Kicken und Lehrstelle finden

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Im Stadion der Offenbacher Kickers trafen sich die Initiatoren und Aktiven des Projekts Brücke in den Beruf. Es soll schwer vermittelbaren Jugendlichen helfen, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Offenbach - Gianvito Colaianni spielt Fußball, seit er fünf Jahre alt war. Sport hat ihm immer viel Spaß gemacht – Schule dagegen weniger. Der 18-Jährige schaffte den Sprung in die Ausbildung nicht. Doch statt zu resignieren, wurde er aktiv. Von Veronika Szeherova

Er nimmt am Projekt Brücke in den Beruf (kurz: BiBer) teil und weiß nun genau, was er werden möchte: „Sport- und Fitnesskaufmann!“. Am Übergang zwischen Schule und Beruf scheitern jedes Jahr viele Jugendliche. Das „regionale Übergangsnetzwerk“ schloss unterschiedliche Förderprojekte ein, die ihnen helfen sollen, doch noch den Weg ins Arbeitsleben zu finden.

Das Programm BiBer begann neu im März. In die Wege geleitet hat es die städtische Arbeitsförderung und das Gründerzentrum KIZ, wichtigster Unterstützer ist der OFC. „Wir arbeiten in den achten Klassen intensiv mit Jugendlichen zusammen, die sich sonst keine Nachhilfe und Unterstützung leisten können“, erläutert Projektleiter Ralph Kersten. Das geschieht durch schulergänzende Lerncamps in den Ferienzeiten und Lerngruppen nach dem Unterricht. Außerdem stellen „Übergangsbegleiter“ Kontakte her zwischen Schülern und Betrieben. 40 Achtklässler nehmen bislang das freiwillige Angebot wahr.

Jugendliche, die nicht mehr zur Schule gehen

Eine zweite Zielgruppe von BiBer sind Jugendliche, die nicht mehr zur Schule gehen, aber keinen Ausbildungsplatz haben. Mit Seminaren und Workshops werden sie auf den Berufseinstieg vorbereitet. „Wir gehen individuell auf jeden Teilnehmer ein, um mit ihm persönliche Ziele zu entwickeln“, sagt Bernd Curtius vom Gründerzentrum KIZ. Erfolgreiche Bewerbungen werden ebenso thematisiert wie erste Schritte in die Selbstständigkeit. Praxisbezug ist wichtig: „Die jungen Leute verstehen dann besser, wie Wirtschaft überhaupt funktioniert und wie sie ihren Beitrag leisten können“, so Curtius. Auch dieser zweite Projektteil, der erst seit voriger Woche läuft, zählt bisher 40 junge Teilnehmer.

Einer davon ist Benitier Kuba. Der ehemalige Bachschüler fand keinen Ausbildungsplatz und wusste nicht weiter. „Wir treffen uns jeden Tag vier Stunden und reden darüber, wie wir uns verbessern können“, beschreibt er seine ersten Eindrücke. Seine Motivation, bei BiBer mitzumachen, ist auch seiner Fußballbegeisterung zuzuschreiben: „Die Kickers unterstützen das Projekt, und ich würde gern mal hier beim Training mitmachen.“ Seit vier Jahren spielt er selbst Fußball, erst beim VfB, jetzt in Dietesheim. Ein Probetraining mit der OFC-Jugendmannschaft fand für die ersten Projektteilnehmer bereits statt. Weitere Trainings soll es regelmäßig zur Belohnung und Motivation geben.

Waldemar Klein-Witwe hat „spontan ja gesagt“

Barbara Klein, Witwe des Kickers-Ehrenpräsidenten Waldemar Klein, hat „spontan ja gesagt“, als es darum ging, das Projekt zu unterstützen: „Junge Leute sind die Zukunft, und wenn ihnen damit geholfen werden kann, tue ich das gern.“ Die Jugendlichen hätten beim Programm die Chance festzustellen, dass „das Leben nicht nur aus Halligalli besteht“. Selbst diejenigen Jugendliche, die bislang einen solchen Anschein erweckten, hätten „den Wunsch, etwas für die Gesellschaft zu leisten“. Der Sport biete die beste Möglichkeit, sich abzureagieren. „Sport und Beruf gehören zusammen“, sagt Barbara Klein.

Der OFC bietet selbst Praktika in seiner Geschäftsstelle an. Außerdem hat er 200 Partner und daher viele hilfreiche Kontakte für die Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz. „Die Creme de la Creme der Wirtschaft“, lobt Dr. Matthias Schulze-Böing. Chef des Amts für Arbeitsförderung.

Das Budget für BiBer beträgt 1,7 Millionen Euro für die gesamte Laufzeit von drei Jahren. Finanziert wird es aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bundes im Programm „Xenos“. 25 Prozent sind Eigenleistungen der Partner. Insgesamt 600 Jugendliche sollen sich am Projekt beteiligen. „Ich denke, es hilft mir weiter, hier mitzumachen, weil ich dabei viel lerne“, sagt Benitier Kuba. Einen konkreten Ausbildungswunsch hat er auch. Er lautet genau wie bei seinem Kollegen: Sport- und Fitnesskaufmann.

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