Prozess um Schlägerei

Das Opfer hatte sich wohl vertan

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Offenbach - Als äußerst verworren entpuppte sich am Amtsgericht die juristische Aufarbeitung einer Schlägerei. Richter Manfred Beck stellte das Verfahren ein wegen geringer Schuld – ein leichter Schlag nach einer Beleidigung. Er folgte damit dem Antrag des Staatsanwalts.

Was die Aufklärung wohl merklich hemmt, umschreibt Beck so: „Alle Beteiligten, auch die Zeugen, waren teils erheblich vorbestraft. “ Was vor Gericht endete, begann am Morgen des 23. September 2011: Gegen 4 Uhr wird die Polizei wegen einer Schlägerei zu einer Gaststätte in der Innenstadt gerufen. Als die Beamten eintreffen, liegt ein 34-jähriger Serbe vor dem Lokal und klagt über Schmerzen in der Brust. Er sagt: „Der Angreifer ist noch drin.“ Dieser habe ihn grundlos niedergeschlagen und getreten. Er beschreibt den Beamten den Täter nach Größe und Kleidung, ehe ein Rettungswagen ihn ins Krankenhaus bringt. Dort diagnostizieren die Ärzte eine gebrochene Rippe, die in die Lunge eingedrungen ist.

In der Gaststätte erkennen die Polizisten einen Rumänen und zwei Bosnier, auf die die Beschreibung passt. Unbeteiligte Zeugen gibt es kaum. Diese wollen allenfalls einen Streit zwischen dem Serben und dem Bosnier bemerkt haben. Das Opfer erkennt später den 43-jährigen Bosnier wieder, als ihm die Polizei diverse Porträts vorlegt.

Vor Gericht gibt der Bosnier zu, den Serben einmal leicht ins Gesicht geschlagen zu haben, da dieser ihn beleidigt habe. Getreten habe er ihn nicht. Das müsse jemand anderes gewesen sein. Auch das Opfer schildert das Tatgeschehen. Dann: „Der Angeklagte ist der falsche Mann.“ Er sei von einer anderen Person angegriffen worden.

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Als Richter Beck ihm vorhält, dass der Angeklagte der Mann sei, den er bei der Polizei als Täter erkannt habe, gab er an, dass er sich wohl vertan habe. Ob der Serbe aus Angst seine Aussage zurückzog, bei der Polizei gelogen oder sich wirklich geirrt hat, war nicht zu klären. 

(mk)

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