Nach Wodka-Gelage

Offenbacher sticht auf Mutter ein

+

Offenbach - 30-Jähriger rastete nach Wodka-Gelage aus und steht nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Der Gutachter revidiert am ersten Verhandlungstag seine Diagnose „verminderte Schuldfähigkeit“. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Es ist zwar nicht der Regelfall, aber es kommt vor, dass Angeklagte nicht zur Hauptverhandlung erscheinen. So geschehen gestern im Landgericht Darmstadt, wo zwei Brüdern aus Offenbach wegen des Vorwurfs der Körperverletzung mit Todesfolge – Opfer ist die Mutter der beiden – der Prozess gemacht werden sollte. Nach zahlreichen Telefonaten seitens des Richters Jens Aßling kann Andrej G. mit mehr als zweistündiger Verspätung polizeilich vorgeführt werden. Sein jüngerer Bruder Robert G. hingegen bleibt verschollen. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt.

Der 30-jährige Andrej schweigt sich am ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen und dem Verbleib seines Bruders aus. Lediglich Fakten zu seinem Lebenslauf lässt er sich vom Richter „aus der Nase ziehen“.

Laut Staatsanwaltschaft ist von diesem Sachverhalt auszugehen, den sie dem gebürtigen Kirgisen vorhält: In der Nacht vom 21. auf den 22. August 2009 findet in der Offenbacher Familienwohnung der G.s ein Treffen statt. Neben Robert und Andrej sind der dritte Bruder A., Mutter T. und deren Freund Gk. anwesend. Man isst zusammen, in nicht unerheblichen Mengen fließt Wodka. Gegen Mitternacht kommt es zur verbalen Auseinandersetzung zwischen Andrej und T., bei der Andrej seiner Mutter droht: „Halt’s Maul, sonst geb ich dir eine!“

Etwas später und mit zunehmender Alkoholisierung geraten auch Robert und Gk. in Streit, woraufhin Robert dem Freund mit der Faust ins Gesicht schlägt. Und Andrej macht in der Küche aus seiner Drohung Ernst. Er zückt ein Klappmesser mit acht Zentimeter Klingenlänge und sticht auf seine Mutter ein. Mit insgesamt 13 Verletzungen an Rücken, Kopf, Brustkorb und Armen bricht T. neben dem Kühlschrank zusammen. Irgendwer ruft den Rettungswagen – vergebens: T. hat schon zu viel Blut verloren, sie stirbt 30 Minuten nach der Tat.

Auch dem Gk. fügt Andrej mehrere, aber nicht lebensgefährliche, Stichverletzungen zu. Beide Brüder hatten zu dieser Zeit mindestens drei Promille im Blut. Nach einer ersten Begutachtung durch Psychiater Professor Hartmut Berger wurde Andrejs Zustand während der Tat als vermindert schuldfähig eingestuft. Er verbrachte drei Monate in Untersuchungshaft, danach nochmal vier Monate in der forensischen Klinik Haina, bevor das Oberlandesgericht die Anordnung dieses Aufenthalts aufhob.

Nachdem der Gutachter den Angeklagten gestern im Gerichtssaal erlebt, ist er von dieser Einschätzung nicht mehr voll überzeugt: Er müsse eigentlich erneut begutachten, da Andrej gar keine psychotischen Anzeichen mehr zeige. Der Prozess wird am 19. Februar fortgesetzt.

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion