Zwei Jahre auf Bewährung für Offenbacher

Facebook-Bekanntschaft zum Sex genötigt

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Offenbach - Eine Whats-App-Nachricht wird einem 31-jährigem Offenbacher zum Verhängnis: Ein Gericht verurteilt ihn wegen Vergewaltigung zu zwei Jahren auf Bewährung. Von Matthias Dahmer

Mit den unangenehmen Seiten von Facebook musste sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck beschäftigen. Auf der Anklagebank saß der Offenbacher Jens S., dem die Staatsanwaltschaft vorwarf, im August 2012 eine heute 21-Jährige vergewaltigt zu haben. Der 31 Jahre alte S., der mittlerweile in der Oberpfalz lebt und dort eine Fortbildung zum Wirtschaftsfachwirt absoviert, lernt sein Opfer über Facebook kennen. Nach mehreren virtuellen Kontakten, sehen die beiden sich erstmals am späten Abend des 18. August 2012.

Es ist ein Freitag, als Treffpunkt ist der Dreieichpark vereinbart, wo die beiden sich gegen 23 Uhr zunächst auf einer Bank niederlassen, Wodka mit Orangensaft trinken und reden. Zwei Stunden später, so die Schilderung des Angeklagten, sei man gemeinsam in seine nahe gelegene Wohnung im August-Bebel-Ring gegangen. Dort sei es dann nach dem Austausch von Zärtlichkeiten einvernehmlich zum Geschlechtsverkehr gekommen. Seine Bekannschaft habe dabei aber ständig Angst davor gehabt, dass ihr Onkel, der nach dem Tod der Eltern wohl die Erzieherrolle inne hatte, von der Beziehung erfahren könnte. Deshalb habe ihm der Sex schon nach wenigen Minuten keinen Spaß mehr gemacht. Er habe ihr das auch gesagt, woraufhin die damals 19-Jährige die Wohnung verlassen habe.

Staatsanwältin: Zu mildes Urteil

Die junge Frau, die als Verkäuferin in einem Supermarkt arbeitet, macht ihre Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ihre Version des Abends, insbesondere vom Geschehen in der Wohnung, das wird später im Urteil deutlich, weicht erheblich von der des Angeklagten ab. Das Opfer schildert den Vorfall im Sinne der Anklage und macht deutlich, S. habe sie vergewaltigt.

Zu diesem Ergebnis kommt am Ende auch das Schöffengericht, dass Jens S. zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Als eine Art Geständnis wertet es eine Aussage von S., die der am Tag nach der Tat über den Kurznachrichtendienst WhatsApp an sein Opfer übermittelt hat: Auf den Vorwurf, er habe sie vergewaltigt, antwortete der Angeklagte, es tue ihm leid.

Oberstaatsanwältin Eveline Teufert-Schwind vermag indes kein Geständnis bei Jens. S. zu erkennen: Sie fordert dreieinhalb Jahre Gefängnis für den bislang nicht vorbestraften Angeklagten und will gegen das aus ihrer Sicht zu milde Urteil Rechtsmittel einlegen.

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