Prozess nach Überfall auf Bäckerei

Bares statt Brot gefordert

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Bieber - Er überfiel eine Bieberer Bäckerei, jagte der Verkäuferin einen großen Schreck ein. Beute machte er aber nicht. Nun stand der 24-jährige Täter vor dem Richter. Er muss für fast drei Jahre ins Gefängnis.

Ein 24-jähriger Deutscher hatte im Februar eine Bieberer Bäckereifiliale überfallen. In diesen Tagen stand er deshalb vor dem Offenbacher Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Manfred Beck. Der Mann war schon mit 16 Jahren dem Alkohol verfallen. Dennoch konnte er bis Anfang 20 noch einer regelmäßigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Danach lebte er von Zuwendungen seiner Mutter, bei der er wohnte. Der Vater war früh gestorben. Ab und zu besserte der Mann seine Einkünfte durch Gelegenheitsjobs auf. In seiner Stammkneipe häufte er jedoch erhebliche Schulden an. Immer wieder lieh er sich bei Freunden Geld.

Im Februar drängten mehrere Gläubiger auf Zahlung, die er mit der falschen Angabe hingehalten hatte, er werde zur Monatsmitte Geld bekommen. In dieser Situation kam er auf die Idee, die Bäckerei zu überfallen. Er hoffte, damit seine Gläubiger ruhigstellen zu können. Zwei Löcher für die Augen schnitt er in eine Mütze, ging zu seinem Auto und fuhr in die Nähe der Bäckerei. Er nahm eine Softairpistole mit, die die er immer in seinem Auto hatte und die ein Laie leicht mit einer echten Waffe verwechseln konnte, und versteckte sie in seiner Jackentasche.

„Bleiben Sie ruhig. Dies ist ein Überfall!“

Dann ging er in die Bäckerei und sagte leise zur Verkäuferin: „Bleiben Sie ruhig. Dies ist ein Überfall! Legen Sie alles Geld in den Beutel!“ Dabei reichte er einen Leinenbeutel über die Theke. Die Verkäuferin hatte große Angst, zumal der Mann ihr kurz die Pistole zeigte. Daher vermochte sie die Kasse nicht zu öffnen, weil ihr der Code nicht mehr einfiel.

Inzwischen kam eine Kundin ins Geschäft. Der Mann zeigte sich „großzügig“ und sagte zur Angestellten: „Bedienen sie doch erst die Dame.“ Zufällig konnte diese passend zahlen, so dass die Verkäuferin die Kasse nicht öffnen musste. Die Kundin merkte aber, dass die Frau sehr nervös war. Sie schaute auf den Angeklagten und sah eine Ausbeulung in seiner Jackentasche, die sie als Waffe deutete.

Sie verließ den Laden und rief die Polizei per Handy an. Der Mann hatte bemerkt, dass die Kundin Verdacht geschöpft hatte und rief zur Verkäuferin: „Willst du mich verarschen? Rück das Geld raus! Aber schnell!“ Wieder versuchte sie vergeblich, die Kasse zu öffnen. Der Mann hatte Angst, dass die Polizei gleich käme, und merkte, dass die Verkäuferin ihm nichts vorspielte, sondern wirklich die Kasse nicht aufbekam. Er rannte aus dem Geschäft und fuhr davon. Die Kundin hatte bereits Passanten über den Überfall informiert. Irgendjemand fotografierte das Nummernschild, so dass die Polizei den 24-Jährigen schnell als Täter ausmachen konnte.

Der Mann bat um Gnade. Er versprach dem Gericht, er werde eine Therapie gegen den Alkohol machen und nie mehr vor Gericht erscheinen. Richter Manfred Beck hielt ihm jedoch vor, dass er seit Februar Zeit genug gehabt hätte, eine Therapie zu beginnen, wenn er dies wirklich ernst meine. Das Gericht verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten.

Sein Verteidiger legte Berufung gegen das Urteil ein. Er erhofft sich, dass der Angeklagte bis zur Berufungsverhandlung eine Therapie macht und dann doch eine Chance auf eine Bewährungsstrafe erhält. 

vs

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