Pferdekoppel in den Bieberauen

Protest soll Rathaus erreichen

+
Sabine Cinner mit den drei Pferden vom Koppelgrundstück an der Obermühle. Sie setzt sich für dessen Erhalt ein und plant eine öffentlichkeitswirksame Aktion.

Bieber - Der Kampf um den Erhalt der Pferdekoppel in den Bieberauen geht weiter. Sabine Cinner möchte öffentlich die gesammelten Unterschriften übergeben und damit ein Zeichen setzen. Es gibt aber auch Kritik. Von Veronika Szeherova

Das Schicksal der Pferdekoppel nahe der Obermühle ist immer noch unklar. Wie bereits mehrfach berichtet, droht die Stadt dem Pächter Gerhard Niewiera mit einer Räumung, da die Pferdehaltung „rechtswidrig“ sei. Sabine Cinner, die Besitzerin eines der Pferde und Pflegerin der Katzen, kämpft mit vollem Engagement um den Erhalt der Koppel.

„Ich habe in den letzten Wochen mit Passanten und Lokalpolitikern gesprochen“, erzählt die Dietzenbacherin. „Viele Menschen interessieren sich sehr dafür, was hier passiert.“ Bürgermeister Peter Schneider wolle seine Haltung erst definieren, wenn „die Ergebnisse einer städtischen Prüfung vorliegen“. Die Stadt werde dann nach „geltendem Recht und Gesetz handeln“. Cinner handelt schon lange – und hat etwa 800 Unterschriften gesammelt. Diese möchte sie öffentlichkeitswirksam an Vertreter der Stadtpolitik, am liebsten Oberbürgermeister Horst Schneider, überreichen. „Es soll ein Massen-Gruppenfoto gemacht werden mit allen Unterstützern.“ Die Aktion ist geplant für Sonntag, 16. Dezember, auf dem Reitplatz. „Auch unterstützende Fraktionen können sich zu erkennen geben“, sagt Cinner, „wir freuen uns über jeden, der Transparente und Plakate mitbringt.“ Auch die umliegenden Gaststätten seien kooperativ. „Aber ich suche noch jemanden, der Apfelwein ausschenkt.“

Eine eng verwobene Diskussion

Die Tierfreundin findet, dass ausgerechnet die angrenzenden „Bonifer Hills“ sich am besten eignen, um von dort aus zu fotografieren. Dabei ist die Diskussion um das Nachbargrundstück eng verwoben mit der Problematik um die Pferdekoppel. Da die Erdaushub-Lagerstätte nach Ansicht von Niewieras Anwalt ebenfalls rechtswidrig sei, solle auch sie verschwinden, falls sein Mandant das Grundstück verlassen müsse. Wie die Firma Bonifer im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte (wir berichteten), gehört das Gelände mittlerweile der Stadt. Die Bauschutthügel sollen nach Waldhof verlagert werden, sobald die Genehmigung des Regierungspräsidiums vorliegt. Erich Herrmann vom Arbeitskreis Waldhof hat das RP gebeten, „den Antrag auf Verlagerung und Errichtung einer Abfalldeponie in Waldhof nicht zu genehmigen.“

Lesen Sie dazu auch:

Streit um Koppel spitzt sich zu

Hügel für Kinder gefährdet

Laut Cinner hat sich die nachbarschaftliche Beziehung etwas gebessert: „Die Berge werden zwar immer höher, aber sie entwässern wenigstens nicht mehr auf unser Grundstück.“ Die Pferde müssten derzeit wetterbedingt dennoch oft im Matsch stehen. „Wir gucken immer, dass sie trockene Stellen haben“, sagt sie, „doch solange der Erhalt der Koppel nicht sicher ist, möchte der Pächter leider keine grundlegenden Aufbesserungsarbeiten machen.“ Sie sieht ein, dass es in der jetzigen Haltung „Defizite“ gibt. „Die Pferde müssten eigentlich den Kopf senken können und grasen – das ist auch unser großes Ziel.“ Die Tiere seien trotz ihres Alters von 14 bis 16 Jahren „bei bester Gesundheit“. Das bescheinigte auch das Veterinäramt beim Kontrollbesuch am Freitag. Es bemängelte, dass die Pferde keinen überdachten Unterstand haben, wo sie jederzeit hinein können. Mit den Katzen, die alle kastriert sind, zeigten sich die Tierärzte zufrieden.

Keine richtige Versorgung

Die dortige Tierhaltung mit kritischen Augen sieht Anwohnerin Rita Schell aus Bieber: „Das ist tierschutzmäßig nicht in Ordnung. Die Koppel ist zwar schön für Spaziergänger und ich bin auch dafür, dass sie bleibt, aber den Tieren muss es besser gehen.“ Neben dem Matsch stört sie, dass die Katzen „keine Unterschlupfmöglichkeit“ hätten und „nicht richtig versorgt“ würden.

Dagegen wehrt sich Cinner: „Verstecken können die Katzen sich im Stroh- und Heulager, dort haben sie sich Höhlen gegraben. Auch der Hühnerstall ist wind- und wetterfest. Und wenn der Kamin brennt, wärmen sie sich gern auf dem Dach.“ Die Katzen hätten es besser „als so manche Wohnungskatze“, einige seien gar ein bisschen zu dick. „Wir haben einen Sinn für die Tiere, auch wenn er nicht alle ästhetischen Ansprüche erfüllt“, so Cinner, die gern bereit ist, Kritikern die Anlage zu zeigen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare