Prügel für schlechten Empfang

Offenbach - Ein 30-jähriger Arbeitsloser muss für sieben Monate ins Gefängnis, nachdem er in einer Absteige in der Offenbacher Innenstadt einen Zimmernachbarn verprügelt hat. Der betrunkene Schläger war ausgerastet, weil sein Fernseher flimmerte, dafür machte er Nachbarn verantwortlich.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck verurteilte den reuigen und geständigen Übeltäter zu einer Freiheitsstrafe. Denn erst drei Monate vor dem Übergriff war er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. „Und er hat sich eben nicht bewährt“, begründet Beck die richterliche Strenge.

Die Gerichtsverhandlung bot einen Blick in die Abgründe eines von Alkohol und Perspektivlosigkeit geprägten Lebens. Der 30-jährige Familienvater hat nach seinem Realschulabschluss einen Großteil seiner Zeit an Trinkhallen oder im Gefängnis gefristet und wenig auf die Reihe bekommen. So setzte ihn seine Lebensgefährtin, mit der er zwei Kinder hat, im Juli 2007 auf die Straße. In einem Einfachst-Hotel fand er eine Unterkunft. Aus Verärgerung über seine Freundin und Frust über sein Leben trank der Mann sich in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli, bis er fast drei Promille Alkohol im Blut hatte.

Am frühen Morgen gegen 6 Uhr kam er auf die Idee, er könne nun ein bisschen fernsehen. Zu seiner Verärgerung sah er aber nur Flimmern auf dem Bildschirm. Er machte seinen Zimmernachbarn, einen 50-jährigen Arbeitslosen, für den schlechten Empfang verantwortlich. Denn durch dessen Zimmer liefen die Fernsehkabel der Absteige. Daher bekam er bei schlechtem Empfang von Mitbewohner des Hotels öfter den Vorwurf zu hören, er sitze wohl auf den Kabeln. So trat der betrunkene Wüterich kurzer Hand die Zimmertür ein und schlug heftig auf den nichts Böses ahnenden 50-jährigen ein. Der flüchtete daraufhin zum Portier. Der 30-jährige setzte dem Mitbewohner nach und gab ihm am Empfangsbereich noch ein paar weiter Schläge. Da der Portier sich mit dem Rasenden nicht anlegen wollte, brachte der 50-jährige sich beim nahe gelegenen 2. Polizeirevier in Sicherheit.

Vor Richter Beck und den Schöffen zeigte sich der Angeklagte reuig. Er hatte sich auch - was das Opfer vor Gericht bestätigte - einige Tage nach der Tat „in aller Form“ bei dem Geschädigten entschuldigt. Der 50-jährige war daraufhin zur Polizei gegangen und hatte die Anzeige zurückgenommen. Da der 30-jährige aber kein unbeschriebenes Blatt ist, erkannte die Staatsanwaltschaft ein öffentliche Interesse an der Strafverfolgung und brachte den Wiederholungstäter einmal mehr vor Gericht, das nun hart durch griff.

Bemerkenswert fand Richter Manfred Beck, dass der Gewalttäter trotz der drei Promille bei der Untersuchung durch den Polizeiarzt unmittelbar nach der Tat fast keine Ausfallerscheinungen zeigte. Sein Gang war sicher und die Sprache deutlich. Das zeigt, an wie viel Alkohol sein Körper gewöhnt ist.

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