Flughafen Frankfurt

Fluglärm: Vereint im Protest

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Offenbacher, Mühlheimer, Frankfurter, Gelnhäuser... und so weiter: Der Fluglärm vereint die Region in Terminal 1 in einem anderem Sinne, als es sich manche Politiker, die für eine stärkere Integration der Region Rhein-Main einstehen, bisweilen wünschen.

Offenbach - „Laut gegen Fluglärm“ – dieses Motto haben die Gegner des Flughafenausbaus in der Region verinnerlicht. Und es vereint sie über Kommunalgrenzen hinweg.

Lautstarke Protestaktionen reihen sich seit der Eröffnung der Nordwestbahn am Frankfurter Flughafen im Oktober 2011 aneinander, aber auch kreative und nachdenkliche. Zum inzwischen 54. Mal trafen sich am Montagabend mit Vuvuzelas und Trillerpfeifen im Gepäck die Lärmgegner im Terminal 1. Erschütternden Krach erzeugten die 1000 Demonstranten, unter ihnen Dekanin Eva Reiß und der Sprecher der Bürgerinitiative Eintracht gegen Fluglärm.

Helmut Madler forderte erneut die Stilllegung der Nordwestlandebahn und „ein Ende der unverhältnismäßigen Parteinherrschaft“. 80 Bürgerinitiativen bewiesen, dass die Mehrheit keine schweigende sei, so Madler.Reiß fragte in die Runde: „Kann man überhaupt Fluglärmbefürworter sein?“ Die Antwort der Zuhörer: „Der Lärm muss weg!“

Reiß’ Ansprache war temperamentvoll. Manche glaubten, referierte sie, dass Wirtschaft direkt wachse, wenn es am Himmel brülle und töne. Seit wann aber dürfe unkontrolliertes Wachstum Bildung der jungen Leute beeinträchtigen? „Wenn das so bleibt, werden wir weiter demonstrieren“, schloss Reiß. Das sei keine Drohung, sondern ein Versprechen. Auch der Lärm der Demonstranten könne die Wände der betonharten Luftverkehrswirtschaft zum Einstürzen bringen. Man kenne das aus dem biblischen Jericho.

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Mader betonte die Ernsthaftigkeit seiner Forderungen nach Nachtruhe – „und zwar die ganze Nacht!“ –, mehr Mitsprache und Mitbestimmung der Bürger und betonte: „Politiker, ihr seid den Menschen zu fern.“ Neben den wöchentlichen Aktionen, die fortgesetzt werden, erreichte vor ziemlich genau einem Jahr der Offenbacher Protest einen weiteren Höhepunkt: Anfang März 2012 endete die Zeichnungsfrist für eine Petition an den Bundestag, die eine Verminderung des Fluglärms zum Ziel hat. Offenbacher haben den Protest als Beitrag der Initiative „Laut gegen Fluglärm“ initiiert und organisiert. Die Petition, die 14.096 Bürger unterzeichneten, übergab der frühere Stadtrat und Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß an den Bundestagsabgeordneten Peter Wichtel. Seither befindet sie sich in der parlamentarischen Beratung.

Waltraud Falkenberg, die mit Offenbachern aus verschiedenen Stadtteilen die Petition formuliert hatte, freut sich: „Verbindliche Lärmobergrenzen, Deckelung von Flugbewegungen und Optimierung von Flugrouten, wie wir es durch Änderung der Gesetze fordern, werden derzeit breit diskutiert.“ Am Beispiel Offenbach werde der Handlungsbedarf besonders deutlich: Bereits jetzt wird mit 700 Flugbewegungen pro Tag über Offenbacher Wohngebieten eine kritische Marke überschritten, teilt die Stadt mit.

Prognosen gehen von künftig 1000 Überflügen am Tag aus. Andere Prognosen des Landes rechnen gleichzeitig damit, dass in Offenbach mit dem stärksten Anstieg des Anteils der jungen Bevölkerung in Hessen zu rechnen sei. Für 80 Prozent des Stadtgebiets gilt jedoch ein Bauverbot für Schulen und Kindergärten.

Närrischer Protest gegen Fluglärm

Närrischer Protest am Flughafen

Die Petition fordert rechtlich verbindliche Lärmobergrenzen, Berücksichtigung des Lärmschutzbedürfnisse in Siedlungsgebieten mittels eines Flugbetriebsmanagements, der Festlegung und Verlegung von Flugrouten und einer angemessene Berücksichtigung des Schutzbedürfnisses der Menschen in der gesetzlichen Nacht von 22 bis 6 Uhr auch vor Fluglärm. „Die Erhaltung von Gesundheit und Lebensqualität der Bürger muss bei politischen Entscheidungen zukünftig Vorrang haben vor den wirtschaftlichen Interessen der Flugverkehrslobby“, fordert Frank Weber vom städtischen Ordnungsamt. „Fluglärm muss so begrenzt werden, dass Bauverbote in Ballungsräumen nicht mehr erforderlich sind. Das sind wir unseren Kindern und nachfolgenden Generationen schuldig!“

Nächste Demo am kommenden Montag in Terminal 1, Mahnwache in den Osterferien.

Oberbürgermeister Horst Schneider nimmt die Parlamentarier in Berlin in die Pflicht: „Die Bürger unserer Stadt haben ein Recht darauf, dass die Petition vom Petitionsausschuss des Bundestags sorgfältig geprüft wird und den Forderungen entsprechend Maßnahmen zum Schutz gegen übermäßigen Fluglärm folgen!“

(rek/fel)

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