Schöffengericht verurteilt Ehepaar

„Bullenfänger“ vertickt

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Offenbach - Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck musste sich mit dem Fall eines türkischstämmigen Ehepaars befassen, das der verlockenden Aussicht aufs schnelle Geld erlegen ist.

Statt des erhofften satten Gewinns stand am Ende unterm Strich eine Verurteilung wegen des Verstoßes gegen das Markengesetz. Der 53 Jahre alte Mann und seine fünf Jahre jüngere Ehefrau waren durch Kontakte in die Türkei mit einem dortigen Händler bekanntgeworden. Der bot ihnen sogenannte Bullenfänger für Pkw zum Schnäppchenpreis und Weiterverkauf in Deutschland an. Was die Eheleute nicht wussten: Es handelte sich um illegale Kopien von Produkten einer deutschen Firma.

Hintergrund: Nachdem in Deutschland Frontschutzbügel vor Jahren verboten worden waren, weil es beim Zusammenstoß mit Fußgängern zu schweren Verletzungen gekommen war, hatte diese deutsche Firma mit wenigen anderen Firmen Modelle entwickelt, die den EU-Anforderungen entsprachen und keine Gefährdung darstellten.

Das Ehepaar bekam die Plagiate samt gefälschtem TÜV-Stempel und EU-Zulassung aus der Türkei geschickt. Zunächst glaubten die beiden, dass alles seine Ordnung habe. Als jedoch die ersten Käufer sie darauf hinwiesen, dass es sich um billige Nachbauten des Originals handelte, merkten die Angeklagten, dass sie illegale Produkte von ihrem türkischen Lieferanten erworben hatten. Statt das Verticken der Bügel zu stoppen, verkauften sie weitere 121 „Bullenfänger“ zum Stückpreis von 300 Euro. Im Original sind diese nicht unter 500 Euro zu bekommen.

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Vor Richter Manfred Beck legten die Angeklagten ein Geständnis ab. Sie hätten mit 100.000 Euro ihr ganzes Vermögen in den Ankauf der Teile gesteckt und hätten keine andere Möglichkeit gesehen, als die erworbene Ware zu verkaufen, um sich über Wasser zu halten. Das Gericht verhängte gegen beide eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Die mittellosen Angeklagten müssen zudem je 600 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. 

mad

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