Bäume auf dem Schulhof

Protest gegen Kahlschlag

+
Spießrutenlaufen für den Verwaltungschef: Die Beethoven-Schulgemeinde macht OB Horst Schneider für die bevorstehende Baumfällung verantwortlich.

Offenbach - Die Gemüter an der Beethovenschule bleiben vorerst erhitzt. Eine Fällung von 21 – zum Teil sehr stattlichen – Bäumen auf dem Schulhof wollen Schulgemeinde und Nachbarschaft nicht akzeptieren. Von Thomas Kirstein

Ebenso wenig die von der Stadt vorgetragene Begründung, es bestehe ein für sie nicht zu verantwortendes Restrisiko wegen eventuell unter Wurzeln verborgener Weltkriegs-Blindgänger. Der beim Regierungspräsidenten angesiedelte Kampfmittelräumdienst stuft bisherige Funde von Bombenresten als erheblich ein und hält den Kahlschlag für gerechtfertigt, weil ansonsten weitere Munition nicht aufzuspüren sei.

Gestern Abend verschaffte sich die „Initiative Beethovenschule“ am Rande der Stadtverordnetenversammlung Gehör. Etwa 70 Eltern, Schüler und Lehrer empfingen besonders den als Übeltäter ausgeguckten Oberbürgermeister Horst Schneider mit Buh-Rufen und Trillerpfeifen.

Eine Bürgerversammlung einzuberufen

Die Mehrheitskoalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern hatte sich auf den Protest vorbereitet und einen aus drei Punkten bestehenden Dringlichkeitsantrag zur Abstimmung präsentiert: Noch vor Fällung sei zwecks vertiefender Information schnellstmöglich eine Bürgerversammlung einzuberufen; abgeholzte Bäume sollen durch große und schnell wachsende ersetzt werden; für den südlichen Teil der Fläche soll eine Nutzung als Schulhof fest vorsehen werden. Letzteres soll nicht auszuräumenden Schulhofverkleinerungs-Ängsten begegnen.

„Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass Entscheidungen zur Grundstücksnutzung Beethovenschule nur mit dem Parlament und unter Beteiligung der Betroffenen erfolgen“, heißt es im gedruckten Appell der Initiative. Dies verdankte sich eben diesem nicht auszuräumenden Verdacht, hinter der Fällaktion könnte die doch nicht aufgegebene Absicht stecken, Teile des Geländes zur Finanzierung des Schulneubaus zu verkaufen und sie entsprechend vorzubereiten. Planzeichnungen, die einen Zaun zum südlichen Teil hin zeigen, nähren diese Befürchtungen.

Fakten für die Notwendigkeit

Die oppositionelle CDU hat sich bereits vor der Stadtverordnetensitzung positioniert und mittels einer Anfrage weitere Aufklärung eingefordert. Der Stadtverordnete Michael Weiland nennt es eine „unerklärliche Nachricht“, die für die Schulgemeinde, die politischen Gremien und die Öffentlichkeit völlig überraschend gekommen sei. Für ihn haben „weder der Oberbürgermeister noch die Verwaltung belastbare Fakten für die Notwendigkeit von Baumfällungen“ geliefert. Weiland erinnert daran, dass der RP bereits im Mai 2008 eine systematische Überprüfung auf Kampfmittel empfohlen habe.

Jetzt will die CDU-Fraktion vom Magistrat wissen: Wie hat dieser vor Beginn der Baumaßnahme oder in der Planungsphase berücksichtigt, dass die Beethovenschule in einem ehemaligen Bombenabwurfgebiet liegt? Warum wurde das Problem nicht schon 2008 öffentlich gemacht? Warum wurde erst im Frühjahr 2012 vom Kampfmittelräumdienst sondiert? Was hat es gekostet, bei Planung und Ausführung des Neubaus ausdrücklich Rücksicht auf den Baumbestand zu nehmen? Wie hoch sind die Kosten von Baumfällung und Abtragung des Erdreichs?

Kinder während der Bauarbeiten nicht geschützt

Lesen Sie dazu auch:

Eltern verärgert über geplante Baumfällung an der Beethovenschule

Währenddessen wird in Schulgemeinde und Nachbarschaft der Beethovenschule immer wieder angemerkt, dass sich die Stadt gar zu vorsichtig anstelle. „Für Sicherheit sind wir alle, aber wir müssen auch alle mit einem Restrisiko leben“, schreibt etwa Nachbar Ulrich Biermann. Ihn irritiert, wie auch den ehemaligen und langjährigen Beethoven-Rektor Gerd Beitler, warum man die Kinder nicht schon während der Bauarbeiten geschützt habe, wenn es dort so gefährlich sei wie behauptet.

Und nicht nur Biermann fragt, warum nicht alle Bäume in der weiteren Umgebung gefällt würden, weil sich das Bombenabwurfgebiet ja nicht auf das kleine heutige Beethovenareal beschränkt habe.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare