Temporäre Nutzer dürfen länger bleiben

+
Architekt Felix Nowak stellte im Februar, kurz vor Einzug der temporären Mieter, das Konzept des „WohnBüros“ vor.

Offenbach - Es ist ein Experiment, das bislang als gelungen bezeichnet werden darf: Im April 2012 startete im ehemaligen IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit ein vom Bund gefördertes Modellprojekt, in dem neue Formen des Wohnens und Arbeitens erprobt werden. Von Matthias Dahmer 

Temporäre Mieter dieser „WohnBüro“ getauften Initiative in den ersten drei Etagen der sechsstöckigen Immobilie sind Studenten, Künstler, kleine Unternehmen der Kreativwirtschaft oder auch Wohngemeinschaften. Für sie hat der Eigentümer des 1957 errichteten Gebäudes, die Mühlheimer Immobilienfirma Eduard Geisheimer KG, eine gute Nachricht: Die Zwischennutzung, die ursprünglich Ende März auslaufen sollte, kann bis Ende Oktober verlängert werden. Eine Entscheidung, was langfristig mit den Räumen in bester Innenstadtlage passiert, fällt demnach erst Mitte nächsten Jahres.

Grundsätzlich sei bei der künftigen Nutzung alles denkbar, heißt es bei Geisheimer. Die Pläne reichten von einer weiteren Vermietung an die derzeitigen Nutzer bis zum Umbau der Räume in hochwertige Lofts. Sicher ist nur: Ein Bauantrag zur in jedem Fall erforderlichen Umgestaltung der zwischen 300 und 350 Quadratmeter großen Stockwerke ist gestellt. Die Industrie- und Handelskammer nutzte das Gebäude bis 1996, danach beherbergte der Bürobau bis 2006 das Staatliche Schulamt. Die Stockwerke sind vom Zuschnitt naturgemäß eher weniger zum Wohnen geeignet.

Problematisch für eine übliche Wohnnutzung sind weniger die den früheren Büros geschuldete Aufteilung der Räume als vielmehr die großen Sitzungs- und Tagungsräume sowie der Umstand, dass pro Etage nur zwei Toiletten und eine Küche zur Verfügung stehen. So sind derzeit Möglichkeiten etwa zum Einbau von Duschen begrenzt.

Als gute Weichenstellung für eine langfristige Nutzung bezeichnet Marion Rüber die sich eröffnende Perspektive. Die kommunale Stadtplanerin betreut mit Felix Nowak vom Frankfurter Architekturbüro bb22 das Modellprojekt. Im „WohnBüro“ erkennt sie zudem eine Vorbildfunktion für andere leerstehende Büroimmobilien in der Stadt. Nicht alle derartigen Gebäude eigneten sich dafür, aber einige Hauseigentümer hätten bereits Interesse bekundet und wollten ähnliche Vorhaben prüfen. Um wen es sich dabei handelt, wollte Marion Rüber indes noch nicht verraten.

Kommentare