Marokkaner erneut als Dealer verurteilt

Abschiebung verkürzte Haft

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Offenbach - Dass er die telefonisch bestellten „Doros“ im „Esel“ von Offenbach nach Fechenheim zu transportieren gedachte, nutzte einem 38-Jährigen nichts. Die Polizei verstand den Drogenhändler-Jargon und nahm den Marokkaner fest, nachdem er den Stoff übergeben hatte.

„Doro“, eigentlich Goldmünze, steht für ein Gramm Kokain, der „Esel“ ist ein Taxi. Nun stand der Mann vor dem Offenbacher Schöffengericht und wurde von Richter Manfred Beck zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Er war bei der Überwachung einer ebenfalls aus Marokko stammenden Gruppe aufgefallen. Seit Ende 2012 hatte er immer wieder „Doros“ bei einem der Großdealer bestellt. Als er Anfang 2013 mit zehn Gramm unterwegs war, folgte ihm die Polizei unerkannt. Bei der Festnahme versuchte er noch, das Kokain wegzuwerfen, was ihm jedoch nicht mehr gelang. Anschließend stellte sich heraus, dass der Mann 2002 schon einmal zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden war. Damals hatte er zunächst einen falschen Namen angegeben. Als ihm aber die Haft zu lange wurde, identifizierte er sich korrekt und ließ sich nach Marokko abschieben.

Dort hatte er wohl so viel Geld gebunkert, dass er bald nach Spanien reisen konnte, wo er eine Einheimische heiratete und so zum EU-Bürger wurde. Als solcher konnte er mühelos nach Deutschland reisen und seine Drogengeschäfte wieder aufnehmen. Die 666 Tage Haft, die er sich 2004 ersparte, muss er nun zusätzlich zur aktuellen Freiheitsstrafe nachholen.

Sein Verteidiger hatte Freispruch verlangt, weil der Angeklagte doch gar kein Kokain gekauft habe – nach der Verpackung müsse der dem Gericht vorliegende Stoff aus einem anderen Verfahren stammen. Dem wollte das Gericht nach einer erneuten Anhörung des ermittelnden Beamten nicht folgen. Ebenso nicht der Einschätzung des 38-Jährigen, dass die Strafe für zehn Gramm wohl zu hoch ausgefallen sei. Richter Beck erklärte dem Mann, er müsse leider davon ausgehen, dass der nicht mehr abzuschiebende Angeklagte nach der Haft wieder mit Drogen dealen werde.

Polizeihunde in der Ausbildung

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tk

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