Helfer von Drogenbande vor Gericht

Heroin-Geld zum Balkan transferiert

Offenbach - Die Revision hat sich für den Angeklagten gelohnt: Statt ihn drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis zu stecken, erspart die 15. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt dem Angeklagten Petar V. ein Jahr hinter Gittern. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Der wegen Beihilfe zum unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in zwei Fällen verurteilte 27-Jährige gibt zu, von Dezember 2012 bis Mai 2013 Heroin-Geld nach Mazedonien transferiert zu haben, insgesamt 66.730 Euro. Das waren die Einnahmen aus dem Verkauf von knapp 3,5 Kilo Heroin, umgesetzt von einer kleinen Gruppe Mazedonier, die schon länger agierte und von Hintermännern auf dem Balkan gesteuert wurde. Zwei Dealer, die den Markt in Offenbach und Rodgau bedienten, sitzen derzeit mehr als fünfjährige Haftstrafen ab. Einen Teil der Scheine hat V. persönlich in die Heimat gebracht, einen anderen via Western Union überwiesen. Einmal steckt er sogar der schwangeren Ehefrau zur Mitnahme in die Heimat eine kleine Summe zu. Er wusste, dass das Geld aus Heroingeschäften stammte. Über seinen Verteidiger erklärt er: „Ich habe dafür nicht mehr als 2000 Euro erhalten.“

Den überwiegenden Teil des Strafmaßes hat V. schon verbüßt, denn der mazedonische Staatsbürger sitzt seit September 2013 in Weiterstädter Untersuchungshaft, die wegen dringender Fluchtgefahr bestehen bleibt. Die U-Haft setzt zudem eine Strafe obendrauf: Seine eineinhalbjährige Tochter hat er noch nie gesehen, denn die schwangere Ehefrau musste nach der Verhaftung aus existenziellen Gründen ins Heimatland zurückkehren.

Der wegen einer neuen Wohnungseinrichtung verschuldete Familienvater muss neben den Kosten der Hauptverhandlung auch die Kosten des Revisionsprozesses zahlen – Richterin Barbara Bunk gestand ihm lediglich ein Drittel „Rabatt“ aus strafmildernden Gründen zu. Trotzdem hat der 27-Jährige Glück, denn mit einem Urteil unter drei Jahren droht ihm nicht die Abschiebung in sein Heimatland. Als strafmildernd wertete die Vorsitzende neben der geständigen Einlassung die lange Verfahrensdauer und das Beenden des kriminellen Nebenverdienstes aus eigenem Antrieb.

Polizeihunde in der Ausbildung

Polizeihunde in der Ausbildung

Das ein Jahr alte Urteil der Strafkammer wurde vom Bundesgerichtshof aufgehoben, weil für ihn keine Bandenmitgliedschaft hervorging. Verteidiger Hans-Otto Sieg interpretierte darüber hinaus die Beteiligung am Drogenhandel als gar nicht existent, weil „der bloße Geldtransport nach einem angeschlossenen Verkauf nicht mehr als Bestandteil des Handels zu sehen“ sei.

Die Rechtsprechung sei in diesem Detail sehr schwammig, denn sie sage nicht eindeutig, wann „das Geld zur Ruhe gekommen sei“. Richterin Bunk schloss sich dieser Auslegung nicht an. Am Schluss betonte der nicht vorbestrafte junge Mann gute Absichten: „Ich möchte hier mit Frau und Kind leben, als Altenpfleger arbeiten und mir nichts mehr zuschulden kommen lassen!“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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