Prozess wegen Drogenhandels

Angeklagter schon dreimal ausgewiesen

+

Offenbach - Vor dem Landgericht Darmstadt muss sich ein marokkanisches Pärchen für Besitz und Handel in großem Stil verantworten. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Gut drei Zentner Drogen im Straßenverkaufswert von mehreren hunderttausend Euro konfiszierten Offenbacher Rauschgiftfahnder am 17. März: 130 Kilo Haschisch, 16 Kilo Marihuana, 2,85 Kilo Kokain und 3,79 Kilo Amphetamin lagerten an der Neusalzer Straße im Lauterborn und der Peter-Behrens-Straße in Darmstadt. Vorm Landgericht Darmstadt muss sich ein marokkanisches Pärchen für Besitz und Handel in großem Stil verantworten. Beide sind weitgehend geständig und gaben am ersten Verhandlungstag über ihre Verteidiger kurze Erklärungen ab.

Weitere Fragen der 15. Strafkammer wurden aber weder von Moustapha A. (46) noch von seiner Freundin Soumaya A. (24) beantwortet. Diese aber erklärte sich bereit, mit Hilfe einer Dolmetscherin über ihren Werdegang im marokkanischen Tanger zu berichten: Sie habe eine sehr gute Erziehung genossen, mit 18 Abitur gemacht und eine Ausbildung zur Krankenschwester angefangen, aber nicht beendet. Auf die Frage der Richterin, warum sie die Lehre abgebrochen habe, sagt die Angeklagte erst, „der Mann“ sei die Ursache, dann doch die Krankheit der Mutter und der Unfalltod des Bruders. 2010 hat sie in ihrer Heimatstadt den verheirateten Familienvater A. kennen gelernt. Da sie in Marokko keine Beziehung eingehen können, gehen sie nach Deutschland.

Was folgt, verlesen die Verteidiger: Ende 2012 reist das Paar illegal ein, beide haben gefälschte Papiere. Moustapha will im erlernten Beruf als Verkäufer arbeiten und einen Export mit Autozubehörteilen aufbauen, was ohne Aufenthaltserlaubnis nicht realisierbar ist.

Mit Hilfe eines Bekannten steigt er ins Drogengeschäft ein. „Den Namen will mein Mandant aus Angst vor Repressalien gegen seine Familie in Marokko nicht nennen“, sagt Rechtsanwalt Heinz-Jürgen Borowsky. Aus einem Wohnmobil habe er mehrere Taschen mit Rauschgift übernommen, das er teils gebunkert und teils weiterverkauft habe.

Die kuriosesten Gesetze aus aller Welt

Die kuriosesten Gesetze aus aller Welt

Moustapha ist deutschen Behörden kein Unbekannter. Er wurde innerhalb der vergangenen 20 Jahre zweimal wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt und dreimal ausgewiesen. Seine junge Gefährtin war bislang in Deutschland unauffällig.

Soumaya sei in die Geschäfte nicht eingebunden gewesen; sie wollte nur, „dass das Zeug aus den Wohnungen verschwindet“. Verteidiger Joachim Bremer weist den Vorwurf des Handeltreibens gegen seine Mandantin zurück: „Sie hat die stark riechenden Drogenpakete beim Aufräumen und Putzen angefasst, daher die Fingerabdrücke. Sie hat jedoch keine Beihilfe zum Dealen geleistet.“

In der Wohnung verteilt war indes nicht nur das Drogenkontingent, sondern auch eine erhebliche Menge Bargeld: 19 500 Euro. Aufgeflogen sind die Angeklagten durch Abnehmer und Nachbar K. Dieser wurde wegen dieses Deals bereits verurteilt und berichtet im Zeugenstand, sich wegen drückender Schulden mit Moustapha eingelassen zu haben. „Ich habe von ihm auf Kommission zwei Kilogramm Hasch und zwölf Gramm Kokain zum Weiterverkauf erworben“, so der 46-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion