Prozess um tödliche Messerstiche

Zur Zeugenvernehmung nach Stockholm gereist

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5. April 2014: Der abgesperrte Tatort auf den Treppenstufen zum Zugang zur zweiten Ebene an der Berliner Straße.

Offenbach/Darmstadt - Elf Monate ist es her, dass vor dem Gebäudekomplex an der Schloßstraße 20-22 ein Mensch erstochen wurde. Bereits wenige Wochen später wurde der tatverdächtige 40-jährige Pajazit H. , genannt „Xiti“, aus Frankfurt-Griesheim gefasst. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Seit Mitte Oktober wird ihm der Prozess vor dem Landgericht Darmstadt gemacht (wir berichteten). Xiti soll den zwei Jahre jüngeren Nevzad G. am frühen Morgen des 5. April 2014 mit sechs Messerstichen in Brust und Unterleib so schwer verletzt haben, dass er kurz darauf starb. Der Tat soll ein Streit in einem Club voraus gegangen sein, Auslöser war ein herunter gefallenes Glas. Der Club ist ein beliebter Treffpunkt für verschiedene Cliquen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Während sich Strafsachen vor der Schwurgerichtskammer üblicherweise im zeitlichen Rahmen halten, scheint der Fall Xiti diesen mehr und mehr zu sprengen – in dieser Woche zählte man den 13. Verhandlungstag. Es sind mehrere Faktoren, welche die Wahrheitsfindung mühsam machen: Der albanischstämmige Angeklagte schweigt, kaum einer der rund 15 Zuschauer im Halbdunkel des Treppenpodestes will etwas gesehen haben, wichtige Zeugen befinden sich im Ausland. Nicht einmal das Motiv konnte bislang ermittelt werden.

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Der Aufwand in dem Prozess ist immens: Die drei Richter inklusive Staatsanwalt und Nebenklagevertreter mussten die Hauptbelastungszeugin Jasmina und ihren Lebensgefährten in Stockholm verhören. Diese Vernehmungen wurden videoaufgezeichnet, seit drei Sitzungen ist man nun damit beschäftigt, die Verhöre durch komplette Sichtung in den Prozess einzuführen. Die Videos ziehen sich auch deswegen in die Länge, weil bei jeder Frage und Antwort von deutsch auf schwedisch nach serbisch und umgekehrt übersetzt werden muss. Immerhin scheint die Reise die Beweisaufnahme einen Schritt nach vorne gebracht zu haben: Jasmina bestätigt ihre Aussage aus der Vernehmung in Offenbach, die sie damals nicht unterschreiben wollte: „Xiti ist von den vier an dem Gerangel mit Nezvad beteiligten Albanern derjenige gewesen, der einen metallisch blitzenden Gegenstand in der Hand hielt.“ Dass er zugestochen hat, habe sie aber nicht gesehen.

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Am nächsten Verhandlungstag Ende März soll das Videoverhör ihres Lebensgefährten eingeführt werden. Zwischenzeitlich muss die Kammer aber wahrscheinlich eine weitere Reise zu einem Zeugen in Serbien antreten, in dessen Folge sich das „Videospiel“ dann wiederholen würde. Der Mann soll in zwei Wochen als Zeuge vorgeladen sein, ob er dann auch erscheint - dahinter stehen noch Fragezeichen. Nur eins ist sicher: Ein Prozessende ist nicht in Sicht.

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