Islamisten-Video macht Tod öffentlich

Offenbacher im Grenzgebiet durch US-Drohne getötet

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Szene aus einem Video: Konvertit Patrick K. ist offenbar von einer US-Drohne getötet worden.

Offenbach - Die Nachricht sorgte für Aufsehen: Erstmals wurde jetzt bekannt, dass ein Konvertit aus Offenbach im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet von einer US-Drohne getötet worden ist. Dies geht aus einer jetzt im Internet veröffentlichten Videobotschaft deutscher Islamisten hervor.

Der Angriff hat sich nach Berichten von „tagesschau.de“ und „Süddeutscher Zeitung“ bereits am 16. Februar 2012 ereignet. Der 27-jährige Patrick K. aus Offenbach kam demnach in der Nähe der Stadt Mir Ali ums Leben. Bei der Drohnenattacke war er angeblich mit mehreren usbekischen Kämpfern in einem Pickup unterwegs. Sie fuhren rund 35 Kilometer südlich von Mir Ali in Richtung Südwaziristan, als Raketen der MQ-1 Predator-Drohne ihr Fahrzeug trafen. Augenzeugen berichteten, dass auch eine Stunde nach dem Angriff noch vier Drohnen über dem brennenden Autowrack kreisten. Das Fahrzeug war vollkommen ausgebrannt und keiner der Insassen überlebte. Bei dem Angriff sollen insgesamt zehn Menschen gestorben sein.

Patrick K. taucht nach Angaben von „tagesschau.de“ in einem kurzen Abschnitt der aktuellen Videobotschaft auf. Er trägt einen Bart und ein landesübliches Gewand. Die Szene zeigt ihn, wie er ein Bündel packt und kundtut, dass er sich auf den Weg in ein „Trainingslager“ machen wolle. An der Wand im Hintergrund ist eine detaillierte Landkarte von Pakistan zu sehen. Ob es die richtige Entscheidung gewesen sei, hierher zu kommen, wird er von einem Mann im Hintergrund gefragt.. „Es gibt nichts Besseres“, antwortet Patrick K. mit breitem Lächeln. In dem Video wird auch der Werdegang des getöteten Konvertiten geschildert. Drei Monate nach dem 11. September 2001 sei Patrick K. als Jugendlicher zum Islam konvertiert. Die Propagandisten entwerfen das Bild einer schwierigen Kindheit in Hessen. Er sei bei den Großeltern aufgewachsen und nach deren Tod als Waise in einem Heim gelandet. In der Gemeinschaft des Islam habe er Geborgenheit gefunden. Das Video stammt offenbar aus der Propagandaschmiede der beiden Brüder Mounir und Yassin Chouka, die vor sechs Jahren von Bonn aus ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet aufgebrochen sind.

Informant über das Milieu des „Terrorismus“

In Offenbach sei Patrick K. von einem Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) angesprochen worden, heißt es in dem Video weiter. Zum Schein habe „der Bruder“ sich als Informant über das Milieu des „Terrorismus“ angeboten. Der Kontakt zu dem BKA-Mann habe sich „über Jahre“ hingezogen. Wegen des Verdachts, an Anschlagsplänen beteiligt zu sein, sei Patrick K. 2011 sogar einmal in Offenbach festgenommen, aber dann rasch wieder freigelassen worden. Das Video erweckt den Eindruck, dass BKA und Verfassungsschutz über die Reisepläne von K. informiert waren. Die Behörden hätten ihn 2011 bewusst ausreisen lassen, um ihn als Informanten in Pakistan zu führen, der diskret über die Aktivitäten der Dschihadisten nach Deutschland berichten soll. Dieser Plan der Sicherheitsbehörden sei aber nicht aufgegangen. Patrick K. habe sich dem Dschihad anschließen wollen.

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Die Bundesregierung bestätigte gestern, dass schon Anfang Januar eine Islamistische Bewegung Usbekistan den Tod des Deutschen gemeldet habe. Das Innenministerium (BMI) gab den Namen allerdings mit Patrick N. an. Er sei Ende 2011 nach Pakistan ausgereist und nicht nach Deutschland zurückgekehrt. Angehörige hätten ihn als vermisst gemeldet. Die deutschen Sicherheitsbehörden würden in solchen Fällen alle Anstrengungen unternehmen, eine Ausreise in Gebiete militanter Islamisten zu verhindern, sagte der BMI-Sprecher. Bei Patrick N. seien Bundesbehörden aber nicht tätig geworden. Ob Länderbehörden aktiv waren, sagte der Sprecher nicht.

Keine Angaben machte die Bundesregierung auch dazu, ob die Weitergabe von Mobilfunkdaten durch deutsche Behörden an US-Dienste die Ortung des Mannes ermöglicht habe. Sollte es weitere Informationen dazu geben, werde das zuständige Kontrollgremium des Bundestages in Kenntnis gesetzt. Das Auswärtige Amt in Berlin betonte zu dem Fall des Offenbachers, die deutsche Botschaft in Pakistan bemühe sich um Aufklärung. Von weiteren Informationen hänge die völkerrechtliche Bewertung des Todesfalls ab.

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psh

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