Tarifverhandlungen der Lehrer

Protest mit technischer Hürde an Schulen

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Mit einem Schriftzug auf den Fenstern des Erweiterungsbaus veranschaulichten Lehrer von Theodor-Heuss- und Käthe-Kollwitz-Schule in einer gemeinsamen Aktion ihre Forderung bei der Tarifrunde 2015. Wie sich später zeigte, birgt der Neubau gewisse Tücken...

Offenbach - Protestieren ist heutzutage nicht mehr so einfach. Nimmt doch moderne Gebäudetechnik wenig Rücksicht darauf, dass gerade ein Statement in die Welt hinausgetragen werden soll. Von Veronika Schade

So gestern im gemeinsamen Erweiterungs-Neubau der Theodor-Heuss- (THS) und Käthe-Kollwitz-Schule (KSS). Mit einem großen Schriftzug wollen Lehrer auf die aktuellen Tarifverhandlungen der Landesbeschäftigten hinweisen. „Wir lassen uns nicht abhängen – 175 Euro, 5,5 Prozent“, haben sie als Forderung formuliert und auf drei Etagen in großen, bunten Lettern an die Fenster gehängt. Den ganzen Tag soll’s für Schüler, Kollegen und Passanten gut sichtbar sein. Bis das automatische Jalousien-System, das auf Sonnenlicht und Wind reagiert, die Blenden runterfährt – und die Botschaft verbirgt.

Das tut dem Inhalt keinen Abbruch. Die Verbeamteten, rund 40 Prozent sind in der Gewerkschaft Erziehung (GEW), angehören, zeigen Solidarität mit den angestellten Kollegen. Die verdienen weniger, bekommen auch keine Beihilfe zur Versicherung und haben oft nur auf wenige Monate befristete Verträge. Ihre Rente fällt geringer aus als die Beamtenpension. „Es ist nicht fair, weil sie die gleiche Arbeit leisten“, sagt Stefan Falcione, Personalratsvorsitzender der THS. An seiner Berufsschule sind 120 Lehrer beschäftigt, davon 30 Angestellte mit befristeten und fünf mit unbefristeten Verträgen. Einige davon kommen der Aufforderung der GEW nach, die Arbeit an diesem Tag niederzulegen. Laut Schulleiter Heinrich Kößler fallen sechs bis acht Stunden aus. „Ich kann die Forderungen der GEW nur unterstützen“, sagt er, schließlich wirke sich das auf die Arbeitsbedingungen an der Schule aus. Er betont aber, dass „auf keinen Fall die Beamten von der Gehaltsentwicklung abgekoppelt werden sollten“.

„Unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst“

An der benachbarten Käthe-Kollwitz-Schule sind zwölf angestellte Lehrer beschäftigt, laut Konrektor Peter Schug zehn Prozent des Kollegiums. „Sie arbeiten heute alle“, sagt er. Das staatliche Schulamt hat am Vortag sämtliche Schulleitungen darauf hingewiesen, dass es sich bei einem Streik um unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst handele und die Bezüge für ausgefallene Stunden gestrichen würden. In wie vielen Schulen in Stadt und Kreis es zum Warnstreik kam, vermag Amtsleiter Dr. Peter Bieniussa gestern nicht zu sagen: „Bis Montag haben die Schulen Zeit, uns Rückmeldung zu geben.“ Von 105 Schulen hätten bisher 15 Fehlanzeige erstattet, das heißt, dort wurde nicht gestreikt. „Es sind wohl nur ganz vereinzelte Fälle“, vermutet Bieniussa.

85 bis 90 Prozent der Offenbacher Lehrer sind Beamte. „Das ist der Regelfall, den die meisten Lehrer anstreben“, sagt der Schulamtsleiter. Gründe, warum nicht verbeamtet werde, seien ein Alter über 50 Jahren oder gesundheitliche Einschränkungen. 2014 hätten sich 60 Lehrer in ein unbefristetes Angestelltenverhältnis eingeklagt. Die von GEW und Verdi geführten Tarifverhandlungen für die rund 45.000 Angestellten des Landes waren am vergangenen Freitag ergebnislos auf Mitte April vertagt worden. Hessen verhandelt eigenständig für seine Beschäftigten, da es 2004 aus der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) ausgetreten war. Die Gewerkschaften verlangen ein Gehaltsplus von 5,5 Prozent, mindestens aber 175 Euro pro Monat mehr. Innenminister Peter Beuth (CDU) hält das für nicht finanzierbar.

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„Wir wollen nicht die Opfer der Schuldenbremse sein. Den Koalitionsvertrag mit der Nullrunde werden wir nicht einfach so abnicken“, macht Personalratsvorsitzender Falcione deutlich. Der Beruf des Lehrers werde immer anspruchsvoller: „Erwartet wird eine individuelle Lernbetreuung und ständige Evaluation der Arbeit, das muss das Land anerkennen.“

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