Behauptung zurückgewiesen

90 Prozent der Anflüge bald über Offenbach?

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Offenbach - Die Fluglärmkommission und die Deutsche Flugsicherung (DFS) haben die Behauptung zurückgewiesen, es gebe Bestrebungen, die Quote der aus Osten über Offenbach anfliegenden Flugzeuge auf 90 Prozent zu erhöhen, um westlich des Airports gelegene Städte zu entlasten. Von Michael Eschenauer

Die 1. Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach (BIL), Ingrid Wagner, hatte behauptet, der Bürgermeister von Raunheim und Vorsitzende der Fluglärmkommission, Thomas Jühe (SPD), führe derzeit entsprechende Verhandlungen mit der DFS.

Hintergrund ist die internationale Vorschrift im Luftverkehr, wonach nur bis zu einem Rückenwind mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten gestartet und gelandet werden darf. Jühe, so Wagner, versuche nun, diese Regelung dahingehend aufzuweichen, dass noch mehr Anflüge von Osten her (Betriebsrichtung 025/Westbetrieb) zulässig wären. Derzeit besteht ein Verhältnis des Flugbetriebs von 75 Prozent in Richtung Westen (025) zu 25 Prozent in Richtung Osten (07).

Schutz der Bevölkerung gegen Fluglärm

Wagners Behauptung, so die Geschäftsführerin der Fluglärmkommission, Anja Wollert, sei abwegig. Erstens sei bereits bekannt, dass im Rahmen des Maßnahmenpakets zum Schutz der Bevölkerung gegen Fluglärm Flugsicherung und Piloten ohnehin gehalten seien, beim Landen bis an die Grenze von fünf Knoten Rückenwind zu gehen, um extrem nahe am Flughafen gelegene Städte wie Raunheim und Flörsheim zu entlasten. Zweitens könne Jühe in keinem Fall in eigener Machtbefungnis internationale Sicherheitsvorschriften für das Landen bei Rückenwind einfach so ändern. Ferner, so Wollert, sei es zwar Ziel, die Zahl der Landeanflüge aus Richtung Osten etwas zu erhöhen - eben durch die weniger restriktive Auslegung der Fünf-Knoten-Vorschrift. Es sei aber vollkommen unmöglich, auf diesem Weg eine Steigerung der Anflüge über Offenbach auf 90 Prozent hervorzubringen.

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Kristina Kelek, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, wies darauf hin, dass die DFS lediglich Vorschläge der Fluglärmkommission als Beratungsgremium unter anderem der Anliegergemeinden entgegennehme. Diese müssten zuvor beschlossen sein. Es sei kaum vorstellbar, dass eine derart weitgehende Initiative so ohne weiteres in der Fluglärmkommission eine Mehrheit fände.

Thomas Jühe selbst befindet sich derzeit im Ausland und war für die Redaktion deshalb nicht zu erreichen.

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