Koppel hinter der Obermühle

„Die Pferde gehören hierher“

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Bei besserem Wetter wären wohl mehr gekommen: Zirka 50 Menschen setzten am Sonntag ein Zeichen für die Erhaltung der Koppel in den Bieberauen.

Bieber - „Wir lieben unsere Bieberer Pferde, doch nicht die Hügel aus Schutt und Erde“ steht auf dem Transparent. Von Veronika Szeherova

50 Menschen haben sich am Sonntag trotz des nasskalten Wetters auf der Pferdekoppel hinter der Obermühle versammelt, um ihren Protest gegen die von der Stadt geforderte Räumung kundzutun. Sabine Cinner hat die Aktion ins Leben gerufen, bei der ein Gruppenfoto der Koppel-Befürworter mit den Pferden entstand. Dieses will sie in Postergröße vor der Bauausschuss-Sitzung am 31. Januar an Oberbürgermeister Horst Schneider übergeben, zusammen mit den mehr als 900 gesammelten Unterschriften.

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Die Pferdehaltung und die „Bonifer Hills“ sind, schreibt der OB am 27. November in einer E-Mail an Cinner, „nicht rechtskonform und daher zu untersagen“. Er gehe davon aus, dass ein Abtransport der Bauschutt-Ablagerungen bald beginne und bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sei, so dass „Bedenken bezüglich einer Ungleichbehandlung zwischen der Pferdekoppel und dem benachbarten Grundstück unbegründet sind“. Die Stadt erkläre sich bereit, dem Pächter bei der Suche nach einem anderen Grundstück für seine Tiere zu helfen.

Dies kommt für Gerhard Niewiera, der das Areal seit 38 Jahren pachtet, und seine Mitstreiter nicht in Frage. „Seit 28 Jahren klagt die Stadt schon gegen mich, seit zwölf Jahren habe ich Duldung. Jetzt kochen sie es wieder auf, damit es nicht verjährt.“ Dass man „als kleiner Mann nichts zu sagen hat“, ärgert auch Andreas Berg, der Niewiera seit Jahren unterstützt und bei Organisation und Aufbau der Protestaktion mitgeholfen hat. „Ich habe große Sorgen, dass die Stadt stur bleibt. Aber wir verlieren die Hoffnung nicht und setzen deshalb ein Zeichen.“

Politiker von SPD und FDP demonstrieren mit

Für die meisten Menschen, die gekommen sind, ist die Koppel ein lieb gewonnenes Ausflugsziel. „Ich liebe die Gegend, bin mit meinen Enkeln dort spazieren gegangen“, sagt Helga Klar. „Die Pferde gehören einfach her.“ So sieht es auch Ursula Caillaud. „Gerade für ältere Leute und Kinder ist die Koppel wichtig. Sie bringen Futter, freuen sich an der Natur und den Pferden.“ Sie lobt: „Die Tiere sind alle sehr gepflegt.“ Auch eine Mitarbeiterin der Stadt ist gekommen, die kein Verständnis für die Pläne ihres Arbeitgebers hat. Ihren Namen möchte sie lieber nicht nennen. Sie sorgt sich vor allem um das Schicksal der Katzen: „Die Stadt muss bei einer Räumung finanziell für sie aufkommen, da es wild lebende Katzen sind.“ Sie seien nicht zu vermitteln, müssten ihr restliches Leben im Tierheim verbringen. „Wie es denen geht, interessiert keinen“, sagt sie in Bezug auf ihren Arbeitgeber.

Jeden Tag zur Koppel spazieren geht Erika Petermann: „Ich bin glücklich, die Pferde zu sehen. Sie kennen mich und kommen immer an den Zaun.“ Sie hat einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben und nach dem Sinn der Räumung gefragt. „Die Antwort war so wischi-waschi, er hat keine stichhaltigen Argumente von sich gegeben“, ärgert sie sich. Sie fordert: „Die Stadt soll sich äußern, was sie konkret mit dem Grundstück vorhat. Nicht nur Paragrafen zitieren, sondern ganz klar sagen, was danach passiert. Wir Bürger haben ein Recht darauf.“

Auch einige Vertreter der SPD und FDP demonstrierten am Sonntag mit, darunter der stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Georg Schneider. Die Liberalen haben eine parlamentarische Anfrage eingebracht: „Welche Überlegung zur Nutzung des bisher von der Firma Bonifer genutzten Geländes existieren in der Verwaltung? Wie beurteilt der Magistrat die Idee, beide Flächen für die Pferdehaltung oder ähnliche Zwecke zu nutzen? Wie könnte dies planerisch und konzeptionell abgesichert werden? Wäre ein solcher Plan nicht ein Gewinn für Bieber und die Umgebung?“ Die Hoffnung darf also weiter bestehen...

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