Protest gegen Pierre Vogel 

Zeichen für Toleranz

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Offenbach - Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot ist der umstrittene Salafisten-Prediger Pierre Vogel in Offenbach aufgetreten – vor etwa 200 Zuhörern. Von Martin Kuhn

Ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und muslimischen Vereinen mobilisierte parallel gut 450 Menschen, die sich gegen Intoleranz und radikale Strömungen aussprechen. Man kennt es vom Bieberer Berg: strikte Trennung der Fangruppen. Und was sich bei Fußballspielen bewährt, wendet das Polizeipräsidium Südosthessen auch in der Innenstadt an, als sich der zum Islam konvertierte Prediger angekündigt hat und sich eine lautstarke Gegendemonstration formiert. Die Kaiserstraße ist vor der Kirche St. Paul komplett gesperrt, Drängelgitter kanalisieren die Gruppen, Beamte kontrollierenTaschen und Rucksäcke, die Polizei zeigt deutliche Präsenz – nicht offiziell bestätigt ist die Rede von zwei Hundertschaften. Am Ende des langen Samstags resümieren Stadt und Polizei: alles friedlich, keine Zwischenfälle.

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Ein weitgefächertes Bündnis versammelt sich zur Gegendemonstration am Aliceplatz, zu der Jungsozialisten und „Bunt statt Braun“ aufgerufen haben. Dem folgen unter anderem CDU-Landtagsabgeordneter Ismail Tipi, Grünen-Bürgermeister Peter Schneider, CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Freier, der ehemalige SPD-Oberbürgermeister Wolfgang Reuter, der ehrenamtliche SPD-Stadtrat Stephan Färber, der stellvertretende Vorsitzene der jüdischen Gemeinde Mark Dainow, Quartiersmanager Marcus Schenk, Mainarbeit-Chef Matthias Schulze-Böing. Auf Plakaten und Schildern ist zu lesen: „Für Toleranz und Partnerschaft“, „Islam ist Frieden. Salafismus ist Krieg“, „Der Islam gehört zu Deutschland. Faschismus nicht“.

„Kein Platz für Intoleranz“

Grünen-Vorsitzender Wolfgang Malik bekundet unter Beifall: „Wir lassen es nicht zu, dass eine kleine Gruppe Radikaler unsere Gesellschaft spaltet.“ Juso-Chef Philipp Türmer findet es paradox, dass Vogel sich ausgerechnet Offenbach als Bühne wählt: „Es gibt kaum eine Stadt, die so gut zeigt, dass man von Multikulti profitieren kann.“ Er verteidigt den lokalen Weg der Koalition, viel Geld in Kitas und Schulen zu investieren: „Fehlende Bildung sind für solche Leute ein Nährboden.“ Omar El Manfalouty („Bunt statt Braun“) sagt: „Wir sind hier, weil wir zeigen wollen, dass in unserer Mitte kein Platz für Intoleranz ist.“ Weiter geht Barbara Leissing in ihrem Urteil über Vogel: „Er steht für Frauenunterdrückung, für religiöse Fanatik und dafür, andere Religionen nicht zu akzeptieren.“

Vom Aliceplatz zieht’s die gut 450 Demonstranten zum Platz der Deutschen Einheit. Polizeiführer Georg Grebner greift zum Mikrofon: „Da wir das erwartet haben, sind alle Vorbereitungen getroffen. Aber: An die Spielregeln halten. Bei Ihnen habe ich da keine Bedenken.“ Eine Gruppe von Fußballfans, ausgestattet mit dicker Trommel und guten Stimmbändern, fordert sogleich alle auf: „Einmal winken – für die Polizei.“ Laute Trillerpfeifen und Buhrufe weisen sodann den Weg zur Kundgebung (Titel: Scharia – barbarisch oder perfekt?), wo Vogel Anhänger und Schaulustige lange warten lässt. Nach zwei Vorrednern, die neutrale Beobachter bereits als ermüdend empfunden haben, lichteten sich die Reihen immer mehr.

Protest gegen Salafisten in Offenbach

Protest gegen Salafisten

Die Frage, sie sich daraufhin viele stellten: Warum hat die Stadt diese Kundgebung nicht verboten? „Die Offenbacher haben auf eindrucksvolle demokratische Weise bewiesen, dass die Salafisten in unserer Gesellschaft keinen Platz haben“, holt Stadtrat Felix Schwenke aus. „Wenn das wie heute Menschen aus jeder politischen Richtung und jeder Religion tun, ist das ein weit stärkeres Signal als jede Verbotsdiskussion.“ Die Stadt habe lange darüber nachgedacht, die als unerwünschte Veranstaltung erklärte Kundgebung zu verbieten. Nach „intensiver Prüfung“ der Rechtslage sei jedoch deutlich geworden, dass ein Verbot juristisch nicht durchzusetzen gewesen wäre. Es fehlten konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. „Alle Städte, die in der Vergangenheit ein Verbot verhängten, scheiterten damit vor Gericht“, betont Schwenke während der Gegendemonstration nochmals.

Offenbacher Protest gegen Salafistenprediger Pierre Vogel

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