„Mobiles Stadtteilbüro“

Mit Dolmetscherin geht Stadt auf Zuwanderer zu

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Zum Start war der Stadtrat selbst „uff de Gass“. Am Wilhelmsplatz gab es Gespräche mit sich dort treffenden Menschen aus Südosteuropa, welche auch die Gelegenheit nutzten, Felix Schwenke ihr Leid zu klagen. Dolmetscherin Mira Ivanova übersetzte.

Offenbach - Das Quartiersmanagement der städtische Aktion „Besser leben“ nimmt sich der neu in die Stadt gezogenen Bewohner vor allem aus Südosteuropa an, die sich oft in großen Gruppen unter freiem Himmel versammeln. Das Projekt nennt sich „Uff de Gass“.

Mit einem umgebauten Fahrrad als mobilem Stadtteilcafé suchen die „Besser leben“-Mitarbeiter seit Ende April zweimal wöchentlich in den frühen Abendstunden Plätze und Straßenecken in Innenstadt und Nordend auf. Dort versammeln sich in größerer Zahl Rumänen oder Bulgaren, die es aus ihren meist sehr beengten Unterkünften ins Freie treibt. „Das gesellige Beisammensein auf Straßen und öffentlichen Plätzen ist ein Phänomen, das wir sonst eher aus mediterranen Gegenden kennen“, meint dazu Stadtrat und Ordnungsdezernent Dr. Felix Schwenke. Er könne nachvollziehen, dass sich angesichts solcher Aufläufe nicht alle Menschen wohlfühlen. Neben der Frage der Wahrnehmung seien da die Konflikte mit anderen Nutzergruppen und Anwohnern, die sich etwa durch Lärm oder Müll gestört fühlten.

Vertrieben werden kann niemand, verboten ist es nicht, an der Straßenecke zu quatschen; auch ein oder mehrere Bierchen dabei kann nach gegenwärtiger Satzungslage niemand verwehren. „Aber man kann diese Leute für die Gefühle ihrer Mitmenschen sensibilisieren“, glaubt Schwenke, „meine Erwartung ist aber klar: Das Verhalten muss sich so anpassen, dass alle damit leben können!“

Die Mitarbeiter kommen bei Kaffee, Kuchen und Eis mit Zuwanderern ins Gespräch und bieten bei Bedarf Unterstützung an. Sie hören von Problemen mit Beratern, Arbeitgebern, Vermietern. Hilfreich dabei ist als Übersetzerin Mira Ivanova. Ohne Sprachbarriere kann sie beispielsweise Beratungsangebote besser erklären. Darüber hinaus wird thematisiert, was die Projektleute „wiederkehrende Nutzungskonflikte in der Umgebung“ nennen. Das Zusammenleben im Stadtteil soll bis in einzelne Wohnhäuser hinein gefördert werden. Die Wahl der Orte geschieht durch die Erfahrungen des Quartiersmanagements, Beobachtungen beim Projekt „Lebendige Nachbarschaften“ und Hinweise von Anwohnern.

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Aufgesucht wurde etwa der Goetheplatz, wo sich Anwohner über Müll beschweren. Auch an der Herrnstraße vor der Erich-Kästner-Schule, wo sich abends meist Männergruppen treffen, hat das Stadtteilcafé Station gemacht, ebenso im Martin-Luther-Park und an der Hermann-Steinhäuser-Straße.

Finanziert wird das Projekt aus zusätzlichen Bundesmitteln, die Offenbach für die Förderung der Integration von Zuwanderern aus Südosteuropa erhalten hat. Eine koordinierte Initiative der von Zuwanderung besonders betroffenen Kommunen mündete in die Unterstützung aus Berlin. Insgesamt erhielt die Stadt 1,225 Millionen Euro. Davon wurden 318.000 Euro im März auf kleinere Projekte verteilt – in Schulen, bei der Sprachförderung und zur Stärkung von Selbsthilfestrukturen. (tk)

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