Prozess gegen Yüksel D.

Kreditkartenbetrug: Nach Freispruch in den Knast

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Ein Foto aus besseren Tagen: Yüksel D. (rechts) bei Eröffnung der Offenbacher Boutique im Jahre 2009 mit einem Geschäftspartner, der mit dem laufenden Prozess nichts zu tun hat.

Offenbach - Am Ende war’s ein Freispruch mangels Beweisen: Yüksel D., Ex-Liebhaber von Sternchen Gina-Lisa Lohfink, konnte vorm Amtsgericht kein Betrug nachgewiesen werden. Von Matthias Dahmer

Der Prozess warf gleichzeitig ein Schlaglicht darauf, dass in Offenbach organisiert und in großem Stil Missbrauch mit Kredikarten betrieben wird.

Richter Manfred Beck ging gestern in seiner Urteilsbegründung ausführlich darauf ein, dass Polizei und Justiz in jüngster Vergangenheit massiv mit dem Problem konfrontiert gewesen seien. So funktioniert es: Post-Mitarbeiter erhalten von Kriminellen zwischen 200 und 400 Euro dafür, dass sie Karten abzweigen, die von den Banken per einfachem Brief an ihre Kunden verschickt werden. Bis der Diebstahl bemerkt wird, vergehen bis zu zwei Wochen, in denen die Täter leicht Einkäufe von mehreren zehntausend Euro tätigen können. „Die Ware wird dann zum Beispiel auf Flohmärkten abgesetzt“, so Richter Beck.

Betrügerische Einkäufe

In der Regel würden die davon betroffenen Geschäfte nicht ins Blickfeld der Ermittler geraten, weil die betrügerischen Einkäufe normalerweise zehn bis 20 Prozent des Umsatzes ausmachten und man davon ausgehe, das die Läden nichts mit den Taten zu tun hätten.

In der ehemaligen Boutique „Go Gina“ in der Waldstraße 13, deren Geschäftsführer Yüksel D. war, machten die Buchungen mit geklauten oder gefälschten Kreditkarten im Sommer 2010 aber rund 80 Prozent des Umsatzes aus. Zwischen Juni und September ist an drei Tagen durch insgesamt sieben Buchungen ein Schaden von rund 16.500 Euro entstanden. Ob dabei tatsächlich Ware über den Ladentisch ging oder die Einkäufe nur vorgetäuscht waren, konnte vor Gericht nicht geklärt werden.

Zugunsten des Angeklagten

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Zugunsten des Angeklagten, so das Schöffengericht, müsse aber von tatsächlichen Einkäufen ausgegangen werden. Darüber hinaus könne Yüksel D. weder nachgewiesen werden, dass er mit den bislang unbekannten Verwendern der Kredikarten unter einer Decke steckte, noch, dass er zu den Tatzeiten überhaupt im Laden war. Es sei auch vorstellbar, dass Mitarbeiterinnen der Boutique gemeinsame Sache mit Kreditkartenbetrügern gemacht hätten, so Beck. „Die Indizien sind nicht ausreichend“, fasste er nach zweitägiger Verhandlung zusammen. Das Gericht folgte mit seinem Urteil den Anträgen der Verteidiger von Yüksel D. Die Staatsanwaltschaft hatte eine mehrmonatige Strafe gefordert.

Richtig genießen konnte Yüksel D. den Freispruch indes nicht: Er musste zurück in die JVA Darmstadt-Eberstadt, wo er eine 18-monatige Gefängnisstrafe dafür absitzt, dass er nach einer Verurteilung wegen Körperverletzung gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat.

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