Projekt von DFB und Arbeitsagentur

Im Berufsleben mitspielen

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Sie haben erfolgreich beim „Anstoß ins Berufsleben“ mitgemacht.

Offenbach - „Anstoß ins Berufsleben“ heißt ein Projekt, mit dem jungen Leuten die Chance auf eine Ausbildung gegeben werden soll. Von Stefan Mangold

Für Offenbacher Teilnehmer endete es nun nach einem Jahr mit der Übergabe der Zertifikate im Presseraum des Sparda-Bank-Hessen-Stadions auf dem Bieberer Berg. Der Pfiff des seit 2005 erprobten Konzepts liegt darin, junge Leute unter 25 Jahren, die sich zwar für Fußball begeistern, sonst aber in der Luft hängen, in eine Ausbildung oder Stelle zu führen. Und zu Fußballtrainern zu formen. Die meisten haben Migrationshintergrund.

Auf dem Zertifikat steht neben Teilnahme an EDV-, Deutsch-, Mathekursen und Schuldenvermeidung auch die Teamleiter-Lizenz. Die berechtigt dazu, sich um eine C-Lizenz zu bemühen. Jürgen Klopp besitzt eine A-Lizenz. So wie Günter Wegmann und Detlef Mikosch. Die übten mit den Teilnehmern mehrmals die Woche in Sachen Fußball und Menschenführung. „Wozu auch Vertrauensspiele gehörten“, erzählt Mikosch, „sich mit verbundenen Augen von anderen leiten zu lassen.“ Wenn es Philipp Lahm nach vorn zieht, „muss ein Mittelfeldspieler zurück“, erklärt Günter Wegmann, ebenfalls Fußballlehrer des Hessischen Fußballverbands, taktisches Einmaleins, das ohne Verlässlichkeit nicht funktioniere.

„Menschen ohne Ausbildung haben Probleme“

Gül Keskinler zeigt sich mit der Bilanz zufrieden. Die Betriebswirtin gründete 2001 den privaten Bildungsträger EKIP, der das vom DFB zu 49 Prozent und von der Bundesagentur für Arbeit zu 51 Prozent finanzierte Projekt organisiert. Die Quote der Abbrecher, rechnet sie vor, liege bei nur 13 Prozent. Wenig sei das, wenn man bedenke, in welchen teils verworrenen Geflechten die Jugendlichen steckten. Als manche anfingen, mussten sie erst Obdach finden; „wer auf der Straße lebt, kann nicht Mathe lernen“. Andere blicken auf Drogenkarrieren zurück. Von den 30 Teilnehmern die durchhielten, hätten elf eine Lehre auf dem ersten Arbeitsmarkt begonnen, drei weitere in einer außerbetrieblichen Einrichtung. Vier landeten in einem Job, zwölf in anderen Maßnahmen.

Wie Alexandro M. (23), der einen Hauptschulabschluss hat und weiß, wie sich Frustration anfühlt. „Über 300 Bewerbungen habe ich für Lehrstellen geschrieben“, sagt der gebürtige Rumäne, dem seit einem Unfall beide Hände fehlen. Alexandro beginnt bei der Behindertenhilfe den Bundesfreiwilligendienst und hofft auf einen Fuß in der Tür, um später eine Lehre zum Heilerziehungspfleger anzufangen. Nurgül C. startet eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Während des Jahres kickte sie nicht mit, „aber ich machte die Bilder des Projekts“. Für Fußball interessiert sich die Türkin seit Kindesbeinen, „ich bin Be¸sikta¸s-Fan“.

Top Ten der unbeliebten Berufe

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Mit dabei zum Abschluss des Projekts sind auch Rolf Hocke, Vizepräsident des DFB, der von der sozialen Verantwortung seines Verbands spricht, und Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur: „Menschen ohne Ausbildung haben Probleme, auf dem Arbeitsfeld spielen zu können.“

Auf dem Podium lässt sich Cenk Ö. von DFB-Pressesprecher Roy Rajber interviewen. Dort, wo sonst Trainer erklären, was der Schiedsrichter verpfiff und die eigenen Spieler versiebten. „Cenk war ungemein interessiert“, beobachtete Günter Wegmann. Obwohl er jahrelang Fußball spielte, „habe ich von den Trainern sogar rein technisch viel erfahren“, erklärt der eloquente 25-Jährige, der extra aus Stuttgart gekommen ist. „Meine Ausbildung zum Erzieher läuft dort bereits“, erzählt er.

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