Labyrinth spendet Trost

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Schokolade, Medikamente und Blumen zieren die „Heilsamen Wege“.

Offenbach - „Papa, ich vermisse dich“ steht auf einem kleinen roten Papierherz, das in der Mitte des Labyrinths in einer Schale liegt. Von Bettina Link

Es ist eines von über 600 Briefchen, die die Besucher und Patienten des Ketteler-Krankenhauses in der vergangenen Woche in der Eingangshalle hinterlassen haben. Sie alle haben das begehbare Labyrinth „Heilsame Wege“ des katholischen Dekanats genutzt, um dort ihre Sorgen, Wünsche und Gebete auszudrücken.

Den Abschluss des gemeinsamen Projekts der Ökumenischen Hospizbewegung, des Katholischen Dekanats und des Krankenhauses bildete eine Performance von Inge Stöckel und Monika Seitz.

„Für die Patienten bedeutet der Krankenhausaufenthalt, dass sie einen Labyrinthweg nehmen müssen“, erläutert der scheidende Dekanatsreferent Reinhold Schäfer. Deswegen passten die „Heilsamen Wege“ auch ins Krankenhaus. „Das Labyrinth soll Trost spenden“, ergänzt die Mainzer Gemeindereferentin Angela Gessner, die zusammen mit ihrem Offenbacher Kollegen Andreas Kaufer-Moreth das Projekt gestaltet hat.

„Heilsame Wege“ beschreiten

„Wir haben uns überlegt, was für die Menschen in der Klinik wichtig sein könnte und was ihnen Trost spendet“, sagt Angela Gessner. Stärkend sollen Gegenstände wie Papiertaschentücher, Blumen und Medikamente wirken, heilend die biblischen Sprüche, Schkoladentafeln, Uhren und Teddybären.

Zwei Wünsche der heutigen Zeit erfülle das Labyrinth jedoch bewusst nicht, betont Angela Gessner: „Es geht nicht schnell, und es ist nicht einfach. Man muss sich Zeit lassen. Die Menschen sollen zur Ruhe kommen.“ Die Zeit haben sich nicht nur Patienten der Klinik genommen. Auch Schulgruppen, Kommunionskinder und die Trauergruppe kamen in das Krankenhaus, um „Heilsame Wege“ zu beschreiten.

„Ein Mädchen, das seinen Vater verloren hat, ist fast jeden Tag hier gewesen“, erinnert sich Reinhold Schäfer an einen der vielen bewegenden Momente. „Es hat Menschen gut getan“, bilanziert er und verweist auf die Einträge im Gästebuch. Andreas Kaufer-Moreth sieht in diesen Projekten die Zukunft der Kirche: „Wir müssen die Kirche nach draußen bringen.“ Er ist davon überzeugt, dass das Labyrinth in einer Kirche nicht so viele Besucher gehabt hätte, wie im Krankenhaus.

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