Projekt „Skipping Hearts“ an Humboldtschule

Für Vorsorge ist es nie zu früh

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Was früher selbstverständlich war, ist heute für manches Kind Neuland: Seilspringen schult motorische Fähigkeiten wie Ausdauer und Koordination und ermöglicht schnelle Erfolgserlebnisse. „Jeder soll zufrieden nach Hause gehen“, so Leiterin Aiko Peter.

Offenbach - Seilspringen? Nein, das haben die Drittklässler Yousef und David vorher noch nie ausprobiert. Von Jenny Bieniek 

Gelegenheit dazu bietet das Projekt Skipping Hearts der Deutschen Herzstiftung, das gestern an der Humboldtschule Station machte und Grundschüler zu mehr Bewegung animieren will. Weder Yousef noch David sind in Sportvereinen aktiv, nur manchmal spielen sie draußen mit anderen Fußball. Nach dem zweistündigen Workshop in der Turnhalle der Humboldtschule sind beide überrascht: „Das ist gar nicht so einfach. Man muss den richtigen Moment zum Hüpfen abwarten.“

Leiterin Aiko Peter kennt das: „Früher sind auf dem Schulhof alle Seil gesprungen – es gab ja nichts anderes“, erinnert sich die 36-Jährige. Heutzutage aber bereite fehlende Körperkoordination immer mehr Kindern Probleme. „Bewegungsabläufe, die früher normal waren, sind verloren gegangen“, weiß sie. „Ich unterhalte mich jeden Tag mit Sportlehrern, und einige sind regelrecht verzweifelt.“

Auch Übergewicht breitet sich mehr und mehr aus. Laut der jüngsten Schuleingangsuntersuchung sind in Offenbach 13 bis 17 Prozent der Schulanfänger zu dick. Weil mangelnde Bewegung und ungesunder Lebensstil langfristig jedoch das Risiko erhöhen, im Alter am Herzen zu erkranken, setzt die Deutsche Herzstiftung mit dem Präventionsprojekt schon beim Nachwuchs an. Sie motiviert zu mehr Bewegung im Alltag.

Hessenmeisterschaft im Rope Skipping

Seit zwei Jahren ist Aiko Peter dreimal wöchentlich an Schulen unterwegs. Allein in diesem Schuljahr geben sie und ihre Kollegen etwa 1600 solcher Workshops. „Ihr könnt eurem Herzen Gutes tun, indem ihr Sport macht. Ganz egal was: Hauptsache, es ist ein bisschen anstrengend, und das Herz schlägt dabei ein bisschen schneller“, erklärt sie. Schülerin Luisa treibt in ihrer Freizeit viel Sport. Sie tanzt, schwimmt und nimmt Ballettstunden. Über das Seil springt sie höchstens mal im Garten. Trotzdem haben sie und ihre Klassenkameraden an diesem Vormittag einige Tricks gelernt: Kreuz- und Rückwärtssprünge, allein oder zu zweit.

Klassenlehrerin Katja Hofmann unterstützt das Projekt: „Viele Kinder haben heute einfach nicht mehr die Möglichkeit, rauszugehen und etwa balancieren zu üben.“ Da sei es gut, dass die Schule entsprechende Angebote mache, zumal das Projekt die Philosophie der Humboldtschule ergänze. Auch Peter bestätigt: „Die Kinder selbst können eigentlich nichts dafür. Auf Bäume klettern ist heute einfach nicht mehr so...“

Hessenmeisterschaften im Seilspringen (2010)

Hessische Meisterschaft im Seilspringen

Doch warum Seilspringen? „Rope Skipping, wie es inzwischen heißt, ist eine eigenständige Sportart, in der auch Wettkämpfe stattfinden“, erklärt Fitnesstrainerin Peter. Weil es beispielsweise im Fußball- und Boxtraining genutzt werde, könne man auch Jungs animieren. Zudem sind Seile mobile Sportgeräte, die überall zum Einsatz kommen können. „Weil unsere Seile besonders gut drehen, führt das bei den Schülern zudem schnell zu Fortschritten“, weiß Peter. Wer Feuer gefangen hat, kann ein Seil kaufen. Damit der Puls auch künftig regelmäßig in Schwung kommt.

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