Angeklagter auf Bewährung frei

Ungewaschener Strumpf als Rauschgift-Versteck

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Offenbach - Es gibt Offenbacher Familien, die dem Begriff „Sippenhaft“ aus eigenem Dazutun eine weitere Bedeutung verleihen. Immer schaffen es Angehörige vor Gericht, gerade so, als ob alte Vorurteile gegenüber der Herkunft aus Brennpunkten bestätigt werden sollten.

Die Familie B., einst im Lohwald daheim, hat sich seit Jahrzehnten bei Strafrichtern einen Namen gemacht. Manfred Beck, Vorsitzender Richter am Offenbacher Schöffengericht, kennt aus diversen Verfahren gegen B.s eine wiederkehrende Klage: Man bekomme in Offenbach und Umgebung mit diesem bekannten Namen kaum eine Chance auf Arbeit, weil viele Arbeitgeber befürchteten, dass man sich „am Vermögen des Arbeitgebers bereichern würde“.

Jüngst stand allerdings ein B. vor Gericht, der es trotz dieser Hindernisse ins Berufsleben geschafft hat. Der 30-Jährige musste sich wegen des Besitzes von Rauschgift verantworten. Dabei spielte weniger das Kainsmal seiner Abkunft mit als der Umstand, dass ihm auch das Pech im übertragenen wie fast im buchstäblichen Sinn an den Füßen klebte.

Angeklagter gesteht

B. war in Verdacht geraten, an den Einbrüchen einer Bande beteiligt gewesen zu sein. Beweise dafür fand die Polizei allerdings nicht, als sie seinen Kleingarten durchsuchte. Die Beamten wollten schon wieder gehen, als – erstes Pech für B. – einem jungen Familienvater unter ihnen ein Bobbycar auffiel: Bei dem fraglichen Modell lässt sich der Sitz hochklappen. Die Polizisten schauten nach und entdeckten 40 Gramm Kokain.

Zweites Pech für B.: Er hatte den Strumpf nicht gewaschen, in den das Rauschgift eingewickelt war. So war anhand der DNS-Analyse von Hautabrieb eine eindeutige Zuordnung möglich. Vor Richter Beck gestand der Angeklagte den Besitz des Kokains. Er habe die Droge verkaufen wollen, weil er knapp bei Kasse gewesen sei. Mit eventuellen Machenschaften seiner Verwandtschaft habe er nichts zu schaffen. Er wisse auch gar nicht, wo sie sich aufhielten.

Der Richter würdigte, dass B. einem legalen Job nachgeht und sich nur einmal vor Jahren strafbar gemacht hat, als er für Geldwäsche der osteuropäischen Mafia ein Konto einrichtete und eingehende Gelder weiterleitete. So gab es für den 30-Jährigen eine auf Bewährung ausgesetzte Freiheitstrafe von einem Jahr und acht Monaten plus eine ans Offenbacher Kinderheim zu zahlende Geldbuße von 1500 Euro. 

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tk

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