„Zum Sex eingeladen“

Hohe Haftstrafe nach Vergewaltigung

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Offenbach - Er schwieg, stritt die Tat ab, wurde am Ende aber doch zu einer hohen Haftstrafe wegen einer Vergewaltigung verurteilt. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Auch wenn der Angeklagte die Tat bis zuletzt abgestritten hat und die Schuld sogar beim Opfer sah: Das Darmstädter Landgericht überzeugte Mohammad Z. mit seinen Behauptungen nicht. Nach drei Prozesstagen verurteilte Richter Dr. Christoph Trapp den wegen Vergewaltigung angeklagten Münchener mit jordanischem Pass wegen besonders schwerer sexueller Nötigung in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu zehneinhalb Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor zwölf Jahre Gefängnis gefordert, die Verteidigung sah die Vergewaltigung dagegen als nicht erwiesen an und plädierte für eine Gesamtstrafe von drei Jahren.

Der 33-Jährige hatte die gleichaltrige Offenbacherin B. vor einem Jahr in ihrer Wohnung mit einem Küchenmesser bedroht, 50 Euro erpresst, geschlagen, gestochen und schließlich vergewaltigt. Weil die Wohnungstür nach der Rückkehr vom Einkauf noch offen stand, gelangte Z. unbemerkt hinein. Die damals zweijährige Tochter des Opfers bekam die Tat von einem Hochstuhl im Nebenzimmer aus mit.

Angeklagter verweigert Wortbeitrag

Der mehrfach, aber nicht einschlägig vorbestrafte Z. verweigerte im Prozess zunächst jeglichen Wortbeitrag. Am letzten Verhandlungstag lieferte er über seinen Verteidiger Christian Gerber jedoch ein Teilgeständnis. Darin bestätigt er in Bezug auf die Rahmenhandlung die Aussagen von Nebenklägerin B. und dem Zeugen aus der Nachbarschaft. In den entscheidenden Punkten jedoch formuliert er eine für die 12. Strafkammer völlig unglaubwürdige Version.

Gerber konstatiert: „Das Messer hat er nur aus der Küche geholt, um sich gegebenenfalls gegen B.s Ehemann zu verteidigen. Nie hat er dies auf sie gerichtet oder sie gar damit verletzt.“ Den Raub der 50 Euro gibt er unumwunden zu, ebenso, dass er die Frau ins Gesicht und gegen den Oberarm geschlagen habe.

Die folgende Schilderung jedoch bezeichnen Psychiater als Externalisierungstendenz: Die Neigung, eigene Schuld und Verantwortlichkeit auf andere Personen oder Umstände zu schieben. Nicht er habe der Muslima mit Vergewaltigung gedroht, sondern sie habe gesagt: „Komm, komm!“, um ihn zum Sex aufzufordern.

Chronologie von Missbrauchsfällen

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Diese Überzeugung lässt Z. auch in seinem letzten Wort vor dem Urteil durch die Dolmetscherin übersetzen: „Sie hat gelogen! Sie hat mich zum Sex eingeladen und sich selbst ihren Slip zerrissen!“ Wie die sechs Zentimeter lange Schnittwunde am Gesäß zustande kam, könne er sich nicht erklären. Die psychiatrische Sachverständige bescheinigte Z. eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, die aber nicht für eine Schuldunfähigkeit ausreiche.

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