sich 1700 Jahren jüdischer Geschichte in Deutschland widmet. Bundesweit werden rund tausend Veranstaltungen ausgerichtet, die zum Ziel haben, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und ein Signal gegen erstarkenden Antisemitismus zu setzen.

Offenbach – „Die Summe ist enorm, wenn man bedenkt, dass der gesamte Kulturhaushalt der Stadt eine halbe Million beträgt“, betont Oberbürgermeister und Kulturdezernent Felix Schwenke. Das Kulturamt hat gemeinsam mit dem Klingspormuseum und dem Haus der Stadtgeschichte ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, Ausstellungen, Kunst und Musik zusammengestellt. Was in Pandemiezeiten eine enorme Herausforderung bedeutet. „Denn die Gefahr besteht, dass alles, was wir planen, bald Makulatur ist“, sagt er in Bezug auf mögliche Virusmutationen und damit einhergehende weitere Beschränkungen. Aber nicht zu planen, sei eben auch keine Option.

So wurde ein Teil des Festjahres in den virtuellen Raum verlegt, Präsenzveranstaltungen unter freiem Himmel organisiert beziehungsweise weiter nach hinten in den Kalender gerückt, Künstler und Akteure noch nicht final gebucht. „Wir haben Zwischenformate entwickelt in der Hoffnung, dass immer mehr normales Leben möglich sein wird“, erklärt Schwenke. Und sei es mit Testpflicht oder sonstigen Maßnahmen – das werde sich noch zeigen.

„Reichtum der Gemeinschaft – Jüdisches Leben in Offenbach“ – so titelt die Stadt Offenbach das Themenjahr. Im 17. Jahrhundert ermöglichte es Graf Johann Philipp von Isenburg den ersten Juden, sich in Offenbach anzusiedeln. Das jüdische Leben hat in der Stadt also keine ungewöhnlich lange, dafür umso reichere Geschichte. Herauszuheben sind Persönlichkeiten wie Salomon Formstecher, einer der geistigen Väter des Reformjudentums im 19. Jahrhundert oder Regina Jonas, die weltweit erste, in Offenbach ordinierte Rabbinerin. „Wir wollen mit unserem Programm nicht nur die bewegte Historie abbilden, sondern auch die Vitalität, mit der sie bis heute in Kunst, Musik und Literatur nachwirkt“, sagt Kulturamtsleiter Ralph Phillipp Ziegler.

Der erste Beitrag zum Festjahr ist bereits jetzt im Rathausfoyer zu sehen: Fahnen aus der Chagall-Bibel. Die begleitende Ausstellung „Marc Chagall – Die Bibel. Ein Meisterwerk des französischen Malerbuchs“ soll – sofern es die Pandemie-Lage zulässt – am 28. März eröffnen, begleitet von einem Vortrag der Kunsthistorikerin Kerstin Appelshäuser-Walter.

Es soll eine Ausstellung an mehreren Orten in der Innenstadt sowie online geben, die in einem zweitägigen Freiluft Kunst-, Musik und Performancefestival am 22. und 23. Juli im Büsingpark gipfelt.

Eine Herzensangelegenheit für den Kulturamtsleiter ist das Konzert in der Capitol Classic Lounge. Das Symphonieorchester wird Orchesterwerke jüdischer Komponisten aus den 1910er- und 1920er-Jahren spielen. „Die Werke werden sämtlich als weltweite Ersteinspielungen aufgenommen“, so Ziegler.

Gern hätte man das Jubiläumsjahr auch wirklich ein Jahr lang gefeiert, im Januar angefangen und die Veranstaltungen aufs ganze Jahr verteilt. „Wir agieren so flexibel, wie wir nur können“, sagen Katja Schneider, Kuratorin im Haus der Stadtgeschichte, und Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums. Damit der ungewohnte kulturelle Geldsegen für Offenbach gebührend genutzt werden kann – und zu einem sicheren Vergnügen wird... (Von Veronika Schade)

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