Bus-Transfer für Erstklässler

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Mit selbst gestalteten Plakaten demonstrieren 200 Goetheschüler gegen den Platzmangel an ihrer Grundschule.

Offenbach - Aus dem Megafon, das Elternbeirat Michael Groß in der Hand hält, tönt „olé, olé. olé“. Fast 200 Schüler der Goetheschule, Lehrer und Eltern verbringen die erste große Pause auf dem Goetheplatz. Von Katharina Hempel

Wenn sie die Fußballhymne wieder hören, sagt Groß den Kindern, dann sei die Pause hier draußen zu Ende.

Nach Jubeln ist den Grundschülern aus dem Nordend nicht zumute. Ihre Schule platzt aus allen Nähten. Um gegen diese schlechten Bedingungen zu protestieren, verbringen sie gestern morgen die große Pause vor ihrer Schule auf dem Goetheplatz. Bunte, selbstgemalte Plakate tragen sie vor sich her. „Zu voll! Zu laut! Zu eng!“ steht da drauf. „Unser Schulhof, eng wie ein Käfig“ haben Viertklässlerinnen auf ein Plakat geschrieben und ein Huhn hinter Gittern dazu gemalt.

660 Kinder in 27 Klassen

„Es ist so eng, weil wir einfach zuviele Schüler haben und unser Außengelände nicht aufpusten können, um mehr Platz zu bekommen“, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Ulla Altwicker. „Kommendes Schuljahr haben wir acht erste Klassen. Normalerweise ist bei Grundschulen maximal die Sechszügigkeit üblich. Wir gehen auf die Zehnzügigkeit zu.“ In anderen Stadtteilen sinken die Zahlen der Einschulungen. Im dicht besiedelten Nordend steigen sie stetig. An der Goetheschule werden zur Zeit 660 Kinder in 27 Klassen unterrichtet. „Das geht inzwischen an die Grenzen der Kapazität“, sagt die Konrektorin. „Kinder brauchen Bewegung, aber Austoben ist bei der Menge auf dem Pausenhof nicht möglich. Pausen in Schichten sind auch keine Alternative. Wegen der Lautstärke auf dem Schulhof ist in den Klassenräumen dann kein Unterricht möglich.“

Für Entlastung soll die geplante Hafenschule sorgen (geschätzte Kosten: 28 Millionen Euro). Um mit dem Bau am Standort des alten Lokschuppens am Nordring zu beginnen, fehlt noch die Genehmigung des Regierungspräsidenten (RP). Auf dessen „Ja“ und die neue Schule bis 2015 vertraut Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP): „Der RP ist informiert über den dringend erforderlichen Bedarf und die Entlastung, die unbedingt nötig ist. Aber die Jahre, bis die Schule dann steht, müssen wir überbrücken.“

Infoabend für die Eltern

Damit die Nähte der Goetheschule und die Nerven ihrer Lehrer und Kinder nicht länger strapaziert werden, präsentiert Weiß für das nächste Schuljahr diese Lösung: „Die Schulkommission wird dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung vorschlagen, für die Goetheschule einen Überschneidungsbezirk mit der Anne-Frank-Schule zu bilden.“ Schüler aus dem Nordend werden dann mit Bussen auf die Rosenhöhe transportiert.

In der Anne-Frank-Grundschule, derzeit noch Außenstelle der sich im Sanierungsprozess befindenden Ludwig-Dern-Schule, werden in Kürze so viele Räume frei, dass der Raumbedarf der Goetheschule dort über mehrere Jahre hinweg gedeckt werden kann. Paul-Gerhard Weiß: „Ab dem Schuljahr 2012/13 werden zwei erste Klassen aus dem Nordend dorthin befördert. Nach derzeitiger Prognose bleiben sie bis 2015 dort, dann ist hoffentlich die Hafenschule fertig gestellt.“

Für die Eltern, die das betreffen wird, plant der Schuldezernent noch einen Infoabend. Mit Gegenstimmen rechnet er nicht: „Von allen Ideen, die es in diesem Zusammenhang gibt, denke ich, dass wir die beste gewählt haben. Das ist ein Modell, um eine wirksame Entlastung zu schaffen und keine Flickschusterei mehr.“

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