Prozess um Todesfahrt

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Der schwere BMW wird am Nachmittag des 8. Dezember 2008 aus dem Main gezogen. Auf dem Rücksitz befinden sich die Leichen der beiden 17-jährigen Mädchen.

Offenbach - Der Fall erschüttert Ende 2008 die Stadt: In der Nacht auf den 8. Dezember fährt ein mit vier jungen Leuten besetzter BMW-Geländewagen vom Mainuferparkplatz aus in den Fluss. Von Matthias Dahmer

Sehen Sie hier das Video von der Suche nach dem versunkenen BMW.

Während sich Fahrer und Beifahrer aus dem Auto ans Ufer retten können, ertrinken auf dem Rücksitz zwei Mädchen in den eiskalten Fluten des Mains. Sie sind gerade 17 Jahre alt.

Vor dem Amtsgericht Offenbach verantworten muss sich seit gestern Okan Y., ein zur Tatzeit 21 Jahre alter Türke aus Frankfurt. Er steuert in der Unglücksnacht den auf seine Mutter zugelassenen, überwiegend aber von ihm genutzten Wagen.

Es ist ein vergleichsweise großer Prozess

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung in zwei Fällen vor. Drei Sachverständige und zwei Dolmetscher sind geladen, es werden fünf Zeugen zu hören sein. Die Eltern der ertrunkenen Mädchen, Bosnier aus Offenbach und Portugiesen aus Linden aus Gießen, treten als Nebenkläger auf. Es ist ein vergleichsweise großer Prozess vor dem Amtsgericht, der von Richterin Zoschke mit Umsicht geführt wird.

Schnell wird jedoch deutlich: Okan Y., der mit drei Jahren nach Deutschland kam, versteht sich eher in der Rolle eines Opfers unglücklicher Umstände denn als Täter. Bei seiner Aussage beruft es sich oft auf Erinnerungslücken, verstrickt sich trotz des Beistands seines Plichtverteidigers in offensichtliche Widersprüche und kann bei den bohrenden Fragen der jungen Rechtsanwältinnen, die die Eltern als Nebenkläger vertreten, nur mit Mühe aggressives Macho-Gehabe unterdrücken.

Hinterbliebene brechen mehrfach in Tränen aus

Bei den Eltern der jungen Mädchen hat er sich schriftlich entschuldigt. Er erneuert dies gestern im Prozess, stößt bei den Hinterbliebenen, die mehrfach in Tränen ausbrechen, aber nur auf ein bitteres Kopfschütteln.

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Okan Y., der nach dem Hauptschulabschluss eine Lehre als Einzelhandelskaufmann abgebrochen hat und zurzeit von Hartz IV lebt, kam schon öfter wegen Verkehrsverstößen mit dem Gesetz in Konflikt: 2004 eine Unfallflucht, 2006 Fahren ohne Fahrerlaubnis. Dazu 2007 eine rote Ampel missachtet, sein vierjähriges Kind, das er aus seiner früheren Beziehung hat, nicht richtig angeschnallt. Im Bundeszentralregister stehen für den einzigen Sohn der Familie - er hat noch vier Schwestern - außerdem eine Verurteilung wegen Diebstahls sowie wegen des Missbrauchs von Notrufen.

Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt.

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