Prozess um niedergestochenen Portier

Bluttat in Hotel: Messerstecher muss in Psychiatrie

Offenbach - In dem Fall um den vor einem Jahr niedergestochenen Portier eines Offenbacher Hotels erging jetzt kein überraschendes Urteil: Der Täter Ibrahim S. muss auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Das Urteil im Prozess um den niedergestochenen Portier eines Hotels in Bahnhofsnähe war eher eine Formsache denn ein umfangreicher Findungsprozess. Richter Jens Aßling, Vorsitzender der Jugendstrafkammer am Landgericht Darmstadt, ordnet für Ibrahim S. auf unbestimmte Zeit den Aufenthalt in der Psychiatrie an. Dort sitzt der 21-jährige Offenbacher bereits seit fast einem Jahr ein, weil er am 4. Oktober 2014 einen 62-jährigen Angestellten grundlos und ohne Vorwarnung hinter der Rezeption mit einem Fleischermesser niedergestreckt hatte. Einer der drei Stiche verletzte die Lunge, das Opfer musste notoperiert werden. Der ehemalige Portier ist bis heute arbeitsunfähig und leidet psychisch wie körperlich unter den Folgen des Angriffs.

Für die Kammer bestätigt sich nach vier Prozesstagen der genaue Wortlaut aus der Anklageschrift – gefährliche Körperverletzung im Zustand der Schuldunfähigkeit. Denn spätestens nach Verlesung des Gutachtens von Dr. Angelika Marc scheint klar: Der einschlägig vorbestrafte junge Mann leidet unter einer paranoiden Schizophrenie.

Die Psychiaterin: „Er war zum Tatzeitpunkt verwirrt und steuerungsunfähig. Er leidet unter Wahnvorstellungen, inneren Stimmen, Halluzinationen, gestörtem Gedankenfluss und Erregungszuständen.“ Diese Diagnose folgert die Oberärztin nicht allein aus ihren Beobachtungen in der Psychiatrie, sondern auch aus den Aussagen der Zeugen vom Tatort. Neben dem Opfer selbst konnten mehrere Hotelgäste Angaben machen. Sie kamen, durch Schreie aufgeschreckt, unmittelbar nach der Tat in die Lobby, leisteten erste Hilfe und riefen den Rettungsdienst. Auch die Vernehmungsbeamten der Polizei und Staatsanwältin Birgit Lüter bestätigen, dass S. nach der Tat ein völlig anderer Mensch war als der, der vor Gericht sitzt. „Er hat zwei Gesichter“, konstatieren die beiden älteren Brüder.

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Auf der einen Seite stehen da bereits vier Einträge im Bundeszentralregister wegen Körperverletzung, Raub, Diebstahl und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Auf der anderen Seite soll S. sehr hilfsbereit gewesen sein, „mit einem ausgeprägten Sinn für Recht und Ordnung“. Zweimal hat er bereits Jugendarrest verbüßt. Nach der aktuellen Tat sieht die Sozialprognose denkbar schlecht aus. „Das Risiko weiterer Delikte ist hoch“, so Marc, „es könnte neue, willkürliche Opfer geben, von denen er sich aus unerfindlichem Grund bedroht fühlt.“

Dass jahrelanger Cannabismissbrauch Ursache der Tat sei, verneint die Sachverständige hingegen: „Er hat keine drogeninduzierte Psychose. Allerdings könnte der Konsum den Ausbruch einer solchen getriggert haben.“ Die durchschnittliche Länge richterlich angeordneter Psychiatrieaufenthalte beträgt viereinhalb Jahre. Für S. dürfte danach die Welt nicht wieder in Ordnung sein. Aktuell gilt Schizophrenie als nicht heilbar.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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