Prominente haben’s leichter

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Die vorläufige Sitzverteilung im Offenbacher Parlament.

Offenbach - Die Überraschung ist nicht dass, sondern wie: Der von seiner Partei auf den als aussichtslos geltenden Platz 40 der Liste strafversetzte Sozialdemokrat Erich Strüb bleibt dem Stadtparlament, wie von vielen Beobachtern erwartet, erhalten. Von Thomas Kirstein

Aber auf Platz 6 hochkumuliert zu werden, hatte selbst er nicht erträumt. „Ich bin überwältigt“, sagte der Mann vom traditionellen linken SPD-Flügel, der sich neben den Grünen nun als zweiter Sieger dieser Kommunalwahl fühlen darf.

Offiziell sollte der 74-Jährige Opfer einer vom Parteivorstand angestrebten Verjüngungskur werden. Tatsächlich war die angestrebte Verbannung auch die Quittung für diverse Querschüsse und einen Adressen-Missbrauch vor der Kommunalwahl 2006, mit dem Strüb den Sozialdemokraten geschadet haben soll.

Die SPD-Spitze um den Vorsitzenden Dr. Felix Schwenke und Vize Heike Habermann hat aber offensichtlich die Energie des Senior-Genossen unterschätzt und nicht damit gerechnet, dass sich einflussreiche Offenbacher mit klangvollen Namen zu einer Pro-Erich-Initiative finden könnten.

Strüb selbst hat 7000 Flyer in Briefkästen stecken lassen und zahllose Einzelgespräche geführt; Strübisten wie die Alt-OBs Buckpesch, Reuter und Grandke schalteten Anzeigen und hängten Plakate auf.

Mit gestärktem Selbstbewusstsein meldet der Parlamentsveteran bereits Ansprüche und Ziele an: Er will in den Aufsichtsrat für die Stadtwerke Holding und noch intensiver für eine Rekommunalisierung der Energieversorgung Offenbach kämpfen.

Einzelstimmen-Auszählung verändert das Ergebnis minimal

Im Vergleich zum ersten Trend hat das nach Einzelstimmen ausgezählte Ergebnis der SPD 0,68 Prozent mehr und zu Lasten der Republikaner einen zusätzlichen Sitz (jetzt 19) gebracht.

Die FDP legt ein Prozent zu und macht sich Hoffnung: Ein einziger Listenwähler mehr und sie bekommt einen vierten Sitz. Nachzählen ist beantragt, am 7. April wird der Wahlausschuss darüber entscheiden.

Ansonsten halten sich die Veränderungen in Grenzen, die Linken gehen runter um 0,7 Prozent, die Republikaner um 0,6, die Freien Wähler um 0,1, die Piraten um 0,25. Das Forum Neues Offenbach geht um 0,03 Prozent hoch, die CDU als weiterhin stärkste Fraktion um 0,17.

Die Korrektur der am Sonntag nur aufgrund der reinen Listenstimmen ermittelten Ergebnisse lässt den Schluss zu, dass sich die eher kommunalpolitisch entscheidende Hälfte der Wähler (Gesamtbeteiligung 33,9 Prozent) auch vom Bekanntheitsgrad der Bewerber hat beeinflussen lassen.

Verfälschen prominente „Unwählbare" das Ergebnis?

Bei der Union häuft Spitzen- und Oberbürgermeister-Kandidat Peter Freier Stimmen auf sich, liegt gut 3000 Kreuzchen vor Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann auf Platz 2.

Von Platz 33 auf 16 kumuliert wird Presseamtsvize und Ortsgerichtsvorsteher Carlo Wölfel, der als Stadtbediensteter nicht einrücken darf.

Das gilt auch für die Grünen-Bürgermeisterin Birgit Simon (von 59 auf 13) und FDP-Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (von 60 auf 2). Es gibt durchaus die Auffassung, dass das Aufstellen von prominenten „Unwählbaren“ Ergebnisse verfälschen kann.

Die personellen Verschiebungen bei der SPD beschränken sich nicht nur auf Erich Strüb. Die Wähler wollen auf jeden Fall auch den geheimen Waldhof-Bürgermeister Peter Janat (von Platz 22 auf 12) und Rumpenheims Schulrektor Bruno Persichili (von 32 auf 10) weiter als Stadtverordnete sehen, was von den zugewiesenen Listenplätzen nicht sicher beziehungsweise unwahrscheinlich gewesen wäre.

Streit über Strüb

Über das Verdienst um den zusätzlichen SPD-Sitz im Parlament scheiden sich die Geister. Erich Strüb ist sich sicher, dass der seinen vielen Unterstützern zu verdanken ist.

Tatsächlich berichten Beobachter der Auszählung von sehr vielen Stimmzetteln, auf denen eine andere Listen (meist Grüne oder CDU) und zusätzlich dreimal Strüb angekreuzt wurde.

An der SPD-Spitze bewertet man das anders. Vorsitzender Schwenke, der die Verjüngung der Fraktion trotzdem für gelungen ansieht, will nicht ausschließen, dass der Strübsche Privatwahlkampf Stimmen gekostet haben könnte, weil der Eindruck eines parteiinternen Streits Wähler abgeschreckt haben könnte. „Es wäre solidarischer gewesen, wenn es geheißen hätte, wählt die SPD-Liste und gebt mir drei Kreuze“.

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