Offenbacher scheitert vor Amtsgericht

Vorwahl entpuppt sich als Kostenfalle

+

Offenbach - Dass beim Telefonieren unter Zuhilfenahme einer Sparvorwahl (sogenanntes Call-by-Call) nicht immer ein Schnäppchen zu erwarten und mitunter Vorsicht geboten ist, zeigt ein Fall, der gestern vor dem Offenbacher Amtsgericht verhandelt wurde.

Beklagter Michael K. aus Offenbach versuchte vergeblich, den Richter von der Unverhältnismäßigkeit der ihm zugesandten Rechnung zu überzeugen. Seine philippinische Frau, die zwar fließend englisch, aber kaum deutsch spricht, hatte im vergangenen Juni für ein Telefonat nach Norwegen die Sparvorwahl 01048 des Anbieters Telecom UG gewählt. Schon öfter hatte sie sich in der Vergangenheit solcher vermeintlich günstigen Vorwahlen bedient und sich hierfür auf Vergleichsportalen im Internet den jeweils günstigsten Anbieter herausgesucht.

Statt des laut Vergleichsportal zu erwartenden Minutenpreises von 3,72 Cent für ein Gespräch nach Norwegen mit der Vorwahl 01048 wies die Rechnung später jedoch satte 1,89 Euro pro Minute auf. Für das knapp 49-minütige Gespräch stellte die Telecom UG kurz darauf 92,61 Euro in Rechnung. Grund war ein überraschender und kurzfristiger Preisanstieg von mehr als 5000 Prozent, der jedoch nur beim Anbieter direkt, nicht jedoch im Vergleichsportal gelistet war. In den Augen K.s eine völlig überzogene Forderung („Ein solcher Tarif entspricht höchstens der Leistung eines Mehrwertdienstes wie etwa Sexhotlines“), gegen die der Elektroingenieur schriftlich Widerspruch einlegte und Anzeige wegen gewerbsmäßigen Betrugs erstattete. Die Telecom UG zerrte ihn daraufhin vor Gericht.

Die Tricks der Daten-Hacker

Die Tricks der Daten-Hacker

Auf sieben Seiten legte K. bei der Verhandlung Gründe für die angestrebte Unwirksamkeit des durch das Telefonat zustande gekommenen Vertrags vor. Darunter: Vorwurf des Wuchers, Anfechtbarkeit wegen arglistiger Täuschung, fehlende Transparenz von Seiten der Telecom UG wegen Angabe einer falschen Geschäftsadresse sowie das Fehlen einer Preisansage in englischer Sprache.

Weil K. jedoch nicht beweisen konnte, dass auch eine deutsche Preisansage fehlte, entschied der Richter nach nur knapp zehn Minuten zugunsten des Telefonanbieters. Zwar sah auch der Richter ein „auffallendes Missverhältnis zwischen Preis und Leistung“, die Einwände K.s reichten jedoch nicht aus. „Mein Fall zeigt, dass es als juristischer Laie unmöglich ist, sich gegen derartige Abzocke zu wehren“, konstatierte K. nach der Sitzung und bemängelte fehlende Schutzmechanismen im deutschen Telekommunikationsgesetz. 

jb

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion